Grüne Habeck will auch bei nächster Wahl mit Doppelspitze antreten

Mittlerweile ist es durchaus vorstellbar, dass die Grünen den nächsten Kanzler stellen. Doch was wird dann aus der parteiüblichen Doppelspitze? Parteichef Habeck will am bisherigen Modell festhalten.

Grünenchefs Baerbock, Habeck
Hendrik Schmidt/DPA

Grünenchefs Baerbock, Habeck


Ein Kanzler aus den Reihen der Grünen? Das klingt aktuell nicht mehr nur nach einer Utopie von deren treusten Anhängern. Denn in den Umfragen hat die Ökopartei mittlerweile zur Union aufgeschlossen, in einigen Erhebungen ist sie sogar bereits stärkste Kraft.

Doch wer soll im Fall der Fälle ins Kanzleramt einziehen? Immer häufiger sehen sich die Grünen mit dieser Frage konfrontiert. Einen Automatismus wie in anderen Parteien gibt es dabei nicht. Denn die Grünen setzen traditionell auf Machtteilung: Gleichberechtige Doppelspitzen in Parteivorstand und Fraktion. Und auch in den Wahlkämpfen waren die Grünen zumeist mit zwei Spitzenkandidaten angetreten.

Geht es nach Grünenchef Robert Habeck soll es dabei auch im Fall einer Neuwahl auf Bundesebene bleiben. "Geteilte Macht ist doppelte Stärke. So agieren wir, und so werden wir es weiter tun, auf jeden Fall", sagte Habeck im ZDF-"Morgenmagazin". Die Doppelspitze sei auch rückblickend das Erfolgsgeheimnis seiner Partei. "Ein neues Verständnis von Macht bedeutet, im Team zu sein."

"Rechtzeitig Klarheit schaffen"

Damit ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass die Grünen irgendwann dennoch mit einem klaren Kanzlerkandidaten antreten. Es sei wichtig, "dass dann vor einer Wahl rechtzeitig mit der Partei Klarheit geschaffen wird. Aber da sind wir ja nicht", sagte Habeck. Man müsse sich jetzt zunächst darauf konzentrieren, konstruktive Oppositionspolitik zu betreiben. "Wir sind mitten in einer Legislaturperiode, die schwierig genug ist."

Zuletzt hatte der bayerische Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann dafür plädiert, von der doppelten Spitzenkandidatur abzurücken und einen Kanzlerkandidaten zu ernennen. Sollte die Partei zwei gleichberechtigte Spitzenkandidaten ins Rennen schicken, wäre unklar, wer von beiden Kanzler werden soll. Die Parteispitze hat sich zu diesem Problem bislang nicht geäußert.

Die Grünen waren bei der Europawahl erstmals zweitstärkste Kraft bei einer bundesweiten Wahl geworden. In einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" sagten 51 Prozent der Befragten, wenn sie zwischen Habeck und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer entscheiden könnten, würden sie bei einer Direktwahl des Kanzlers für Habeck votieren.



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insgesamt 27 Beiträge
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skeptikerjörg 17.06.2019
1. Gut beraten
B90/Die Grünen sind gut beraten, beim bewährten Prinzip zu bleiben und die Personaldiskussionen den anderen Parteien zu überlassen. Man sieht ja bei CDU, SPD, LINKE, wohin das führt.
franz.v.trotta 17.06.2019
2.
Die Pressefuzzis brauchen immer eine Person, an der sie sich abarbeiten können (siehe Schulz, siehe Nahles, siehe Lindner). Die Grünen sollten sich das "Problem" nicht aufschwatzen lassen.
ned divine 17.06.2019
3. ob nun Habeck, Göring Eckardt, Baerbock oder Doppelspitze??
Man kann dazu nur sagen, hoffentlich nicht, genau so wenig wie z.B. auch jemanden von der AFD. denn diee GRÜNEN sind thematisch und programmatisch sehr gut mit der AFD vergleichbar. Beide Parteien sind eher monothematisch aufgestellt. Auf niedrigstem Niveau wird stets und ständig der Untergang herbeigeredet, ob nun durch Hofreiter, Göhring Eckardt und Co. oder aber Gauland und Konsorten. Stumpfsinnige Lösungsvorschläge werden unreflektiert in die Talkrunden geworfen und im Gepäck haben beide zumeist nur Verbotswünsche von irgendwas zu bieten. Die Anhänger beider Vereine sind fanatisch-religiös und leichtgläubig naiv, ob nun in die grünenvernebelte Richtung oder eben etwas brauner angehaucht. Während die sogenannten Grünen ihre Macht vor allem mit Prophezeihungen, Angst vor Apokalypse, Fanatismus oder auch z.B. Ablasshandel (Emissionshandel) ausnutzen und sichern und damit zur Zeit tatsächlich Aufwind bekommen, wartet die AFD Anhängerschaft auf Vorkommnisse wie z.B. Tschernobyl oder Fukushima, um sie dann für ihre Zwecke ausschlachten zu können. Einzig sinnvolle Alternative für alle anderen Parteien sollte sein, sich KLAR von solchen Strömungen abzugrenzen. Die Mitte sollte wieder Mitte werden und sich da auch klar und deutlich profilieren, CDU und SPD sich darauf besinnen echte Volksparteien zu werden und nicht immer nur im Lager aller anderen versuchen auf Stimmenfang zu gehen. Vielleicht werden auf DE doch noch goldene 2020er Jahre zukommen, voraus gesetzt natürlich, dass extreme Strömungen nicht zu sehr wuchern. Geschichtlich gesehen ging das immer nach hinten los... Daher bitte nicht als nächsten Kanzler Herrn Habeck, dann blüht bald wirklich nichts mehr hier in DE.
peter-11 17.06.2019
4. nicht treiben lassen
natürlich hat er recht, dass sie sich nicht treiben lassen wollen. Warum auch? Es war schon immer besser wichtige Entscheidungen im engsten Kreise erst zu diskutieren und nicht direkt auf jeden beliebigen Nachfrager zu antworten. Hat fast ein Niveau wie beim Fussball. Nach dem Spiel immer die gleichen, oft sinnentleerte Fragen. Auf die Grünen kommen im Wahlkampf noch schwierigere Koalitionsfragen zu, die auch die derzeit sehr guten Umfragewerte "links" wie "rechts" relativieren werden. Es dürften viele Sympatisanten geben, die sich eine Koalition mit CDU + FDP nicht vorstellen können und eben auch viele, die sich eine Koalition GRR nicht ansatzweise auch nur denken können. Wir sehr spannend und nicht so ganz einfach für die Grünen. Aber z. Z. toll, wie sie die Parteienlandschaft aufmischen.
Eronica 17.06.2019
5. Die Grünen sind doch
nicht monothematisch aufgestellt. So ein Unsinn schreibt nur jemand der von nichts eine Ahnung hat oder einfach nur den Grünen und auch unserem Land schaden will.
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