Habeck über Jamaika-Sondierungen "Auch wir Grünen haben an Abbruch gedacht"

Robert Habeck war "stinksauer" nach dem Jamaika-Aus. Doch mit etwas Abstand hat sich der Ärger über die FDP gelegt. Der Grünen-Verhandler betont: Auch seine Partei war nicht glücklich mit den Gesprächen.
Robert Habeck

Robert Habeck

Foto: BECHER/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

In der Nacht des Scheiterns fand Grünen-Verhandler Robert Habeck harte Worte für die Liberalen. "FDP, das war von langer Hand vorbereitet. Dass ihr uns hier einen Tag in Geiselhaft genommen habt, nehme ich persönlich übel", wetterte Schleswig-Holsteins Umweltminister.

Inzwischen äußert sich Habeck deutlich versöhnlicher. "Ich war in der Nacht stinksauer auf die FDP und fühlte mich verschaukelt, weil ich den Zeitpunkt nicht verstanden habe. Aber zwei Tage später ist der Pulverrauch abgeklungen", sagte Habeck dem SPIEGEL. "Mittlerweile denke ich: Es ist eigentlich auch egal, wann Lindner entschieden hat zu gehen." Entscheidend sei, wie es jetzt weitergehe.

Habeck widersprach auch dem Eindruck, dass zwischen Union und Grünen große Einigkeit in den Sondierungsgesprächen geherrscht habe. Es gehöre "einfach zur Wahrheit, dass die Gespräche unglaublich schwierig waren", sagte der Grünen-Politiker. "Es lag von Anfang an kein Segen drauf. Auch wir Grünen haben sicher mehr als ein Dutzend Mal an Abbruch gedacht, aber uns immer wieder mühsam zusammengerauft. Man sollte jetzt nicht so tun, als hätte die Sonne über Jamaika geschienen, wenn die FDP geblieben wäre." (Das gesamte Interview mit Robert Habeck lesen Sie am Mittwoch auf SPIEGEL ONLINE.)

Fotostrecke

Ende der Sondierungen: Lange Nacht, lange Gesichter

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Zuletzt hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" erklärt, die Jamaika-Gespräche hätten seiner Ansicht nach zu einer weiteren Annäherung von Grünen und Union geführt. "Wir in Baden-Württemberg haben das ja schon, aber hier ist auch auf Bundesebene ein Klima des Vertrauens entstanden", sagte Kretschmann (mehr zur Rolle der Grünen nach dem Jamaika-Aus lesen Sie hier).

Er halte Angela Merkel (CDU) trotz des Scheiterns der Jamaika-Verhandlungen weiterhin für stark und rechne nicht mit dem Amtsverzicht der Kanzlerin, so Kretschmann außerdem. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass da in der Union eine große Kanzlerinnendebatte ausgebrochen ist. Sie macht auf mich weiterhin einen starken Eindruck", wird Kretschmann zitiert.

Ähnlich äußerte sich Jürgen Trittin. Er warf Lindner in der "Welt" vor, es sei der Plan des FDP-Chefs gewesen, "Frau Merkel zu stoppen und zu stürzen". Tatsächlich habe er aber "entgegen seiner Intention die Position der Kanzlerin eher gestärkt", so Trittin.

Die FDP hatte in der Nacht zu Montag die Gespräche über eine mögliche Jamaikakoalition überraschend beendet und erklärt, man habe keine Vertrauensbasis mit den Partnern gefunden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will am Dienstag mit FDP-Chef Christian Lindner sowie den Grünen-Vorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir sprechen. Dabei will er ausloten, ob es doch noch Chancen auf ein gemeinsames Bündnis von Union, FDP und Grünen gibt.

Unionspolitiker ermahnten die anderen Parteien, Neuwahlen nicht als einzigen Ausweg hinzunehmen. "Wir können uns nach einer solchen Wahl nicht einfach in die Büsche schlagen", sagte Kanzleramtschef Peter Altmaier im ZDF-"Morgenmagazin".

CDU-Vizechefin Julia Klöckner äußerte deutliche Kritik an der SPD. Die Sozialdemokraten sollten ihre ablehnende Haltung gegenüber einer Regierungsbeteiligung noch einmal überdenken. Sie hätten sich in dieser Frage gleich nach der Bundestagswahl "vom Acker gemacht", sagte Klöckner im Deutschlandfunk. "So einfach kann es meiner Meinung nach nicht gehen."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.