Trotz Energiesorgen wegen Russlandsanktionen Habeck gegen längere AKW-Laufzeiten

Die Laufzeit deutscher Atommeiler soll trotz der Gaskrise nicht verlängert werden. Wirtschaftsminister Robert Habeck bezeichnete dies als »falschen Weg«. Auch einem Importstopp für russisches Öl erteilte er eine Absage.
Isar 2 in Bayern gehört zu den drei Atomkraftwerken, die in Deutschland noch am Netz sind

Isar 2 in Bayern gehört zu den drei Atomkraftwerken, die in Deutschland noch am Netz sind

Foto: Peter Widmann / IMAGO

Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke raten von längeren Laufzeiten der drei noch verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland ab. »Im Ergebnis einer Abwägung von Nutzen und Risiken ist eine Laufzeitverlängerung der drei noch bestehenden Atomkraftwerke auch angesichts der aktuellen Gaskrise nicht zu empfehlen«, heißt es in einem gemeinsamen Prüfvermerk der beiden Häuser, der dem SPIEGEL vorliegt. Zuerst hatten die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichtet.

Längere Laufzeit sei »falscher Weg«

»In dieser Abwägung haben wir eine minimale Mehrproduktion an Strom für maximal hohe Sicherheitsrisiken«, sagte Habeck am Dienstag bei RTL/ntv. »Und deswegen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass dieser Weg der falsche ist.«

Habeck hatte zuvor einen Weiterbetrieb der drei noch laufenden Atommeiler nicht ausgeschlossen. Jetzt verwies er angesichts der Angriffe auf Atomkraftwerke in der Ukraine und die Sorge vor Cyberangriffen auf Sicherheitsfragen.

Zuvor hatte etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gefordert, zur Sicherheit der Energieversorgung angesichts des Kriegs in der Ukraine die Laufzeiten zu verlängern. Am Netz sind in Deutschland nur noch die Atomkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Sie sollen bis Ende des Jahres ebenfalls abgeschaltet werden.

Habeck sprach sich bei RTL/ntv ebenso gegen einen europäischen Importstopp für russisches Öl aus. »Ich sehe das Szenario nicht, für Europa und für Deutschland«, sagte der Grünen-Politiker.

Die Amerikaner hätten ihm bei seinem Washington-Besuch gesagt, sie befürworteten gar kein europäisches Öl-Embargo gegen Russland. Denn damit steige »die Gefahr, dass die europäische Wirtschaft wankt, eine schwere Rezession erleidet und wir damit die anderen Sanktionen gar nicht mehr durchhalten können«. Er glaube auch nicht an einen russischen Stopp der Gaslieferungen nach Europa.

svs/Reuters
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