Rezo-Video "Die Zerstörung der CDU" Die Schwarzen getroffen?

Clickbaiting, Meinungsmache oder eine überzeugende Abrechnung mit der CDU: Das millionenfach geklickte Video des YouTubers Rezo polarisiert. Hier ein exemplarischer Faktencheck.

Undatierte Aufnahme des YouTubers Rezo
DPA

Undatierte Aufnahme des YouTubers Rezo

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Die CDU zerstöre "unser Leben und unsere Zukunft", behauptet YouTuber Rezo in einem meinungsstarken Video, das er wenige Tage vor der Europawahl in Umlauf gebracht hat. Rund 55 Minuten lang rechnet er dabei mit der Union und auch ihrem Koalitionspartner SPD ab.

Wortgewaltig, gestenreich, unterlegt mit Statistiken, Zitaten, Filmclips empört sich Rezo über die Parteien. Insbesondere der CDU wirft der YouTuber vor, dass sie Reiche fördere und Arme benachteilige, zu wenig gegen Chancenungleichheit in der Bildung vorgehe, eine desaströse Klimapolitik betreibe und die USA bei Kriegsverbrechen unterstütze.

Rezos Fazit: Bei der Europawahl bloß nicht die Union wählen, die SPD aber auch nicht und schon gar nicht die AfD. Eins ist ihm damit sicher: Aufmerksamkeit. Bis Donnerstag wurde sein Video rund fünf Millionen Mal angeklickt - und es polarisiert. Während sich viele Nutzer begeistert zeigten, versuchte vor allem die CDU, den Angriff zu kontern: "Ich sehe 1 Stunde unsaubere Recherche, einseitige Darstellung & viel Clickbaiting", twitterte der Büroleiter des Ex-CDU-Generalsekretärs Peter Tauber.

Ist die Kritik berechtigt? Welche Thesen stellt Rezo auf? Stimmen die Fakten, die er auf den Tisch knallt? Und was ist von seinen Schlussfolgerungen zu halten? Der SPIEGEL hat einige von Rezos Verbalattacken zu sozialer Ungleichheit, Bildung, Kriegsverbrechen und Klimawandel exemplarisch untersucht.

Stichwort: Soziale Ungleichheit

Luxusgeschäft in Düsseldorf
Martin Gerten / DPA

Luxusgeschäft in Düsseldorf

Zum Einstieg befasst sich Rezo mit der sozialen Ungleichheit, dem Gegensatz von Arm und Reich: ein ausgesprochen vielschichtiger Themenbereich, bei dem sich vieles bei näherer Betrachtung nicht ganz so eindeutig verhält, wie selbst valide Daten es auf den ersten Blick zu beweisen scheinen. Rezo widmet dem Thema 90 Sekunden - sehr wenig Zeit für so viel Komplexität. Ist ihm dieser Teil dennoch gelungen?

Das hängt davon ab, unter welchem Gesichtspunkt man es bewerten will: ob als Blitzreferat der politischen Bildung über Ausmaß, Ursachen und mögliche Lösungsansätze des Problems. Wenn man annimmt, dass ein beträchtlicher Teil des jungen Publikums bislang nur sehr wenig oder sogar nichts über die sozialen Verhältnisse in Deutschland weiß - dann ist es einigermaßen gelungen. Oder - wie von Rezo postuliert - als stichfeste Beweisführung für die Unfähigkeit der Union - dann bietet es doch zu viel Angriffsfläche und zu viele belegbare Faktenfehler.

Als politische Bildung ist das insgesamt aber schon gut. Wer das Video gesehen hat, weiß:

1. Die Ungleichheit bei den Einkommen ist heute viel größer als noch in den Achtziger- und erst recht in den Sechzigerjahren.

2. (Relative) Armut ist auch nach zehn wirtschaftlich starken Jahren ein großes Problem.

3. Reichtum wird immer seltener selbst fleißig erarbeitet - sondern geerbt.

4. Die Ungleichheit bei den Vermögen ist noch viel krasser als bei den Einkommen.

5. Die reichen 25 Prozent wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten steuerlich entlastet, die unteren 75 Prozent aber belastet - wenn man nicht nur Einkommen-, sondern auch Konsumsteuern und Sozialabgaben betrachtet. Rezo zeigt diesen Aspekt als Beleg dafür, dass Politik Stellschrauben zur Verfügung hat, nennt also mögliche Handlungsoptionen der Politik.

