Bundestag würdigt Weizsäcker "Das wird bleiben"

Der Bundestag hat des verstorbenen Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker gedacht. Parlamentspräsident Norbert Lammert lobte dessen Wirken - und erklärte, warum man sich noch lange an Weizsäcker erinnern werde.

Merkel und Gabriel beim Weizsäcker-Gedenken im Bundestag: "Für viele Menschen eine Identifikationsfigur"
DPA

Merkel und Gabriel beim Weizsäcker-Gedenken im Bundestag: "Für viele Menschen eine Identifikationsfigur"


Berlin - Im Bundestag hat sich der reguläre Arbeitsbeginn im Plenum um einige Minuten verschoben: Parlamentspräsident Norbert Lammert gedachte am Donnerstagmorgen des verstorbenen Richard von Weizsäcker in einer Rede. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett standen gemeinsam mit den Abgeordneten für einen Moment des Schweigens auf.

Lammert würdigte den Altbundespräsidenten als "herausragende Persönlichkeit" der deutschen Nachkriegsgeschichte. Deutschland habe "ein großes Staatsoberhaupt, für viele Menschen eine Identifikationsfigur" verloren. Weizsäcker war am vergangenen Samstag mit 94 Jahren gestorben.

"Als Abgeordnete verneigen wir uns schon heute vor ihm, in großem Respekt und tiefer Dankbarkeit für seine herausragende politische Lebensleistung im Dienste unseres Landes, in Zuneigung und aufrichtiger Bewunderung", sagte Lammert in seiner Rede.

In Weizsäckers Leben spiegele sich "ein ganzes Jahrhundert deutscher und europäischer Geschichte". Seine Amtszeit als Staatsoberhaupt habe "Maßstäbe gesetzt, sein Verständnis einer aufgeklärten, reflektierten politischen Kultur wird weiterwirken".

Lammert hob Weizsäckers "vielleicht persönlichste, ganz sicher aber seine politisch bedeutendste Rede" hervor, die der damalige Bundespräsident zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 gehalten hatte.


Weizsäckers wichtigste Rede

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil


"Dass der 8. Mai ein Tag der Befreiung war, hatten andere schon vor ihm gesagt. Nachhaltig Wirkung entfaltete der Gedanke aber erst in seinen Worten, kraft seines Amtes wie seiner persönlichen Autorität, seiner Lebensweisheit, den erlittenen Brüchen in seiner Familie, aber auch durch die intellektuelle Schärfe seiner zugleich berührenden Gedanken."

Er habe damit "einen ganz persönlichen Beitrag zum nachhaltigen Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte geleistet. Und das wird bleiben", führte Lammert fort.

Weizsäcker war in den Siebzigerjahren Vizechef der Unionsfraktion, später Vizepräsident des Bundestags. Er wurde der erste Bundespräsident des wiedervereinigten Deutschlands.

Fotostrecke

14  Bilder
Richard von Weizsäcker: Der ideale Präsident

amz



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.