Gauck würdigt Weizsäcker "Er sagte das Richtige, und er tat das Richtige"

Mit einem Staatsakt im Berliner Dom hat Deutschland Abschied von Richard von Weizsäcker genommen. Bundespräsident Gauck würdigte den Verstorbenen als einen der glaubwürdigsten Repräsentanten der Republik.

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Berlin - Der Berliner Dom war bis auf den letzten Platz besetzt. Politische Weggefährten aus dem In- und Ausland haben bei einer Trauerfeier Abschied von Richard von Weizsäcker genommen. Der Altbundespräsident war am 31. Januar im Alter von 94 Jahren gstorben.

Joachim Gauck würdigte Weizsäcker in seiner Trauerrede als "großen Deutschen und herausragenden Bundespräsidenten." Der Verstorbene habe tiefe Spuren in der Geschichte unseres Landes hinterlassen. "Er hat Maßstäbe für das Amt gesetzt", sagte Gauck.

Auch für die DDR-Bürger sei Weizsäcker eine Integrationsfigur gewesen, betonte Gauck. "Mit unzähligen Menschen in der DDR wünschte ich, er könnte auch unser Präsident sein. Später wurde er zu unser aller Glück der erste Bundespräsident im wiedervereinigten Land."

Gauck würdigte seinen Vorgänger als Integrationsfigur für die Deutschen in Ost und West, der Maßstäbe für das Amt gesetzt habe. "Wir verneigen uns vor Richard von Weizsäcker, einem großen Bundespräsidenten, der, als es an ihm war, das Richtige sagte und das Richtige tat."

Die Zeit als Wehrmachtssoldat im Zweiten Weltkrieg und die Auseinandersetzung mit seinem Vater, der im NS-Regime als Staatssekretär im Auswärtigen Amt tätig war, hätten Weizsäcker zu einem überzeugten Demokraten gemacht, sagte Gauck.

Ausdrücklich würdigte der amtierende Bundespräsident Weizsäckers Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985, in der er die Kapitulation des NS-Regimes als Tag der Befreiung für die Deutschen bezeichnete. "Er hat das gesagt, was 1985 alle wissen mussten, was aber auch 1985 immer noch nicht alle wissen wollten", sagte Gauck. "Für viele hat er damit dem Lavieren ein Ende gesetzt, so dass sie nun freier in die Vergangenheit sehen und in die Zukunft gehen konnten."

Weizsäcker habe dazu beigetragen, dass sich die Deutschen mit ihrem Land und seiner Geschichte versöhnten. Gauck würdigte: "Indem sie ihn mochten, lernten die Deutschen, sich selber zu mögen"

Nach dem Staatsakt soll Weizsäcker im kleinen Kreis auf dem Waldfriedhof Dahlem in Berlin beigesetzt werden.

syd

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
TS_Alien 11.02.2015
1.
Die Zeiten der Spitzenpolitiker, die man noch bedenkenlos seriös und ehrbar nennen kann, gehen langsam zu Ende.
MehrSeinalsSchein 11.02.2015
2.
Einer der Großen Deutschen, ein Mann, der in der Weimarer Republik und im Dritten Reich aufwuchs, als Soldat seine Pflicht tat, aus dem Unheil der Diktatur heraus und mit Hilfe der Befreiung durch die Alliierten zum überzeugten Demokraten wurde und als Bürgermeister des geteilten Berlin und als Bundespräsident, während des historischen Fensters der Wiedervereinigung, der richtige Mann am richtigen Platz war. An ihm sollten sich die aktuellen und zukünftigen Amtsträger messen und vor allem messen lassen.
Nonvaio01 11.02.2015
3. der beste
den wir je hatten, so einen werden wir nie wieder bekommen.
derfreiheitliche 11.02.2015
4. Die drei Großen
Theodor Heuss, Gustav Heinemann und Richard v. Weizsäcker. Alles Liberale auf ihre Art.
willi_ac 11.02.2015
5. Danke und tiefe Verneigung,
mit großem Respekt.
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