Altbundespräsident Abschied von Roman Herzog

Seine "Ruck-Rede" gegen den Reformstau wurde sein wichtigstes Vermächtnis. In Berlin nahmen Politiker und Freunde Abschied vom verstorbenen Altbundespräsidenten Roman Herzog.

Bundespräsident Joachim Gauck mit Alexandra Freifrau von Berlichingen, Ehefrau des verstorbenen Roman Herzog.
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Bundespräsident Joachim Gauck mit Alexandra Freifrau von Berlichingen, Ehefrau des verstorbenen Roman Herzog.


Mit einem Trauergottesdienst haben sich die Spitzen von Staat und Politik von dem früheren Bundespräsidenten Roman Herzog verabschiedet. Herzog war am 10. Januar im Alter von 82 Jahren verstorben (lesen Sie hier den Nachruf). Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, würdigte im Berliner Dom den Einsatz des Staatsoberhaupts für die Verständigung mit den östlichen Nachbarn Deutschlands. Er sei "als Präsident zum Botschafter der Versöhnung geworden".

Der von Herzog 1996 eingeführte Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar werde immer mit seinem Namen verbunden bleiben, sagte Bedford-Strohm. Herzog habe damit "eine Erinnerungskultur unterstrichen und gestärkt, die Liebe zum eigenen Land nicht mit Selbstrechtfertigung und Verdrängen der eigenen dunklen Seiten verwechselt, sondern echte Stärke eines Landes genau darin sieht, dass es die dunklen Seiten ehrlich in den Blick nimmt und daraus für die Zukunft lernt".

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Roman Herzog: Unermüdlicher Reformer

Beim anschließenden Staatsakt wollen neben Bundespräsident Joachim Gauck auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, und EU-Ratspräsident Donald Tusk sprechen.

Herzog soll am Freitag im baden-württembergischen Schöntal beigesetzt werden. Er war von 1994 bis 1999 Bundespräsident. Er hatte den Anspruch, ein politischer Präsident zu sein, der sich zu grundlegenden gesellschaftlichen Problemen äußern wollte. Als Schlüsselrede von Herzog in dieser Zeit gilt seine "Ruck-Rede". Am 26. April 1997 forderte er in Berlin: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen", um das verbreitete Gefühl der Lähmung und Stagnation zu überwinden. "Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen", sagte er damals (Nachzulesen ist die Rede hier.)

Nach seiner Amtszeit war Herzog in Brüssel Vorsitzender des Europäischen Grundrechtekonvents. Zudem leitete er ab 2000 die sogenannte Herzog-Kommission zur Aufarbeitung der CDU-Spendenaffäre und legte Empfehlungen für die künftige Parteienfinanzierung vor.

In den folgenden Jahren äußerte sich Herzog in Kommentaren und Interviews immer wieder zur politischen Lage. 2007 erschien seine politische Autobiografie "Jahre der Politik".

mho/dpa/AFP

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