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Dazu blendet Rezo insgesamt sieben Diagramme ein. Nicht alle sind optimal gewählt, aber: Grundsätzlich zeigt er nebenbei, welche Indikatoren sich eignen, Ausmaß und Trends der Ungleichheit in Deutschland zu messen - gibt dem Publikum also Instrumente an die Hand, sich künftig selbst auf den neuesten Stand zu bringen. Jedenfalls dürfte etwa Stefan Bach, Steuerexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, eher nicht damit gerechnet haben, dass seine Belastungsanalysen einmal von Millionen jugendlicher bis junger Menschen auf YouTube betrachtet werden.

Im Detail gibt es bei Auswahl und Präsentation der Daten allerdings einige Schönheitsfehler - und eine wirklich ärgerliche Manipulation.

Nur zwei Beispiele für schlecht gewählte Daten: So zeigt Rezo zum Thema Armut trotz leicht auffindbarer Alternativen eine vier Jahre alte (und eigenartig beschnittene) Grafik und behauptet, die (relative) Armut steige weiter, ohne dass ein Ende absehbar wäre. In Wirklichkeit stagniert sie aber eher - und wäre ohne Fluchtmigration sogar gesunken, wie die sicher nicht CDU-, sondern gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung feststellt.

Oder die Grafik zur Ungleichheit bei den Einkommen: Sie zeigt die Einkommen VOR Abzug der Steuern (wie aus der Primärquelle hervorgeht; Rezo nutzt hier eine Sekundärquelle). Angenommen, eine Bundesregierung würde Gutverdiener viel stärker besteuern - dann sähe diese Grafik dennoch exakt gleich aus. Wenn es also um ein angebliches Versagen der Politik geht, wäre es weit sinnvoller, das Einkommen NACH Steuern zu zeigen (diese Statistik bietet die Primärquelle ebenfalls).

Fun Fact: Zwar sind die absoluten Unterschiede beim Einkommen NACH Steuern nicht mehr so groß - dafür ist der Trend der vergangenen Jahrzehnte sogar noch erschreckender, hätte die These also besser belegt. Ebenfalls schlicht falsch ist die Behauptung, die Armen würden immer ärmer. Seit einigen Jahren steigen die Einkommen auch bei den untersten Einkommensgruppen.

Rezos Umgang mit Quellen und Fakten ist also keineswegs so brillant, wie es zahlreiche Reaktionen in den sozialen Netzwerken behaupten.

Im Großen und Ganzen zeichnet Rezo dennoch ein zutreffendes Bild der Ungleichheit und ihrer Entwicklung. Und dass er die inzwischen enorme Rolle der Erbschaften - also des Zufalls der Geburt - für die Vermögensverteilung und damit auch die im internationalen Vergleich sehr geringe Erbschaftsbesteuerung in Deutschland hervorhebt, ist sinnvoll. Schließlich widerspricht das der von der CDU eigentlich propagierten Leistungsgerechtigkeit.

Grafik bei Rezo
Rezo/ Youtube

Grafik bei Rezo

Ein absolutes No-Go ist allerdings, wie eine Grafik zum Thema "Vermögen durch Erbschaft" bearbeitet wurde: Dass die in der Originalquelle

Originalgrafik
Alvaredo et al./ Atkinson/ CC BY 4.0

Originalgrafik

enthaltenen Vergleichsländer Schweiz, Frankreich und Großbritannien entfernt wurden, ist bereits zweifelhaft. Aber die Zeitachse so abzuschneiden, dass die historische Ausnahmesituation der Sechziger- bis Neunzigerjahre als Normalzustand nahelegt wird, ist eine irreführende Manipulation. Ausnahmesituation deshalb, weil in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Werte vernichtet waren und das Land mit Aufbauarbeit beschäftigt war. Man konnte schlicht nur wenig vererben. Deshalb sehen die Kurven in den anderen Ländern auch weniger dramatisch aus.

Diese faktischen Fehler und die tendenziöse Bearbeitung sind auch deshalb ärgerlich, weil sie unnötig sind, um die hohe Ungleichheit und zu große Armut in Deutschland anzuprangern. Wenn die Zustände nicht schlimmer geworden sind, sollte man das nicht behaupten. Es ist ja auch ein Argument, dass sie nach mehr als zehn wirtschaftlich sehr erfolgreichen Jahren kaum besser geworden sind.

