Saarland-Wahl Spitzenkandidatin Rehlinger offenbar ausschlaggebend für Wahlsieg der SPD

Erstmals seit 1994 sind die Sozialdemokraten wieder stärkste politische Kraft im Saarland. Ausschlaggebend dafür war Spitzenkandidatin Anke Rehlinger, berichtet die Forschungsgruppe Wahlen.
Wahlplakate im Saarland: Herausforderin Rehlinger bei der Wählerschaft beliebter als Tobias Hans

Wahlplakate im Saarland: Herausforderin Rehlinger bei der Wählerschaft beliebter als Tobias Hans

Foto: LUKAS BARTH / REUTERS

Die SPD im Saarland verdankt ihren Sieg bei der Landtagswahl  vor allem ihrer Spitzenkandidatin Anke Rehlinger. Zu diesem Ergebnis kommt die Forschungsgruppe Wahlen.

»Hier trifft eine sehr starke Herausforderin von der SPD auf einen wenig überzeugenden CDU-Ministerpräsidenten, dessen Partei bei Ansehen und Sachkompetenzen einbricht«, heißt es in einem Bericht zur Landtagswahl. »Dagegen überzeugt die Saar-SPD neben der Spitzenkandidatin mit Reputation und guter Arbeit, profitiert zusätzlich aber auch vom Absturz der Linken.«

Bei der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten hätten sich 57 Prozent der Wählerinnen und Wähler für Herausforderin Rehlinger ausgesprochen. Amtsinhaber Tobias Hans (CDU) lag demnach abgeschlagen bei 31 Prozent.

Trotz guter Noten für Kanzler Olaf Scholz, die Ampelkoalition im Bund und deren Handeln im Umgang mit dem Krieg in Osteuropa sei die Wahl »kein Gradmesser für den Bund«, heißt es in der Analyse weiter. Die Wahl behalte mit eigenen Themen und Personen, strukturellen Besonderheiten und spezifischen Parteistärken »im kleinräumigen Saarland ihren individuell-regionalen Charakter«.

Ungeachtet des Krieges in der Ukraine war der Forschungsgruppe Wahlen zufolge ähnlich wie 2017 für 65 Prozent der Wählerinnen und Wähler die Politik im Land wichtiger. Die Wählerschaft bewertete demnach die Arbeit der SPD mit 1,9 auf einer Skala von minus 5 bis plus 5 besser als die der CDU (1,1).

Die Union zeige sachpolitisch erhebliche Defizite, so der Befund: Bei den Themen Arbeitsmarkt und Jobs liege die SPD ungewöhnlich klar vor den Christdemokraten. Ebenso trauten die Wähler der SPD mehr Sachkompetenz bei den Themen Infrastruktur, soziale Gerechtigkeit, Wirtschaft, Bildung und Zukunft zu, die CDU führe lediglich beim Thema Corona.

Rekordverluste fuhr auch die Linke ein. