Fall Skripal und Umgang mit Russland CDU-Vize Laschet zweifelt am Vorgehen des Westens

Im Fall Skripal bleibt der Westen bei seinen Vorwürfen gegenüber Russland. Kritik daran kommt nun überraschenderweise von CDU-Vize Laschet, der damit eine andere Position als die Kanzlerin einnimmt.
Armin Laschet, Angela Merkel

Armin Laschet, Angela Merkel

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Steckt die russische Regierung hinter dem Giftgasanschlag auf ihren früheren Agenten Sergej Skripal? Aus Sicht Großbritanniens und seiner Verbündeten ist die Sache klar - Moskau dagegen weist die Vorwürfe immer entschiedener zurück und verlangt inzwischen sogar eine Entschuldigung für die Schuldzuweisung und die harten Reaktionen des Westens: Rund 25 westliche Staaten - darunter Deutschland - und die Nato haben etwa 150 russische Diplomaten ausgewiesen.

Zweifel am Vorgehen des Westens äußert nun sogar ein prominenter CDU-Politiker: Der stellvertretende Parteichef und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, schrieb am Dienstagabend auf dem Kurznachrichtendienst Twitter:

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Hintergrund der Äußerungen sind die bisher fehlenden eindeutigen Beweise im Fall Skripal: Mehr als eine Kette von Indizien, die auf Russland hinweisen, ist bislang nicht bekannt. Ob es entsprechende Belege überhaupt gibt, ist ungewiss - mit Verweis auf die geheimdienstliche Qualität der Erkenntnisse und Quellenschutz verweigern Großbritannien und seine Verbündeten die Offenlegung ihrer Informationen.

Die Äußerungen von CDU-Mann Laschet sind deshalb bemerkenswert, weil er der erste namhafte Christdemokrat ist, der sich in der Debatte entsprechend einlässt. CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel hatte sich zu einem frühen Zeitpunkt die Schuldzuweisungen der britischen Premierministerin Theresa May zu eigen gemacht und eine entsprechende Erklärung gemeinsam mit den Regierungschefs der USA und Frankreich veröffentlicht.

Merkel und Außenminister Heiko Maas (SPD) beteiligten sich später auch an Solidaritätsadressen eines Teils der EU-Mitgliedstaaten. Als Reaktion auf den Fall Skripal hat Deutschland ebenfalls russische Diplomaten ausgewiesen.

Harsche Kritik am Vorgehen des Westens kam dagegen bislang nur von der Linkspartei und der AfD, vereinzelt gab es skeptische Stimmen aus der SPD, ähnlich äußerte sich auch FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki.

CDU-Vize Laschet wollte sich auf Nachfrage nicht weiter zu seinem Tweet äußern, sein Regierungssprecher erklärte, dieser "steht für sich".

Bundesregierung bleibt bei ihrer Haltung

Ein britisches Labor hatte am Dienstag mitgeteilt, dass Skripal mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden sei - weitere Spuren nach Russland konnten die Experten aber nicht nachweisen.

Die Bundesregierung bleibt dennoch bei ihrer Haltung, wie eine Sprecherin am Mittwoch erklärte. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts betonte, auch nach den jüngsten Aussagen der britischen Forscher gebe es keinen neuen Sachstand - die Erklärungen Londons für eine russische Verantwortung seien plausibel. In der Bundesregierung wird zudem darauf hingewiesen, dass die Haltung eng zwischen Kanzleramt und Außenministerium abgestimmt sei.

Bei einer Sondersitzung des Exekutivrats der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag, die Russland beantragt hatte, kam es am Mittwoch zu einem Schlagabtausch zwischen den Vertretern Londons und Moskaus. Großbritannien beharrte auf seiner Einschätzung, dass Russland für die Attacke verantwortlich sei, und bezeichnete den Vorschlag Moskaus zu gemeinsamen Ermittlungen als "pervers". Das sei ein Ablenkungsmanöver, um Fragen auszuweichen, twitterte die britische OPCW-Delegation. Die EU-Staaten wiesen Vorhaltungen Russlands gegen den Westen als "total unakzeptabel" zurück.

Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin noch die Hoffnung auf eine schnelle Lösung geäußert. "Ich hoffe, dass bei dieser Diskussion ein endgültiger Strich darunter gezogen wird", sagte Putin bei einem Besuch in der Türkei am Dienstag. "Wir sind an einer vollwertigen Aufklärung interessiert."

In Moskau warnte der russische Auslandsgeheimdienst SWR den Westen vor einer Rückkehr in den Kalten Krieg. "Aus Furcht vor Veränderungen ist der Westen bereit, um sich herum einen neuen Eisernen Vorhang zu errichten", sagte SWR-Chef Sergej Naryschkin. Er nannte die Vorwürfe Großbritanniens eine "groteske Provokation, grob fabriziert von den britischen und amerikanischen Geheimdiensten".

flo/dpa/Reuters
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