S.P.O.N. - Im Zweifel links Der Dieter Bohlen der Politik

Der Hoffnungsträger der Union, degradiert zur Witzfigur. Guttenberg beschmutzt den Konservatismus - und Angela Merkel, die einst als Reinigungskraft in der CDU angefangen hat, sieht zu.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Fragt der Praktikant im Verteidigungsministerium: Wo ist denn der Kopierer? Antwort: auf Truppenbesuch in Afghanistan. Ganz gleich, ob er im Amt bleibt oder nicht: Das wird nie mehr los. Der Mann, der eine zeitlang Hoffnungsträger der Politik war, hat sich als Hochstapler entpuppt und als Witzfigur. Ein Felix Krull des Kabinetts. Oder, vielleicht passender, ein Dieter Bohlen der Politik.

Denn falls dem Schummler das politische Überleben gelingt, wird er ganz und gar der Hausminister der "Bild"-Zeitung sein. So wie der Pop-Titan Bohlen ohne "Bild" nicht denkbar ist, wird dann auch der Polit-Olympier Guttenberg ohne "Bild" nicht mehr denkbar sein. Schon lässt das Boulevardblatt auf Seite eins über Guttenbergs Verbleib im Polit-Container abstimmen. Was für ein Schicksal für einen Politiker, der alles anders machen wollte.

Guttenberg hat seinen Doktor geopfert, um im Amt bleiben zu können. So wie er vorher den General Schneiderhan geopfert hatte oder den Kapitän Schatz. Der Evangelist Matthäus empfiehlt diese Strategie: "Ärgert dich dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf es von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde." Wahrhaftig: Bevor sein body politic in die Hölle der bayerischen Provinzpolitik zurückgeworfen wird, würde Guttenberg sich und andere in Stücke reißen. Hauptsache es bleibt in Berlin etwas Ministertaugliches von ihm übrig.

Aber ministertauglich ist er eben nicht. In Wahrheit ist Guttenberg eine instabile Größe im politischen Kosmos der Machtphysikerin Merkel: zu viel erratische Bewegung. Sie stützt ihn jetzt, vielleicht, weil sie sich wegen der Hamburg-Wahl dazu gezwungen sieht. Aber dieser Freiherr kann ihr noch richtig gefährlich werden. Mitgefangen, mitgehangen.

Trauriger Zustand des politischen Konservatismus im Land

Wie wird sie sich rechtzeitig losmachen, wenn er doch stürzen sollte? Und was denkt eigentlich der CDU-Stammwähler über den traurigen Zustand des politischen Konservatismus im Land? Erst hauen Roland Koch, Horst Köhler und Ole von Beust in den Sack, jetzt verpfändet Dr. Guttenberg Anstand und Ehre für sein politisches Überleben.

Die CDU hat lange gebraucht, um sich von dem moralischen Morast zu befreien, mit dem ihr Altvorsitzender Kohl sie besudelt hatte. Merkel hatte damals den Job als Reinigungskraft übernommen. Jetzt sieht sie der sittlichen Verunreinigung ihres Hauses tatenlos zu. Merkel, die "Bild"-Zeitung und Guttenberg selbst setzen darauf, dass die reine Substanz der Politik die Person sei. Alles andere - Doktor, Glaubwürdigkeit, Anstand - sind nur Akzidenzien. Es geht auch ohne.

Guttenberg ist ein Fall von Personalisierung in extremer Form. Er steht für die Fortsetzung der Lehren vergangener Wahlkämpfe: Mit Politik im ursprünglichen Sinne, mit Standpunkten, Ideen, Entwürfen, Hoffnungen und Visionen, kann der Politiker nur verlieren, nicht gewinnen. Stattdessen setzt Guttenberg ganz auf ein selbstgerechtes Volksempfinden. Da wächst ein Murren entlang der Bruchlinie zwischen "Wir hier" und "Ihr da", zwischen den Eliten in Politik und Medien und dem sich selbst genügenden Volkskörper.

Gemeinsam mit Hunderttausenden von Gefolgsleuten im Internet und mithilfe der Springer-Presse redet sich die Kanzlerin jetzt ein, dass Guttenbergs Unglaubwürdigkeit als Doktorand von seiner Glaubwürdigkeit als Politiker loszulösen sei. Das ist nicht plausibel. Und das spüren auch die glühendsten Guttenberger in Wahrheit selbst. Umso heftiger ihre Angriffe auf seine Kritiker. Da ist eine merkwürdig trotzige Haltung zu spüren, ein wütender Vorwurf: "Den lassen wir uns von euch nicht kaputtmachen."

Aber es sind keine bösen Mächte am Werk, wenn Guttenberg sich von Teilen der Medien und der Politik heftig kritisiert sieht. Es sind die einfachen Regeln des Anstands, die seinen Rücktritt fordern.