Röttgens Position in der CDU Auf in den Kampf

Bislang galt er als Aufsteiger, jetzt droht Norbert Röttgen zum großen Verlierer in der Union zu werden. Der Umweltminister hat nur eine Chance, diesem Schicksal zu entgehen - er muss Mut beweisen und für den CDU-Vorsitz in Nordrhein-Westfalen kandidieren.

Bundesumweltminister Röttgen: Meistgehasster Mann in konservativen CDU-Kreisen
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Bundesumweltminister Röttgen: Meistgehasster Mann in konservativen CDU-Kreisen

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Jürgen Rüttgers ist abgewählt, Roland Koch im politischen Ruhestand, Christian Wulff zum Bundespräsidenten aufgestiegen. Es müsste der Sommer von Norbert Röttgen sein. Er ist der smarteste CDU-Politiker aus der jüngeren Generation, der einzige, den man sich an der Spitze der Partei vorstellen könnte, falls Angela Merkel scheitert.

Doch von der Spitze der CDU ist Röttgen derzeit so weit entfernt wie Lothar Matthäus vom Trainerjob beim FC Bayern. Er ist in bestimmten Parteizirkeln zum meistgehassten Mann geworden. Seine Gegner sind Leute vom konservativen CDU-Flügel, für die die Atomkraft zum identitätstiftenden Thema geworden ist. Es sind mächtige Politiker, und sie wollen Röttgens Plan verhindern, die deutschen Atomkraftwerke so schnell wie möglich abzuschalten.

Eine Niederlage in der Atompolitik wäre für Röttgen nicht so schlimm, wenn er eine starke Position in der Partei hätte. Deshalb würde er gerne CDU-Chef in Nordrhein-Westfalen werden. Noch wartet er ab, er will bis zum Schluss ausloten, wie seine Chancen stehen. Nach derzeitigem Stand nicht gut, denn die wichtigsten Landespolitiker haben sich auf Armin Laschet, den Integrationsminister der abgewählten Regierung geeinigt.

Röttgen muss jetzt überlegen, ob er antritt, obwohl sich die Spitze der Landespartei gegen ihn entschieden hat. Auf den ersten Blick scheint es dumm, sich in einen aussichtslosen Kampf zu begeben. Doch für Röttgen gibt es nur diese Option.

Röttgen hat sein Interesse am Parteivorsitz nie öffentlich erklärt, aber er hat intern nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihn der Posten reizt. Politik ist ein Kampf um Macht, und der Chef der nordrhein-westfälischen CDU ist in der Union ein mächtiger Mann. Aber Macht fällt einem nicht zu, man muss sie im politischen Kampf gegen andere erringen. Sollte Röttgen die Auseinandersetzung scheuen, müsste er mit dem Vorwurf leben, ihm habe der Mut gefehlt. Das wäre schlimmer als eine Niederlage.

Röttgen ist ein guter Redner - und er hat etwas zu sagen

Röttgens Chancen sind nicht so schlecht, wie es scheint. Laschets Kandidatur ist das Ergebnis klassischer Kungelei. Die wichtigsten Politiker haben ihn zum Kandidaten gekürt, ohne die Partei zu beteiligen. Immer mehr Bürger wenden sich wegen dieser Art von Hinterzimmerdeal von der Politik ab. Träte Röttgen an, müssten sich beide Kandidaten der Basis stellen. Es gäbe eine Mitgliederbefragung. Und die Parteimitglieder mögen es immer weniger, wenn ihnen die Spitze vorschreibt, was sie wählen sollen. Darin liegt Röttgens Chance.

Er hätte die Gelegenheit, sich auf Regionalkonferenzen zu präsentieren. Röttgen ist ein guter Redner. Nur wenige Politiker schaffen es, ihre Politik überzeugend zu erklären und sie in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Röttgen kann das, Laschet nicht.

Röttgen hat einen weiteren Vorteil gegenüber seinem Konkurrenten. Beide sind Modernisierer in ihrer Partei, sie können sich Bündnisse mit den Grünen vorstellen und finden, dass die CDU sich stärker bei Themen wie Umwelt, Familie und Integration profilieren muss. Laschet hat seine Kandidatur aber mit einem inhaltlichen Schwenk erkauft. Er fordert jetzt "CDU pur", bislang vor allem ein Schlachtruf der Konservativen. Das wirkt wenig glaubwürdig.

Dennoch wird es für Röttgen sehr schwierig, gegen Laschet zu gewinnen. Aber in der Politik zählt die Art, wie man verliert, manchmal mehr als das Ergebnis. Helmut Kohl unterlag 1971 gegen Rainer Barzel im Kampf um den Parteivorsitz. Zwei Jahre später löste er Barzel ab und blieb 25 Jahre an der Spitze der Partei. Und wer erinnert sich noch daran, dass Gerhard Schröder einmal eine Urwahl um den SPD-Vorsitz gegen Rudolf Scharping verloren hat? Es waren Niederlagen, mit denen der Grundstein für spätere Erfolge gelegt wurde.