Stichwort Bildung:

Schüler mit Migrationshintergrund (Symbolbild)
DPA

Schüler mit Migrationshintergrund (Symbolbild)

Von der sozialen Ungleichheit kommt Rezo direkt auf das Thema Bildung zu sprechen - und Chancengerechtigkeit: "Selbst wenn du aus einem ärmeren Haushalt kommst, sollst du durch so Sachen wie Bildung oder so die gleichen Chancen haben, reich zu werden oder einen guten Job zu kriegen wie jeder andere auch", sagt Rezo. Das Problem: Die Aufstiegschancen durch Bildung seien in Deutschland viel geringer als in anderen Industriestaaten. Und in der Pisa-Studie habe Deutschland auch noch mal "richtig abgeloost", was den sozialen oder Migrationshintergrund und Chancengleichheit betreffe.

Rezo führt dazu eine Grafik an, die er aus einem OECD-Bericht übernommen hat: Deutschland belegt hier im Bereich Chancengleichheit einen der hinteren Plätze. Die Zahlen sind korrekt, und Rezo benennt in der Tat einen wunden Punkt. Diverse Studien belegen, dass der Schulerfolg in Deutschland seit Jahren stark vom Elternhaus abhängt, stärker als in anderen Industrienationen. Etliche Fachleute kritisieren das.

Immerhin: Deutschland hat hier durchaus Fortschritte gemacht. 2018 hieß es im OECD-Bericht, Deutschland habe "moderate Verbesserungen" beim Thema Chancengleichheit erreicht. Der Anteil leistungsstarker Schüler mit schwieriger sozialer Ausgangslage sei so stark wie in kaum einem anderen OECD-Land gestiegen.

Noch ein Punkt aus dem OECD-Bericht: Rezo beklagt, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Industriestaaten "echt wenig Geld" für Bildung ausgebe. Richtig ist, dass auch die OECD dies immer wieder feststellt und kritisiert. 2015 gab Deutschland etwas über vier Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Bildungseinrichtungen aus. Der OECD-Schnitt lag bei fünf Prozent.

Allerdings: In Deutschland leben weit weniger junge Menschen als in anderen Staaten. Um richtig vergleichen zu können, müsste man sich daher auch die nationalen Bildungsausgaben pro Schüler und Student anschauen - und die liegen in Deutschland über dem OECD-Schnitt.

Tatsächlich gab es zwischen Union und SPD aber erst vor wenigen Wochen wieder Streit um Kürzungen im Bildungsbudget im Bundeshaushalt. Die Verantwortung dafür schoben sich die Parteien danach gegenseitig zu.

Rezo beklagt: In den Bundesländern, in denen die CDU regiert, sei es um die Bildung besonders schlecht bestellt. Er macht das an den Bildungsausgaben pro Schüler fest. So ganz lässt sich seine Rechnung aber nicht nachvollziehen, zudem muss das Budget nicht der einzige Maßstab für erfolgreiche Bildungspolitik sein.

Richtig ist: Zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede, wie etwa der "Bildungsmonitor 2018" und andere Studien belegen. Schulische Leistungen, Inklusion, Ganztagsangebote, Schulabbrecherquoten - in manchen Bereichen schneiden die Bundesländer besser ab, die seit Jahren von der Union (mit-)regiert werden, in anderen sind SPD-geführte Bundesländer überzeugender.

Beispiel Bayern: In dem Flächenland, das seit Jahrzehnten fest in CSU-Hand liegt, ist das Angebot an Ausbildungsstellen laut "Bildungsmonitor" groß. Nur wenige Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss. Außerdem sind die Bildungsausgaben je Grundschüler eher hoch.

Bayern hinkt allerdings laut einer Bertelsmann-Studie von 2017 in der Inklusion und beim Ausbau der Ganztagsschulen, die besonders Kinder aus sozial benachteiligten Familien fördern sollen, deutlich hinterher. Außerdem klagen viele Schüler, Eltern und Lehrer, dass etwa Viertklässler beim Übergang auf weiterführende Schulen unter besonders starkem Leistungsdruck litten. Die Rede ist vom "Grundschulabitur".

