Rücktritte von Köhler und Wulff "Burkina Faso gibt die Hoffnung nicht auf"

Erst sagte Horst Köhler seinen Besuch ab - Rücktritt! - jetzt Christian Wulff: Rücktritt! Burkina Faso hat kein Glück mit Visiten deutscher Staatsoberhäupter. Doch das afrikanische Land bliebt optimistisch: Gauck wird kommen. Oder?
Burkina Fasos Präsident Compaoré: Warten auf den deutschen Bundespräsidenten

Burkina Fasos Präsident Compaoré: Warten auf den deutschen Bundespräsidenten

Foto: ? Christian Charisius / Reuters/ REUTERS

Berlin/Ouagadougou - Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt - aber die Menschen in dem westafrikanischen Staat sind natürlich ein sehr stolzes Volk. Gerne wollten sie den damaligen Präsidenten Horst Köhler empfangen, um ihn von der Schönheit ihrer Heimat zu überzeugen. Alles war vorbereitet für seinen Besuch im Frühsommer 2010, doch dann musste das Bundespräsidialamt die Reise wegen des Köhler-Rücktritts kurzfristig stornieren. Vor wenigen Tagen dann die nächste Absage aus Berlin: Auch Christian Wulff wird nach seinem Rücktritt natürlich nicht wie geplant am Wochenende nach Burkina Faso reisen und mit Staatsoberhaupt Blaise Compaoré zusammentreffen.

Es ist wie verhext mit den deutschen Präsidenten. Doch an ein schlechtes Omen will man in der Hauptstadt Ouagadougou nicht glauben. Und schon gar nicht an eine Missachtung durch Berlin.

"Zuerst möchten wir klarstellen, dass die doppelte Absage des offiziellen Besuchs eines deutschen Bundespräsidenten in Burkina Faso weder die Folge einer konfliktbeladenen Beziehung noch eine Infragestellung der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Burkina Faso und der Bundesrepublik Deutschland darstellt", teilte die Botschaft der ehemaligen französischen Kolonie Obervolta auf Anfrage mit. Natürlich weiß man Bescheid über die Umstände der Rücktritte von Köhler und Wulff: "Beide deutsche Besuche in Burkina Faso wurden auf Grund von inneren politischen Schwierigkeiten in Deutschland vertagt."

"Ausgezeichnete Beziehungen"

Klar ist aus Sicht Ouagadougous: Zwischen Burkina Faso und Deutschland passt gewissermaßen kein Blatt Papier. "Die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern sind ausgezeichnet, wie die letzten bilateralen Regierungsverhandlungen im Dezember 2011 es gezeigt haben", heißt es aus der Berliner Vertretung.

Nichtsdestotrotz: Traurig ist man in Burkina Faso schon, dass nun schon der zweite Bundespräsident in Folge kurzfristig absagen musste. "Natürlich ruft ein verpasster Termin dieser Bedeutung Gefühle des Bedauerns bei der burkinischen Bevölkerung hervor", teilte die Botschaft mit. Gleichzeitig gibt man sich optimistisch - nach dem Motto: Aller guten Dinge sind drei. "Dennoch gibt das burkinische Volk die Hoffnung nicht auf und wartet immer noch", heißt es.

Aufgeschoben sei ja nicht aufgehoben: "Die Absage eines ersten Besuchs und dann eines zweiten wegen inneren politischen Schwierigkeiten bedeutet für Burkina Faso nicht, dass es keinen offiziellen Besuch mehr geben wird." Das könnte man auch als versteckte Aufforderung an den künftigen Bundespräsidenten Joachim Gauck verstehen.

Wenn Gauck ein Herz für Burkina Faso hat, sollte ihn jedenfalls einer seiner ersten Staatsbesuche nach Ouagadougou führen.

flo/lup