Ausschreibung des Wirtschaftsministeriums Wie die Bundesregierung sich fotografisch in Szene setzen lässt – und was das kostet

Das Wirtschaftsministerium von Robert Habeck sucht Fotografen und ist bereit, sich die Bilder etwas kosten zu lassen. Die Ministerien handhaben das sehr unterschiedlich – ein Haus ist besonders sparsam.
Wer Wirtschaftsminister Robert Habeck ablichten will, kann sich aktuell bei seinem Haus bewerben.

Wer Wirtschaftsminister Robert Habeck ablichten will, kann sich aktuell bei seinem Haus bewerben.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Wenn die Mitglieder der Bundesregierung zu Terminen oder im Ausland unterwegs sind, sind auch Fotografinnen und Fotografen dabei. Die Ministerinnen und Minister betreiben eigene Twitter- und Instagramkanäle, die mit Bildern bestückt sein wollen, auf denen die Politiker eine gute Figur machen.

Einer, der besonders viel Wert auf seine öffentliche Wahrnehmung legt, sucht nun eine neue fotografische Begleitung: Robert Habeck (Grüne). Das von ihm geführte Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat eine Stellenanzeige für einen neuen Fotografen oder eine Fotografin ausgeschrieben . Der »geschätzte Gesamtwert« für den Job: 350.000 Euro. Die »Bild«-Zeitung hatte zuerst darüber berichtet .

Zunächst ist der Auftrag auf zwei Jahre ab dem 1. Januar 2023 befristet, dann gibt es zwei Verlängerungsoptionen über jeweils ein Jahr. Die 350.000 Euro sind ein Maximalbetrag und für die potentiell möglichen vier Jahre veranschlagt. Bewerbungsschluss ist der 6. Dezember. Das Ministerium betonte, dass die Obergrenzen solcher Rahmenverträge in der Regel nicht ausgeschöpft würden. In diesem Jahr seien bislang erst 26.500 Euro für die fotografische Begleitung des Ministers ausgegeben worden.

Das Ministerium betonte weiterhin, dass es sich um eine Ausschreibung für einen Dienstleistungsvertrag handele, nicht um eine Anstellung beim Ministerium. Fotografen, die im Rahmen dieses Vertrags für Habeck Haus tätig werden, sind dem gesamten Ministerium zugeordnet. Neben der fotografischen Reise- und Terminbegleitung für Habeck und andere Ministeriumsmitglieder gehört auch Auftragsfotografie für die Öffentlichkeitsarbeit des gesamten Ministeriums zum Profil.

Unterschiedliche Praxis in den Ministerien

Dass Bundesministerien eigene Fotografinnen und Fotografen beschäftigen und sich nicht auf das Pressematerial unabhängiger Agenturen verlassen, ist nicht unüblich. Allerdings fällt die Praxis, ob und zu welchen Konditionen Fotografen beauftragt werden, je nach Ministerium sehr unterschiedlich aus.

Im Arbeitsministerium etwa heißt es, dort fotografiere die Redaktion im Kommunikationsstab häufig selbst. Nach Bedarf greife das Haus in unregelmäßigen Abständen auf freie Fotografen zurück. »Über die Jahre belaufen sich die addierten Auftragswerte auf weniger als 10.000 Euro«, sagt ein Sprecher.

Das von Annalena Baerbock geführte Auswärtige Amt nutzt hingegen seit Jahren auswärtige Fotografen für die Begleitung der Minister und mittlerweile der Ministerin. Konkret hat das Ministerium einen sogenannten Rahmenvertrag mit der Fotoagentur »Photothek« abgeschlossen. Dieser »Rahmenvertrag« sei »entsprechend der vergaberechtlichen Vorschriften abgeschlossen« worden, sagte eine Sprecherin zum SPIEGEL. Konkrete Zahlen nannte das Auswärtige Amt nicht, berechnet würden die »Anzahl der geplanten Einsätze des Fotografen«.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung wurde der Eindruck erweckt, das Wirtschaftsministerium schreibe eine Festanstellung für Fotografen aus, zahle ein bereits feststehendes Jahresgehalt und schöpfe den Maximalrahmen der Ausschreibung in jedem Fall aus. Diesen Eindruck haben wir korrigiert.

mrc/sev/cte
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