Rückzug als Bundestagskandidat Tauss wirft SPD Mobbing vor

Ein Gerücht, ein Dementi - am Ende doch der Rückzug: Der unter Kinderporno-Verdacht stehende SPD-Abgeordnete Tauss will nicht mehr für den Bundestag kandidieren. Seiner eigenen Partei wirft der Politiker Mobbing vor.


Stuttgart - Aus seinen Worten spricht Verbitterung über den fehlenden Rückhalt bei seinen Parteigenossen. Der SPD-Politiker Jörg Tauss, gegen den die Staatsanwaltschaft Karlsruhe wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt, hat seinen Rückzug als Bundestagskandidat verkündet - um mit der eigenen Partei abgerechnet.

SPD-Abgeordneter Tauss: "Regelrecht gemobbt"
REUTERS

SPD-Abgeordneter Tauss: "Regelrecht gemobbt"

"Ja, es stimmt, ich werde nicht mehr antreten", bestätigte Tauss "Bild.de" Gerüchte über seinen Rückzug. Er trete von seinem Listenplatz zurück, weil er von Teilen der SPD "regelrecht gemobbt werde". "Mit solchen Leuten im Rücken kann man keinen Bundestagswahlkampf führen", klagte der Politiker. Er monierte, für ihn hätte die Unschuldsvermutung offenbar nicht gegolten. Bereits vor Abschluss der Ermittlungen gegen ihn sei er vorverurteilt worden.

Eigentlich hatte am Abend die SPD-Basis in Tauss' Karlsruher Wahlkreis über sein Schicksal beratschlagen sollen. So war zumindest der Plan. Doch bereits am Nachmittag meldete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Parteikreise, Tauss ziehe seine Kandidatur für den Bundestag zurück. In der Folge herrschte zunächst Verwirrung darüber, ob Tauss tatsächlich die Entscheidung über einen Rückzug getroffen hat. Zunächst dementierte Tauss' Anwalt Jan Mönikes die Meldung vehement.

Tauss kämpft seit Wochen gegen die Vorwürfe. Er hatte den Besitz des Materials mit Recherchen im Zusammenhang mit seiner Abgeordnetentätigkeit begründet. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hält dies allerdings für unglaubwürdig. Ermittler hatten bei einem Mann aus der Kinderpornografie-Szene in Bremerhaven Handynummern gefunden, die dem Politiker zuzuordnen waren.

Nach Beginn der Ermittlungen hatte Tauss seine Ämter in der Bundestagsfraktion sowie als Generalsekretär der SPD Baden-Württemberg niedergelegt. An seinem Mandat und seiner Kandidatur bei der kommenden Bundestagswahl hatte er allerdings bisher festgehalten.

Tauss hat nach Informationen des SWR in einem Brief an die Stuttgarter Landtagsfraktion der SPD heftige Kritik an seinen Genossen geübt und deren Solidarität und Unterstützung eingefordert. Wenn der Fraktion daran gelegen sein sollte, dass die Debatte in ruhiges Fahrwasser gerate, sollten weitere kommentierende und wertende Äußerungen unterbleiben, schrieb er demnach.

In den vergangenen Tagen war der Druck auf ihn enorm gestiegen: SPD-Landeschefin Ute Vogt hatte ihn aufgefordert, in dieser Woche zu erklären, ob er auf die Kandidatur verzichtet. Auch die Bundestagsfraktion der SPD dringt auf einen Rückzug von Tauss, der seit 1994 im Bundestag sitzt und auf der SPD-Landesliste für die Wahl im September auf dem aussichtsreichen Platz sieben nominiert ist.

beb/dpa/AP

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.