Streit über Rentenreform Macron ist jetzt doch kompromissbereit

Alle großen Gewerkschaften in Frankreich kämpfen seit Wochen gegen die Rentenreform. Jetzt hat Staatschef Emmanuel Macron signalisiert, bei den Plänen "nachzubessern".
Emmanuel Macron

Emmanuel Macron

Foto: Christian Hartmann/ REUTERS

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigt sich im Streit über die Rentenreform kompromissbereit: Der Staatschef sei gewillt, die Pläne "nachzubessern", teilte der Elysée-Palast kurz vor neuen Verhandlungen der Regierung mit den Gewerkschaften mit. Dies gelte insbesondere für die geplante Anhebung des Renteneintrittsalters von 62 auf faktisch 64 Jahre. Der Präsident werde sein zentrales Reformvorhaben aber "weder aufgeben noch verfälschen", hieß es.

Macrons Ziel sei es, den Franzosen eine Streikpause an Weihnachten zu ermöglichen, betonte sein Büro in Paris. Die Gewerkschaften hatten zuvor mit Aktionen bis Ende Dezember gedroht, falls die Regierung ihre Reformpläne nicht zurückzieht.

Weitere Streiks im Nah- und Fernverkehr geplant

Regierungschef Edouard Philippe trifft die Gewerkschaftschefs zu Einzelgesprächen am Nachmittag, am Donnerstag ist eine gemeinsame Verhandlungsrunde mit allen Sozialpartnern geplant.

Mit der Rentenreform will Macrons Mitte-Regierung die Zersplitterung in 42 Renten-Einzelsysteme beenden, von denen einige zahlreiche Sonderrechte und Privilegien mit sich bringen. Die Regierung machte zwar bei den Übergangsfristen zum neuen Punktesystem Zugeständnisse an die Gewerkschaften und beugte sich damit dem Druck der Straße.

Die Gemüter der Franzosen vermochte sie damit aber nicht nachhaltig zu besänftigen. Am Dienstag versammelten sich Hunderttausende Menschen zum Massenprotest auf den Straßen. Und auch am Mittwoch werden wieder erhebliche Einschränkungen im öffentlichen Leben und Nah- wie Fernverkehr mit Zügen erwartet.

Im Schnitt fallen zwei Drittel der TGV-Schnellzüge aus und 60 Prozent der Regionalzüge. Die Deutsche Bahn und die Gesellschaft Thalys riefen ihre Kunden auf, sich im Internet zu informieren.

Video zu Streik und Demos in Frankreich: "Der Zeitdruck ist groß"

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als/AFP