SPIEGEL-Diskussion mit Christoph Ploß »Viele Menschen fühlen sich durch die Gendersprache gegängelt«

Der CDU-Politiker Christoph Ploß aus Hamburg stellte sich im Livestream den Fragen von SPIEGEL-Lesern. Es ging um Klimaschutz, die Coronamaßnahmen – und Gendersternchen.
DER SPIEGEL

Christoph Ploß, Bundestagsabgeordneter und Landeschef der CDU in Hamburg, macht gern mit knalligen Forderungen von sich reden. Vor allem das Thema gendergerechte Sprache treibt ihn um: Ginge es nach dem 36-Jährigen, würden Gendersternchen oder -unterstriche in Ämtern und Schulen sogar verboten.

Aber in welcher Gesellschaft möchte Ploß leben – auch jenseits des Streits über die richtige Sprache? Wie zum Beispiel will der CDU-Mann, der sich auch als Vertreter jüngerer Generationen sieht, den Klimawandel effektiv bekämpfen? Darüber sprach Melanie Amann, Mitglied der SPIEGEL-Chefredaktion, am Dienstag mit Ploß bei einer Veranstaltung in Berlin, die angemeldete Abonnentinnen und Abonnenten live am Computer verfolgen konnten und dabei auch Fragen stellen konnten. Es war die letzte Ausgabe dieser Veranstaltungsreihe in der Republik 21, in der wir vor der Bundestagswahl die großen politischen Fragen unserer Zeit diskutieren.

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Bis zur Bundestagswahl nehmen wir uns nacheinander große Fragen aus Politik und Gesellschaft vor – und laden zum Diskutieren und Mitmachen ein. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Frage: Welche Gesellschaft wollen wir? 

Amann fragte zunächst nach den konkreten Vorhaben in der Klimapolitik: CO₂-Neutralität ab 2045, laute das Ziel auch der Union, »was bedeutet das praktisch für die Leute?« Und welchen Preis wolle die CDU künftig für die Tonne CO₂ verlangen? Im Wahlprogramm sei nur von einer schnelleren Erhöhung als bisher geplant die Rede. Auf einen genauen Preis wollte sich Ploß nicht festlegen lassen. Anstatt dass der Staat über Jahre den Preis bestimme, schwebe ihm eher ein Modell vor, in dem die Zertifikate immer weiter verknappt würden, erklärte er. Und: Jedes Unternehmen und jeder Bürger wisse, dass CO₂ immer teurer werde, und so gebe es einen Anreiz, in klimafreundliche Technologien zu investieren, »oder eben sein eigenes Verhalten umzustellen«.

Gleichzeitig wies Ploß auf die sozialen Folgen einer solchen Politik hin: Eine Pflegekraft, die morgens um sechs mit dem Auto zur Schicht fahren müsse, könne nicht einfach Zusatzkosten von mehreren hundert Euro in Kauf nehmen. An solche Menschen müsse man auch denken, sonst drohten soziale Konflikte. »Dann wird das den Populisten an den Rändern ordentlich Auftrieb verleihen«, warnte Ploß und erinnerte an die Gelbwestenproteste in Frankreich, die sich am gestiegenen Benzinpreis entzündet hatten. Die CDU wolle deshalb die Pendlerpauschale erhöhen.

Bau von Windkraftanlagen soll nur »ein paar Monate« dauern

Klarere Angaben als im immer wieder recht schwammigen Wahlprogramm macht die CDU mittlerweile zum Ausbau der Windkraft. Zwei Prozent der Fläche müsse jedes Bundesland für den Bau von Windkraftanlagen bereitstellen, stellte Ploß klar. Und das müsse seiner Meinung nach innerhalb der nächsten Legislaturperiode passieren. »Denn wir brauchen ja sehr, sehr schnell sehr viel sauberen Strom.« Ziel müsse deshalb sein, dass der Bau solcher Anlagen nicht Jahre benötige, »sondern nur ein paar Monate, so wie es auch zum Beispiel im benachbarten Ausland der Fall ist.«

Amann wies ihn darauf hin, dass etwa in Nordrhein-Westfalen die Abstandsregeln für Windräder sehr strikt seien. Sogar Kottrocknungsanlagen oder Flughäfen dürften teils näher an Wohnsiedlungen stehen. »Man wird die möglicherweise anpassen, dafür wäre ich auch sehr offen«, sagte Ploß dazu. Aber in vielen Gemeinden führe das Thema zu extremer Spaltung. Womöglich entscheide sich manches Bundesland deswegen, lieber Windkraftparks jenseits der Wohnorte zu bauen. Auch das gehe. »Wichtig ist nur, dass man das insgesamt schafft.«

Eine Mehrheit lehne das Gendern ab, »und ich finde, sie haben recht«

Schließlich kamen Amann und Ploß auch auf das Thema Gendern zu sprechen. Eine Mehrheit im Land lehne Genderzeichen ab, vor allem in öffentlichen und staatlichen Einrichtungen, sagte Ploß. »Und ich finde, diese Menschen haben recht.« Die Gendersprache mache die Sprache schwerer verständlich, erklärte er. Sie sorge für Situationen, »in denen sich ganz viele Menschen auch immer stärker gegängelt fühlen«. Und das müsse man ernst nehmen.

»Solange wir stets von Kindergärtnerinnen und Chefärzten sprechen, sind für Kinder Berufe weiblich und männlich«, merkte ein Zuschauer daraufhin über das Internetforum für die Sendung an. »Wie soll sich das ohne gerechte Sprache ändern?« Ploß führte Studien an, wonach sich Menschen unter einem solchen Plural nicht nur Männer vorstellten. Amann hingegen verwies auf Untersuchungen, die genau das Gegenteil belegen. So wurde dieser Streit auch an diesem Abend nicht gelöst.

Auch zur Pandemiepolitik gab es an diesem Abend natürlich einige Fragen von Zuschauerinnen und Zuschauern. Ploß' Haltung ist klar: Eine Impfpflicht lehnt er ab, schon weil sie ausdrücklich ausgeschlossen wurde in der Vergangenheit. »Das, finde ich, hat dann auch mit Vertrauen zu tun«.

Man müsse allerdings über Maßnahmen speziell für Ungeimpfte nachdenken, wenn die Lage sich weiter zuspitzen sollte und es zu Problemen auf den Intensivstationen komme, weil immer mehr Menschen ohne Impfung erkrankten. »Aber ich finde, für Geimpfte darf es keine Einschränkungen mehr geben.«

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