Beispiel Hamburg: In dem rot-grün geführten Stadtstaat gibt es laut "Bildungsmonitor" viele Ganztageseinrichtungen, an Grundschulen und in der Sekundarstufe 1 kommen auf jeden Lehrer vergleichsweise wenige Schüler. Zudem sind die Sachausgaben an Schulen und Hochschulen eher hoch. Allerdings müssen die Schüler im Lesen aufholen, dort erreichen sie nicht die Mindeststandards. In Hamburg spielt zudem die soziale Herkunft eine große Rolle für den Bildungserfolg.

Stichwort: Kriegsverbrechen

Unbemanntes Kampfflugzeug
DPA/ U.S. Air Force

Unbemanntes Kampfflugzeug

Die Militärbasis Ramstein sei für die USA "krass wichtig", unter anderem, weil nur von dem Stützpunkt in der Pfalz aus Drohnenangriffe im Nahen Osten gesteuert werden könnten, behauptet Rezo in seinem Video. Bei den umstrittenen Einsätzen kommen jedoch immer wieder Zivilisten ums Leben, wie auch der YouTuber mit mehreren Beispielen eindrücklich belegt. Somit würden die USA regelmäßig Kriegsverbrechen begehen, sagt er und zitiert aus der Genfer Konvention. Dann kommt Rezo auf die Rolle der Bundesregierung zu sprechen. Die Drohnenangriffe seien nämlich nur möglich, weil CDU und SPD dem zustimmen würden. Da sie die Einsätze jedoch nicht ausreichend hinterfragten, unterstützten sie völkerrechtswidrige Aktionen, so der Vorwurf. Und tatsächlich trifft Rezo einen wunden Punkt:

Obwohl es klare Hinweise darauf gibt, dass der Stützpunkt als Relaisstation für die Steuerung von Drohnenattacken im Nahen Osten und Afrika dient, hat sich die Bundesregierung nie ernsthaft um Aufklärung bemüht. Technisch gesehen hat der Militärstützpunkt allerdings wohl tatsächlich nicht mehr als eine Weiterleiterfunktion.

So werden die Drohnen eigentlich von Nevada aus gesteuert. Dort sitzen die "Piloten". Da man die Drohnen von dort aus aber nicht direkt steuern kann, brauchen die USA eine Zwischenstation für die Steuerbefehle. Die Bundesregierung hat sich deswegen am Ende immer auf die Formulierung zurückgezogen, dass auf deutschem Boden keine Abschussbefehle erteilt werden. Technisch stimmt das, aber ohne die Basis wäre eben auch die Weiterleitung der Befehle nicht möglich.

Auch Rezos Aussage, dass Angehörige von Opfern der US-Drohnenangriffe Deutschland verklagt hätten, trifft zu. Im März entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster zugunsten der drei Kläger aus dem Jemen, dass die Bundesregierung künftig aktiv prüfen muss, ob Einsätze gegen das Völkerrecht verstoßen.

Im Zuge seiner Kritik am Drohnenkrieg kommt Rezo auf die Anti-IS-Koalition zu sprechen. Da haben sich "ein paar Länder zusammengeschlossen und die führen jetzt in Syrien Krieg. Da sind wir auch dabei", sagt er und merkt an, dass Deutschland sich an diesem Krieg nicht beteiligen dürfte, da es kein Uno-Mandat dafür gebe.

In diesem Punkt hat er nicht ganz recht: Tatsächlich gibt es kein Uno-Mandat für den Einsatz. Allerdings hat die irakische Regierung die Koalition unter Führung der USA ausdrücklich um Hilfe gebeten, damit verstößt er nicht gegen das Völkerrecht. Mit keinem Satz erwähnt Rezo zudem die Gräueltaten des "Islamischen Staates" an der Zivilbevölkerung, gegen den sich dieser Einsatz richtet.

Stichwort: Klimawandel

Meeresspiegelanstieg (Symbolbild)
DPA

Meeresspiegelanstieg (Symbolbild)

"Wenn ich solch ein Video mache, dann mache ich es ordentlich", sagt Rezo am Anfang seiner Rede auf YouTube. Zumindest in Bezug auf den Klimawandel stimmt das nicht. Richtig ist seine Aussage, dass sich das Klima der Erde gegenüber der vorindustriellen Zeit um rund ein Grad erwärmt hat und der Mensch mit seinen Abgasen wesentlich dafür verantwortlich ist.

