Rückkehrpläne Roth äußert Verständnis für Osthoff

Nach scharfer Kritik an ihrem Wunsch, in den Irak zurückzukehren, bekommt Susanne Osthoff erstmals Rückendeckung aus der Politik. "Frau Osthoff kann für sich selber entscheiden", sagte Grünen-Chefin Roth. Wenig überrascht von Osthoffs Plänen ist Michael Osang, früherer Mitstreiter bei der Irak-Hilfe.

Berlin - Claudia Roth äußerte Verständnis für die Pläne von Susanne Osthoff, nach ihrer Freilassung aus der Geiselhaft wieder in den Irak zu gehen. "In unserer Demokratie ist es gut und richtig, dass es freie und selbstbestimmte Entscheidungen gibt", sagte Roth dem "Handelsblatt". Frau Osthoff könne für sich selber entscheiden. Der Irak sei seit vielen Jahren Osthoffs Lebensmittelpunkt. "Wenn sie ihre archäologische oder humanitäre Arbeit im Irak fortsetzen will, wird ihr das niemand verbieten können." Außerdem könnte ihre Rückkehrentscheidung den Irakern Hoffnung und Zuversicht geben.

Warnungen des Auswärtigen Amtes sollte Osthoff freilich ernst nehmen, fügte Roth hinzu. "Man kann nur hoffen, dass nichts passiert. Aber wenn etwas passiert, ist selbstverständlich die Bundesregierung angehalten, alles zu tun, dass sie wieder freikommt."

Der Münchner Kinderarzt Michael Osang, ein früherer Mitstreiter Osthoffs bei der Irak-Hilfe, ist von deren Rückkehrwunsch nicht überrascht. "Man muss Susanne Osthoff gerechterweise zubilligen, dass sie keine normale Bundesbürgerin ist", sagte Osang im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Dass Osthoff wieder "zu ihren Leuten, in ihren Irak" zurückkehren wolle, sei zu erwarten gewesen. Osang hatte mit Osthoff einen medizinischen Hilfstransport der "Direkthilfe Irak" organisiert, für die diese tätig war.

Osang, der nach eigenen Angaben seit ihrer Freilassung bislang keinen Kontakt zu Osthoff gehabt hat, äußerte jedoch auch Verständnis für die Kritik an den Rückkehrplänen der Archäologin. "Es ist sicher ungeschickt und nicht korrekt, diese Pläne so kurze Zeit nach ihrer Freilassung in einem Fernsehinterview zu verkünden", sagte der Mediziner.

Osthoff hatte sich erstmals öffentlich in einem Interview mit dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira geäußert. Nach Angaben des Senders kam das Gespräch auf Wunsch der Deutschen zustande. Es habe in der Zentrale von al-Dschasira in Doha, der Hauptstadt von Katar, stattgefunden. Nach unbestätigten Meldungen soll Osthoff in dem Interview angekündigt haben, ihre Arbeit als Archäologin im Irak fortsetzen zu wollen, allerdings ohne einen Zeitpunkt dafür zu nennen. Osthoff war am 18. Dezember nach 23 Tagen Geiselhaft im Irak wieder freigekommen.

Politiker aller Parteien hatten den Entschluss Osthoffs kritisiert und eindringlich an die Archäologin appelliert, die Pläne zu überdenken. Acht Tage nach ihrer Freilassung drohten sie auch mit finanziellen Konsequenzen, falls sie erneut in Schwierigkeiten kommen und einmal mehr staatlicher Hilfe bedürfen sollte.

"Wenig Verständnis"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte die Ex-Geisel ausdrücklich vor einer Rückkehr in den Irak. "Ich appelliere an Frau Osthoff, von ihren Plänen, in den Irak zurückzukehren, Abstand zu nehmen", erklärte er. "Nach intensiven Anstrengungen vieler Beteiligter über drei Wochen, die schließlich zu ihrer Freilassung führten, hätte ich wenig Verständnis, wenn Frau Osthoff sich erneut in eine Gefahrensituation begeben würde", erklärte der SPD-Politiker.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Gloser (SPD), sagte in der ARD, er habe keinerlei Verständnis, wenn Osthoff in den Irak zurückkehren würde. Seit ihrer Ausreise in eigener Verantwortung gebe es aber keine Möglichkeit des Auswärtigen Amtes einzugreifen. Die Gefahrensituation habe sich für die 43-Jährige aber in keiner Weise verändert.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz, sagte der "Bild"-Zeitung, er bedauere, dass Osthoff dem dringenden Appell der Bundesregierung, nicht in den Irak zurückzukehren, nicht folgen könnte. "Gerade sie müsste das Risiko einer solchen Entscheidung deutlich vor Augen haben", wurde der CDU-Politiker zitiert.

"Eine eigensinnige Frau"

In einem Interview von NDR Info deutete Polenz Konsequenzen an, falls Osthoff erneut der Hilfe bedürfen sollte. Zwar bleibe die Bundesregierung immer zur Hilfe für Deutsche verpflichtet, "und sie würde auch in jedem Fall das ihr Mögliche tun". Aber anschließend würde sicherlich über die Konsequenzen zu reden sein, "auch über die Frage, wie man sich dann beispielsweise an den Kosten möglicher Rettungsaktionen zu beteiligen hätte". Ausschuss-Vize Hans-Ulrich Klose (SPD) nannte Osthoffs Pläne im Deutschlandfunk "befremdlich" und "nicht gut". Osthoff scheine eine eigenständige, um nicht zu sagen "eigensinnige" Frau zu sein.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Mark erklärte in Berlin: "Susanne Osthoff muss wissen, dass der deutsche Steuerzahler ihr kein zweites Mal eine Geiselfreilassung im Irak finanzieren würde." Osthoff bringe mit ihrer Entscheidung, in den Irak zurückzukehren, sich selbst und Dritte potentiell in Gefahr.

Osthoffs Mutter kritisiert Bundesregierung

Irak-Kenner Peter Scholl-Latour bezeichnete Osthoffs Verhalten als "extrem leichtsinnig". Mit ihren Rückkehrplänen trete sie zudem die Bemühungen der Bundesregierung für ihre Freilassung "mit Füßen". Eine Bestätigung für Osthoffs angebliche Absicht, in den Irak zurückzukehren, hatte am Dienstag auch das Auswärtige Amt in Berlin nicht. In dem Fernsehinterview sagte die 43-Jährige im Übrigen, sie sei von ihren Entführern gut behandelt worden. Die Kidnapper hätten kein Geld gewollt, sondern die Förderung humanitärer Projekte in den sunnitischen Regionen des Iraks.

Unterdessen kritisierte die Mutter Osthoffs, Ingrid Hala, die Weigerung der Bundesregierung, Projekte der Archäologin weiter finanziell zu unterstützen, wenn sie mit ihrer Rückkehr in den Irak verbunden wären. "Das ist schon seltsam, was die Bundesregierung da macht", sagte Hala der "Süddeutschen Zeitung". Offenbar wolle die Regierung damit auch die Bevölkerung beruhigen.