Terrorverdächtiger Khaled H. Ermittler finden Foltervideo bei Razzia

Die Gräueltaten wurden offenbar in Syrien begangen: Bei den jüngsten Anti-Terror-Razzien in Rheinland-Pfalz und NRW haben Ermittler nach SPIEGEL-Informationen auch ein Foltervideo entdeckt.

Nach den Anti-Terror-Einsätzen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben Ermittler beschlagnahmte Telefone und Computer gesichtet. Auf dem Rechner des Syrers Khaled H., 24, der in Mutterstadt festgenommen worden war, entdeckten Duisburger Polizisten nach SPIEGEL-Informationen ein "Foltervideo", wie es in einem Vermerk heißt. Zu sehen sind Gräueltaten, die offenbar in Syrien begangen wurden.

Das Video soll auch jenen 30-jährigen Syrer Ali I. zeigen, der am Mittwoch in Dinslaken gefasst wurde. Dieser bestreitet den Vorwurf. In seiner Vernehmung gab er an, nicht für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), sondern für das Assad-Regime gekämpft zu haben.

Erst auf der Flucht im vorigen Herbst habe er seinen Landsmann H. getroffen, der ihm Kriegsfotos gezeigt habe, so Ali I. Auf welcher Seite H. in Syrien gestanden habe, wisse er nicht.

Die Aussagen von Ali I. führten dazu, dass die Polizei am Mittwoch in einem Dinslakener Flüchtlingsheim zwei weitere Bekannte von Khaled H. vorübergehend festnahm. Die beiden Brüder aus Syrien, 19 und 21 Jahre alt, bestreiten ebenfalls, von Terrorplänen zu wissen. Die Männer wurden in der Zwischenzeit wieder freigelassen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE weigerte sich das Amtsgericht Duisburg allerdings, Haftbefehle gegen die beiden zu erlassen. Es bestehe kein hinreichender Tatverdacht, teilte ein Sprecher mit.

Bislang hätten sich "keine Hinweise auf eine konkretisierbare Gefahrenlage insbesondere im Zusammenhang mit einem Fußballspiel ergeben", notierte ein leitender Kriminaldirektor. Ein Häftling aus einem nordrhein-westfälischen Gefängnis hatte ausgesagt, Khaled H. habe ihm gegenüber erkennen lassen, einen Anschlag auf ein Bundesligaspiel verüben zu wollen.