Anders sieht es mit seiner Behauptung aus, Naturkatastrophen hätten aufgrund der Erwärmung zugenommen. Im zweiten Teil des aktuellen Uno-Klimaberichts steht: Die Schäden durch Wetterkatastrophen hätten zwar insgesamt zugenommen. Aber da die Schäden finanziell berechnet werden, muss man die Inflation des Geldwerts in der Entwicklung berücksichtigen. Außerdem das starke Städtewachstum in den vergangenen Jahrzehnten, das die Zahl der erfassten Schäden durch Wetterextreme erhöht hat (wo sie vorher auf ländliches Gebiet getroffen sind).

Werden diese beiden Faktoren berücksichtigt, ist der Einfluss auf das Ausmaß von Wetterkatastrophen nicht zu erkennen.

Gleichwohl hat der Klimawandel nachweislich Wetterextreme wie Hitze, Starkregen und Meeresfluten vielerorts verschärft. Rezo konstatiert deshalb bereits viele Millionen Klimaflüchtlinge. Tatsächlich tun sich Forscher schwer, Geflüchtete auf die Erwärmung zurückzuführen. Zu groß ist der Einfluss anderer Faktoren wie Politik, Landmanagement oder soziale Veränderungen.

Rezo verweist in seiner Argumentation auf Berichte der Weltbank und der Internationalen Organisation für Migration. Beide Institutionen aber sind keine Forschungseinrichtungen. Aber auch Klimaforscher konstatieren das Risiko erheblicher Fluchtbewegungen im Zuge des Klimawandels, beziffern lässt es sich jedoch bislang nicht.

Rezo behauptet auch, das beängstigende Sterben vieler Arten vollziehe sich aufgrund des Klimawandels hundertmal schneller als ohne die Erderhitzung. In seinem Report schreibt der Klimarat der Uno allerdings über die Schwierigkeiten, den Einfluss des Klimawandels auf das Verschwinden von Tieren und Pflanzen zu belegen. Während Landwirtschaft, Jagd und Umweltverschmutzung nachweislich viele Arten vernichtet haben, tun sich Wissenschaftler schwer, überhaupt eine ausgestorbene Art dem Einfluss der Klimaerwärmung zuzuordnen.

In Zukunft, da hat Rezo recht, dürften sich die Auswirkungen der Erwärmung verschärfen - auch wenn er sich für seine Rede extreme Szenarien ausgewählt hat. Aber auch dass die Erde bei einer Erwärmung um weitere 0,5 Grad "extrem wahrscheinlich" und "unaufhaltsam" in eine "Spirale fallen" und "kaputtgehen" werde, wie Rezo meint, ist zwar sehr pessimistisch und flapsig ausgedrückt, im Prinzip aber nicht ausgeschlossen:

Klimaforscher untersuchen mögliche Kipppunkte in der Umwelt: Große Eisschilde etwa könnten ab einem bestimmten Punkt ihren Kollaps unaufhaltsam beschleunigen. Bei welcher Temperatur die Kipppunkte eintreten könnten, weiß jedoch niemand.