Röttgen hat nicht die Wahl zwischen Kandidatur und Rückzug. Er kann die offene Auseinandersetzung suchen und sich damit alle Möglichkeiten für später offenhalten. Oder er kneift und gilt fortan als der Mann, der sich nicht getraut hat. Dann wäre er wirklich Verlierer des Jahres.

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Roßtäuscher 12.08.2010
1. Angeblich kandidiert Röttgen als Nachfolger von Rüttgers
Zitat von sysopBislang galt er als Aufsteiger, jetzt droht Norbert Röttgen zum großen Verlierer in der Union zu werden. Der Umweltminister hat nur eine Chance, diesem Schicksal zu entgehen - er muss Mut beweisen und für den CDU-Vorsitz in Nordrhein-Westfalen kandidieren. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,711343,00.html
Wie es scheint haben sich ein paar Betonköpfe in der Union gegen ihn zusammen gerottet. Anstelle endlich einen kräftigen Gegenpart zu Merkels Abgang in die Versenkung aufzubauen, streitet man intern. Man fragt sich schon, wie verrottet sind die sogenannten Volksparteien und erst recht der restliche Tingelschrott, der sich dem Wähler wie ranzige Butter anbiedert.
Emil Peisker 12.08.2010
2. Wetten werden noch angenommen.:-))
Zitat von sysopBislang galt er als Aufsteiger, jetzt droht Norbert Röttgen zum großen Verlierer in der Union zu werden. Der Umweltminister hat nur eine Chance, diesem Schicksal zu entgehen - er muss Mut beweisen und für den CDU-Vorsitz in Nordrhein-Westfalen kandidieren. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,711343,00.html
Laschet ist ein exzellenter Strippenzieher, ja, aber Röttgen kann die Basis erheblich eher motivieren. Darüberhinaus sollte die NRW-CDU auch die Wähler im Auge haben. Röttgen steht für bessere Wahl-Chancen, Laschet nur für innerparteiliche Machtoptionen. Ich halte ein Kandidatur Röttgens daher für sehr wahrscheinlich. Und er wird es ann auch werden. Wetten werden noch angenommen.:-))
evolut 12.08.2010
3. ...
Zitat von sysopBislang galt er als Aufsteiger, jetzt droht Norbert Röttgen zum großen Verlierer in der Union zu werden. Der Umweltminister hat nur eine Chance, diesem Schicksal zu entgehen - er muss Mut beweisen und für den CDU-Vorsitz in Nordrhein-Westfalen kandidieren. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,711343,00.html
Röttgen scheint in der falschen Partei zu sein. Entweder er verwandelt sich demnächst in ein Großmaul, wie es sich für die CDU gehört, oder er harrt noch 1-2 Dekaden aus, denn mit dem Alter werden leisere Töne eher toleriert.
Stefanie Bach, 12.08.2010
4. Bettvorleger?
Zitat von Emil PeiskerLaschet ist ein exzellenter Strippenzieher, ja, aber Röttgen kann die Basis erheblich eher motivieren. Darüberhinaus sollte die NRW-CDU auch die Wähler im Auge haben. Röttgen steht für bessere Wahl-Chancen, Laschet nur für innerparteiliche Machtoptionen. Ich halte ein Kandidatur Röttgens daher für sehr wahrscheinlich. Und er wird es ann auch werden. Wetten werden noch angenommen.:-))
Von Berlin aus die Opposition gegen Hannelore Kraft zu organisieren, wird Röttgen kaum gelingen. Er schafft es ja dort nicht einmal, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Die CDU sollte die Diskussion um ihren neuen NRW-Vorsitzenden programmatisch und inhaltlich führen. Ein reiner Personalstreit wird niemanden überzeugen. Armin Laschet sieht sich im Vorteil gegenüber Norbert Röttgen (http://www.kumran.de/armin-laschet-sieht-sich-im-vorteil-gegenueber-norbert-roettgen/).
Emil Peisker 12.08.2010
5. Der Krautscheid müsste eh' weg.
Zitat von Stefanie BachVon Berlin aus die Opposition gegen Hannelore Kraft zu organisieren, wird Röttgen kaum gelingen. Er schafft es ja dort nicht einmal, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Die CDU sollte die Diskussion um ihren neuen NRW-Vorsitzenden programmatisch und inhaltlich führen. Ein reiner Personalstreit wird niemanden überzeugen. Armin Laschet sieht sich im Vorteil gegenüber Norbert Röttgen (http://www.kumran.de/armin-laschet-sieht-sich-im-vorteil-gegenueber-norbert-roettgen/).
Also das lese ich nicht so. Da haben einige Leute Angst um ihre Pfründe. Ist immer so. Der Krautscheid müsste eh' weg. Glatter Reinfall diese Besetzung. Ich bin überzeugt, wenn Röttgen die Regionaltour gemacht hat, ist er der nächste CDU-Vorsitzende.
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