Ex-Kanzleramtsminister Pofalla wechselt in Bahn-Vorstand

Ex-Kanzleramtschef Pofalla geht in die Wirtschaft. Berichten zufolge soll der CDU-Politiker Vorstand bei der Bahn werden. Auf diesem gutdotierten Posten soll sich der Merkel-Vertraute um Kontakte zur Politik kümmern.
Vertraute Pofalla (l.), Merkel: Wechsel in die Wirtschaft

Vertraute Pofalla (l.), Merkel: Wechsel in die Wirtschaft

Foto: Hannibal Hanschke/ dpa

Berlin - Wenige Wochen nach seiner Ablösung als Kanzleramtsminister hat Ronald Pofalla einen neuen Job: Der CDU-Politiker wechselt in den Vorstand der Deutschen Bahn. Das berichten die "Saarbrücker Zeitung" und die Nachrichtenagentur Reuters übereinstimmend.

Pofalla soll demnach ein neu geschaffenes Ressort für die langfristige Unternehmensstrategie und Kontakte zur Politik in Berlin und Brüssel übernehmen. Er könnte bei der nächsten Aufsichtsratssitzung im März ernannt werden. Ein Vorstandsposten bei der Bahn wird mit 1,3 bis 1,8 Millionen Euro im Jahr vergütet.

Ein Sprecher des bundeseigenen Konzerns sagte dazu auf Anfrage am Donnerstag: "Zu Personalspekulationen aller Art nehmen wir keine Stellung."

Bahn streitet mit EU

Die Bahn hat seit dem Amtsantritt von Unternehmenschef Rüdiger Grube keinen Vorstand für Politik mehr. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hatte Grube 2006 den Vorstand umgebaut und sich unter anderem von Otto Wiesheu getrennt. Der CSU-Politiker war erst wenige Monate zuvor zum Vorstand für Marketing und politische Beziehungen berufen worden.

Fortan wollte Grube wollte sich selbst um die politischen Kontakte kümmern. Vor allem lieferte sich das Unternehmen mit EU-Verkehrskommissar Siim Kallas Auseinandersetzungen. Kallas will die enge Verbindung zwischen staatlich subventioniertem Schienennetz und dem Konzern aufbrechen, um Diskriminierungen von Wettbewerbern besser verhindern zu können.

Angela Merkel hatte ihrem langjährigen Vertrauten in der neuen Bundesregierung keinen Posten angeboten. Kanzleramtschef ist nun Ex-Umweltminister Peter Altmaier. Pofalla ist aber wieder als Direktkandidat im Wahlkreis Kleve in den Bundestag gewählt worden und hatte erklärt, das Mandat auch behalten zu wollen.

Im vergangenen Jahr hatte der direkte Wechsel von Staatsminister Eckart von Klaeden (CDU) aus dem Kanzleramt zum Daimler-Konzern für erhebliche Kritik gesorgt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Vorteilsnahme, weil sich Klaeden in seiner Amtszeit mehrmals mit Daimler-Vertretern getroffen hatte. Zudem erhielt er zwischen Januar und Mai 2013 Kenntnis von drei Vorlagen zur EU-Regulierung des Schadstoffausstoßes von Neuwagen.


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syd/Reuters/AFP/dpa