Macron und die Grünen-Chefs Treffen mit Habeck und Baerbock verschoben

Lange warteten die Grünen auf diese Audienz - nun wurde sie verschoben: Frankreichs Präsident Macron empfängt Robert Habeck und Annalena Baerbock diese Woche nicht. Wegen Terminproblemen.

Frankreichs Präsident Macron: Grüne müssen sich noch gedulden
Ludovic MARIN/AFP

Frankreichs Präsident Macron: Grüne müssen sich noch gedulden

Von


Nach monatelangen Planungen schien es diese Woche endlich so weit. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron sollte die deutschen Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck an diesem Mittwochnachmittag im Pariser Élysée-Palast zum ersten politischen Tête-à-Tête empfangen. Das hatte der SPIEGEL aus mehreren Quellen erfahren und berichtete darüber am Dienstagnachmittag.

Nun aber wurde das Gespräch verschoben. Der Grund: Terminprobleme des Präsidenten, heißt es aus dem Umfeld Macrons. Man werde sich bei anderer Gelegenheit treffen. Verschoben, nicht aufgehoben also.

Offenbar haben sich infolge der Trauerfeier für den verstorbenen früheren französischen Präsidenten Jacques Chirac am Montag in Paris die Termine Macrons entsprechend verschoben.

Annalena Baerbock und Robert Habeck: Suche nach neuen Allianzen
Patrick Pleul/ DPA

Annalena Baerbock und Robert Habeck: Suche nach neuen Allianzen

Grünen-Chef Habeck befindet sich in dieser Woche auf Europatour: Brüssel, Paris, Rom. Wegen des ursprünglich geplanten Macron-Termins wollte Co-Chefin Baerbock kurzerhand mit nach Paris reisen. Die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi darf Habeck dann wieder alleine treffen.

Da das Regieren mittlerweile selbst in Deutschland zu einer eher fragilen Sache geworden ist, schaut man sich um. Sucht nach neuen Allianzen, möglichen Partnern, nicht mehr nur in Brandenburg oder Berlin, sondern auch eine Ebene drüber, der europäischen.

Die Annäherung an Macron dauerte eine Weile. Zum einen mag das an der überbordenden Agenda des Franzosen gelegen haben, zum anderen lag es an Animositäten bei den Grünen. Viele in der Partei halten Macron für einen Neoliberalen, der vor allem den Wohlfahrtsstaat schleifen will. Ein unberechtigter Vorwurf. Wahlweise auch für eine Art Möchtegern-Hegemon, der genuin französische Interessen als europäisch verbrämt. Ein nicht ganz unberechtigter Vorwurf.

Statt diese Befindlichkeiten im Sinne einer übergeordneten Sache, zum Beispiel der Europawahl, kurz beiseitezuschieben, lebten sie im Frühjahr noch mal richtig auf. Sven Giegold, europäischer Grünenabgeordneter, bezichtigte einen zu Macron übergelaufenen französischen Grünen öffentlich des Dolchstoßes. Was Europa angehe, habe man bestimmt nicht auf Macron gewartet, schrieb Giegold beleidigt.

Ursula von der Leyen, von Macron vorgeschlagene Kommissionspräsidentin in spe, wollten die europäischen Grünen nicht mittragen, was zumindest bei Robert Habeck leichte Bauchschmerzen verursacht haben soll. Die "Quasi-Regierungspartei" (Habeck) mag im Wartestand verharren, zieht sich aber auch gern mal in die Trotzecke zurück.

Ein erstes deutsch-französisches Beschnuppern fand bereits am Freitag statt. In Berlin trafen sich die beiden Grünen-Chefs mit Clément Beaune, Macrons Chefberater für Europa und einer seiner engsten Vertrauten. Aus dessen Umfeld hieß es hinterher, Beaune sei etwas enttäuscht gewesen von dieser Zusammenkunft. Baerbock und Habeck hätten vor allem versucht, herauszufinden, wie "grün" Macron wirklich sei.

Da müssen sie sich nun noch etwas gedulden.

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marctgfg 01.10.2019
1. Kommentar
Ist das jetzt ein Bericht oder ein Kommentar??? So eine absolute Aussage wie "Ein unberechtigter Vorwurf." ist schon sehr "mutig", um nicht anmaßend zu sagen...
lupo44 01.10.2019
2. Baerbock und Harbeck sind noch lange nicht im Ziel.....
ihr internationales Hauptthema hat si buchstäblich nach oben gespült der Klimakolapps der vor der Weltbevölkerung steht. Die anderen wichtigen Themen wie Familie,Wirtschaft,Kriminalität,Armut,Pflege,Hartz4 alles in Deutschland innenpolitische Themen sind in der Bevölkerung lt Presse von heute nicht gerade anstehende Themen die von Grünen stark besetzt sind.Also Marcon hin oder Her vielleicht ein gutes Zeichen für die heutige Absage für ein Treffen.Mehrheiten muß man sich im eigenen Land suchen und erkämpfen denke ich ...so geht Wahlkampf.
artep 01.10.2019
3. Macron
Die Franzosen waren und sind Meister des diplomatischen Geschicks. Dass Macron jetzt kurzfristig keine Zeit für ein Treffen mit Habeck/ Baerbock hat, ist ein deutlicher Affron aus Paris. Es bedeutet, dass Macron auf ein Treffen mit diesen beiden keinen Wert legt und diese Absage ist eine Demütigung. Die harschen Worte sind nicht vergessen. Ebenso nicht vergessen ist die Haltung der Grünen im Europaparlament zur Wahl von Frau v.d. Leyen zur Kommissionspräsidentin, die Präsident Macron ja auf diesem Posten wünschte.
Beagle-Fan 01.10.2019
4. Muss man Macron auch huldigen?
Wer ist Macron? Ein ehemaliger Goldman-Sachs-Rothschild-Banker!!! https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article183816328/Neustart-fuer-Europa-Deutschland-muss-lernen-seinen-Wohlstand-zu-teilen.html,WELT online, 14.01.2018 "…Ein reiches Land wie Deutschland muss lernen, seinen Wohlstand mit anderen Ländern zu teilen und Innovationen dafür zu nutzen, das Klima zu retten."" http://www.faz.net/aktuell/finanzen/frankreichs-banken-haben-in-italien-viel-zu-verlieren-15611872.html, Warum Frankreich zur Gefahr für Europa wird! Veröffentlicht am 02.06.2016, | https://www.welt.de/wirtschaft/article155886588/Warum-Frankreich-zur-Gefahr-fuer-Europa-wird.html, Frankreich lässt seine ehem. Kolonien immer noch kräftig bezahlen. Frankreich kann seinen Status nur mit Ausbeutung der ehemaligen Kolonien halten. Deutsche Wirtschafts - Nachrichten | Veröffentlicht: 15.03.15 01:12 Uhr
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.