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insgesamt 731 Beiträge
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Seite 1
YoRequerrosATorres 24.05.2019
1. Gut, aber...
...Vorsicht bei diesen Inhalten. Für eine echte Beurteilung der Politik einer Partei reicht das nicht - soviel ist klar. Leider hat REZO aber auch zuviele Platitüden parat und zu wenige Details im Blick - damit kann man marktschreierisch sein, aber nicht präzise und erst recht nicht klug rüberkommen. Eher Unterhaltung statt Inhalt...Schade, insofern. Andererseits haben seine Follower ja die Chance, ihre eigene Meinung dagegen zu stellen. Das ist doch wirklich prima!
SigismundRuestig 24.05.2019
2. Rezo führt nicht nur die CDU sondern auch die Medien vor!
Rezo führt mit seinem intelligenten, leidenschaftlichen, faktenorietierten und kritischen YouTube-Special "Die Zerstörung der CDU" nicht nur die CDU vor, die sich hilflos, unfähig, altbacken - also herablassend und mit pauschalen Parolen - wehrt, er entzaubert auch die Medien, insbesondere auch die, die sich gerne als überregionale, überparteiliche Leitmedien gerieren. Man mag nicht alle Schlussfolgerungen von Rezo teilen, aber dem auf seine Weise transparent gemachten Gesamttrend tut das keinen Abbruch. Rezo's Beitrag macht klar, was wir bei diesen Medien zunehmend so schmerzlich vermissen: nicht Lautsprecher der Regierungen, Parteizentralen und deren Presseabteilungen zu sein und zunehmend unkritisch deren Stellungnahmen zu verstärken, anstatt diese mit Fakten zu konfrontieren, an ihren selbst gesteckten Zielen zu messen, Bullshit als Bullshit und Lügen als Lügen bzw. Halbwahrheiten zu entlarven. Ihren Höhepunkt hat diese Art der - alternativlosen? - Berichterstattung in der sog. hymnischen Kanzlerberichterstattung erreicht. Dies haben wohl auch die Medien erkannt, weshalb sie sich jetzt - wie z.B. besonders einseitig die ZEIT - ebenfalls hilflos und in "altbewährter" Manier wehren: zunächst einmal mit einem Rundumschlag und pauschalen Parolen wie "Wutbeitrag", "Apokalyptik" etc. den ganzen YouTube-Beitrag zu entwerten. Dann sich auf einzelne Detailargumente zu stürzen wie z.B. beim Thema Wirtschaft und sich dabei nicht zu entblöden, die Mär von "uns ging es noch nie so gut" auf Basis von "Durchschnittsbetrachtungen" wieder und wieder zu präsentieren, die z.B. ausblendet, dass 42% der Haushalte in den letzten 20 Jahren keinen Anteil an den Einkommenssteigerungen verzeichnen durften. Die restlichen Kritikpunkte sind so hanebüchen, dass ich mir eine Entgegnung erspare. So werden die Medien ihr verlorenes Terrain nicht zurückgewinnen! Deren Auflagen werden zurecht weiter zurückgehen, wenn sie weiterhin bei der Suche um die richtigen Antworten auf Rezo so umher irrlichtern. Immerhin zeigt der Artikel, dass die Medien offensichtlich die Brisanz dieses neuen Formats erkannt haben. Noch ein kurzer Seitenhieb auf die in den Fernsehanstalten beliebten Talkshow-Formate à la "Hart, aber fair", die gerne mit manipulativen Einspielern, schein-objektiver Moderation und Diskussions-Teilnehmern unterschiedlicher Interessengruppen Faktenwissen vortäuschen, tatsächlich aber meist nur interessenorientierte Meinungen zum Besten geben, mehr oder weniger unterstützt durch ein fragwürdiges Klatsch-Publikum. Im Vergleich zu Rezos YouTube-Aufschlag kann man diese erstarrten Fernsehformate ruhig in die Tonne treten. Übrigens lädt die CDU Rezo nach einigem bezeichnenden Irrlichtern zu einem Gespräch an einem Tisch ein - womöglich in einem Hinterzimmer? Willkommen im 20. Jahrhundert!
Ein User 24.05.2019
3. Einzelmeinung...
Ich finde es schon ziemlich beeindruckend, welches Aufsehen die Einzelmeinung eines "Youtubers" erfährt, die in vielen Teilen nicht mal auf Fakten basiert. Dass SPON sich damit beschäftigt wundert mich allerdings nicht, da ca. 80% der Artikel auf SPON ja auch Einzelmeinungen, Kommentare und Kolumnen sind und mit ernsthaftem Journalismus wenig zu tun haben. Eine Millionen Klicks bedeutet auch nicht zwangsläufig eine Millionen Zustimmungen. Das sollte man ggf. auch im Kopf haben.
Leser161 24.05.2019
4. Fakten eben nicht überwunden
Kann ja sein das das Video einiges zu wünschen übrig lässt und Fehler ggf. sogar Manipulationsversuche enthält. Aber es enthält wenigstens überhaupt etwas. Während die Politik einfach sagt "Für ein Land in dem man gut und gerne lebt (Wie sagen wir nicht, wir machen das schon, macht einfach euer Kreuz)" Und genau deshalb werde ich mich an Rezos Empfehlungen halten, weil er es wenigstens mit Fakten versucht und das obwohl ich nicht zur Generation Youtube gehöre.
so-long 24.05.2019
5. Wer
steckt hinter Rezo? Die Inhalte stammen in dieser Form -meiner - meiner Meinung nach- nicht nur von ihm. Inkl. Belegstellen/Literaturnachweis.
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