Habecks entlassener Staatssekretär Patrick Graichen hat einen neuen Job
Patrick Graichen und Wirtschaftsminister Robert Habeck: Nach Vorwürfen der Vetternwirtschaft musste der Staatssekretär sein Amt aufgeben
Foto: Kay Nietfeld / picture alliance / dpaNach einer Affäre um persönliche Verflechtungen und Vetternwirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium musste Patrick Graichen 2023 seinen Posten als Staatssekretär räumen.
Nun hat er einen neuen Job gefunden: Graichen wird Mitglied im Aufsichtsrat des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Ukrenerho. Das bestätigte das Unternehmen in einer Mitteilung . Zuerst hatte die »Berliner Zeitung« darüber berichtet .
Ukrenerho berief neben Graichen den Italiener Luigi de Francisci, den früheren dänischen Außenminister Jeppe Sebastian Kofod und den Finnen Jan Henrik Montell in den Aufsichtsrat. In seiner Pressemitteilung betonte der Konzern die Bedeutung der internationalen Unterstützung, »um den Wiederaufbau und den Schutz der Umspannwerke inmitten des Krieges und der ständigen Bedrohung durch militärische Angriffe voranzutreiben«.
Der Staatskonzern Ukrenerho betreibt die überregionalen Stromnetze des Landes, die seit 2022 an das kontinentaleuropäische Stromnetz angeschlossen sind . Der alleinige Anteilseigner des Unternehmens ist der ukrainische Staat.
Klüngelei-Vorwürfe im Wirtschaftsministerium
Graichen galt als Robert Habecks Manager für die Energiewende und als Vertrauter des Wirtschaftsministers. Er verfügte über gut zehn Jahre Erfahrung im Umweltministerium, hat ebenfalls knapp zehn Jahre beim stiftungsfinanzierten Thinktank Agora Energiewende gearbeitet, ab 2014 als dessen Chef. Gleichzeitig gab es schon seit 2021 Kritik, die sich auf Graichens Verwandtschaftsverhältnisse bezog: Seine Schwester Verena Graichen und sein Bruder Jakob Graichen arbeiten beim Öko-Institut, das auch regelmäßig Aufträge aus dem Wirtschaftsministerium erhält. Verena Graichen ist zudem mit Michael Kellner verheiratet, einem anderen Staatssekretär in Habecks Ministerium. Zudem schlug er seinen Trauzeugen Michael Schäfer als Chef der dem Ministerium unterstellten Deutschen Energie-Agentur (Dena) vor, ohne die Verbindung transparent zu machen.
Lesen Sie hier, wie die Graichen-Affäre ins Rollen kam.