Möglicher Amtsverzicht Merkel-Vertraute erwarten freiwilligen Rücktritt der Kanzlerin

Eine mögliche Wahlniederlage soll nicht über ihre Zukunft entscheiden: Angela Merkel ist nach SPIEGEL-Informationen entschlossen, als erste deutsche Regierungschefin seit 1949 eines Tages freiwillig aus dem Amt zu scheiden.
Bundeskanzlerin Merkel: Freiwilliger Abgang statt möglicher Wahlniederlage

Bundeskanzlerin Merkel: Freiwilliger Abgang statt möglicher Wahlniederlage

Foto: Stefan Sauer/ dpa

Berlin - Sie will entscheiden, auch über ihren eigenen Abgang: Nach Einschätzung mehrerer Kabinettsmitglieder und hochrangiger Unionspolitiker ist Bundeskanzlerin Angela Merkel entschlossen, als erste deutsche Regierungschefin seit 1949 freiwillig aus dem Amt zu scheiden und nicht auf eine Wahlniederlage oder eine parteiinterne Ablösung zu warten. Das berichtet der SPIEGEL unter Berufung auf Partei- und Regierungskreise. (Die ganze Geschichte lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.)

"Das reizt sie wirklich sehr", zitiert das Magazin stellvertretend ein Mitglied von Merkels Regierungsmannschaft. Für den Fall einer plötzlich anstehenden Nachfolgeregelung werden derzeit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die besten Aussichten eingeräumt. Dass Merkel ihr das Verteidigungsressort übertrug, wird als klarer Hinweis gewertet, von der Leyen durch die Gelegenheit zur außenpolitischen Bewährung kanzlerfähig zu machen.

Ob die Kanzlerin nach einem möglichen Ende ihrer Amtszeit ein internationales Amt anstrebt, gilt in Merkels Umfeld als offen. Als mögliche Posten werden der des Uno-Generalsekretärs und der des EU-Ratspräsidenten genannt. Beide sind Ende 2016/Anfang 2017 neu zu besetzen. Der langjährige CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok sagte dem SPIEGEL: "In Brüssel können sich sehr viele vorstellen, dass Angela Merkel einmal als Ratspräsidentin ihre Erfahrung und Tatkraft für Europa nutzbar macht. Sie würde auf breite Zustimmung stoßen."