Politik

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Umstrittener US-Botschafter

Grenell empfängt "Rockstar" Kurz in Berlin

Er ist ein großer Fan des österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz - nun veranstaltet US-Botschafter Richard Grenell für ihn sogar ein Mittagessen in seiner Berliner Residenz. Ein ungewöhnlicher Vorgang.

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DPA; Getty Images

Grenell, Kurz

Montag, 04.06.2018   16:30 Uhr

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Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, veranstaltet nach SPIEGEL-Informationen in der kommenden Woche ein Mittagessen für Österreichs Kanzler Sebastian Kurz. Der österreichische Regierungschef soll am 12. und 13. Juni zu Gesprächen unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin sein.

Grenell bittet für den 13. Juni um 12.30 Uhr "in honor of his Excellency Sebastian Kurz, Chancellor of the Republic of Austria" in seine Residenz in Berlin-Dahlem zum Mittagessen, wie es auf der Einladungskarte heißt. Eingeladen sind unter anderem auch hochrangige Repräsentanten der Bundesrepublik.

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Dass ein Botschafter in Berlin einen ausländischen Regierungschef auf diese Weise würdigt, ist äußerst ungewöhnlich und entspricht nicht diplomatischen Gebräuchen. Der Sprecher der US-Botschaft bestätigte den Termin gegenüber dem SPIEGEL, wies allerdings darauf hin, dass das Treffen auf Initiative der österreichischen Seite stattfinde.

Grenell hat Kurz in einem Interview gerade über die Maßen gelobt. "Ich denke, Sebastian Kurz ist ein Rockstar. Ich bin großer Fan", sagte er dem US-Portal "Breitbart". Der Politiker der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) regiert in einer Koalition mit der rechtspopulistischen FPÖ.

Bundesregierung ist bereits verstimmt

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Der Vorgang dürfte die Verstimmung in der Bundesregierung über den US-Botschafter noch verstärken. Schon seine Äußerungen in dem "Breitbart"-Interview sorgten zuvor für Stirnrunzeln, nachdem Grenell darin bekannt hatte, konservative Kräfte in Europa stärken zu wollen. "Wir haben die US-Seite um Aufklärung gebeten und ob sie tatsächlich so gefallen sind, wie sie wiedergegeben werden", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes (AA) in Berlin.

Der Aufschwung konservativer Ideen sei durch ein Scheitern linker Konzepte zu erklären, sagt Grenell in dem Interview. Es gebe keinen Zweifel daran, dass die Konservativen in Europa auf dem Vormarsch seien, "und das ist eine spannende Zeit für mich". Es gilt als ungewöhnlich für Diplomaten, sich so deutlich politisch zu äußern.

Grenell habe am kommenden Donnerstag bei einem Treffen im Auswärtigen Amt Gelegenheit, seine Äußerungen einzuordnen, hieß es aus dem AA. Bei dem Treffen am Donnerstag sind der beamtete Staatssekretär Andreas Michaelis und der US-Botschafter zu einem Gespräch verabredet.

Für seine jüngsten Äußerungen erntete Grenell breite Kritik aus der deutschen Politik. Schon mit seinem ersten öffentlichen Aufschlag als neuer US-Botschafter in Berlin hatte Grenell für Aufsehen gesorgt. Nach der Entscheidung seines Präsidenten Donald Trump, das Iran-Abkommen zu kündigen, rief Grenell deutsche Unternehmen dazu auf, ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Land umgehend zu beenden.

Der US-Botschafter gilt als Vertrauter von Trump und Verfechter vor allem seines außenpolitischen Kurses, obwohl Grenell ursprünglich zum klassischen Flügel der US-Republikaner gehörte und schon unter Ex-Präsident George W. Bush für die amerikanische Regierung arbeitete.

Mitarbeit: Severin Weiland

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