Reservistenverband fordert mehr Personal »Mit rund 200.000 Soldaten ist die Bundeswehr zu klein«

Russlands Angriff auf die Ukraine hat die deutsche Verteidigungspolitik umgekrempelt. Rund hundert Milliarden Euro sollen in die Bundeswehr fließen. Ein Verband verlangt nun auch eine wachsende Truppenstärke.
Soldat der Bundeswehr bei Übung (Archivbild)

Soldat der Bundeswehr bei Übung (Archivbild)

Foto: Silas Stein / dpa

Angesichts der Debatte über eine bessere Ausstattung der Bundeswehr fordert der Reservistenverband mehr Soldaten. »Insgesamt muss man auch über die Truppenstärke nachdenken. Mit rund 200.000 Soldaten ist die Bundeswehr zu klein«, sagte Verbandspräsident Patrick Sensburg der »Rheinischen Post«. Für die Landesverteidigung seien rund 340.000 Soldaten und 100.000 regelmäßig übende Reservisten nötig.

Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte als Konsequenz aus dem russischen Angriff auf die Ukraine ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr angekündigt, über das der Bundestag am Mittwoch debattiert hat.

Ziel sei eine leistungsfähige, hochmoderne, fortschrittliche Bundeswehr, »die uns zuverlässig schützt«, sagte Scholz damals und sprach von einer »Zeitenwende«. Die Einführung soll über eine Grundgesetzänderung sichergestellt werden. Für die nötige Zweidrittelmehrheit braucht die Ampelkoalition auch die Union.

Die Union hatte zuletzt angekündigt, dem Sondervermögen nur unter strikten Bedingungen zustimmen zu wollen. So wurde nach SPIEGEL-Informationen etwa eine Festlegung gefordert, dass die Milliarden in den kommenden Jahren wirklich bei der Truppe landen und nicht am Ende von anderen Ressorts beansprucht werden können.

Unterstützung mit Einschränkung

Bei der ersten Beratung im Bundestag zu dem Thema unterstrichen Kabinettsmitglieder die Notwendigkeit, die Mittel für die deutschen Streitkräfte massiv aufzustocken. Die Union signalisierte Unterstützung zu einer Grundgesetzänderung – unter Vorbehalt.

Mit Blick auf das Sondervermögen sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt: »Zeitenwende bedeutet keine Einmalzahlung an die Bundeswehr, sondern einen Dauerauftrag an unsere Verteidigungsfähigkeit«. Der CDU-Abgeordnete Mathias Middelberg sagte, Scholz habe explizit von einem »Sondervermögen Bundeswehr« gesprochen. Im Grundgesetz müsse daher klargestellt werden, dass die Mittel tatsächlich bei der Bundeswehr ankommen.

jok/dpa
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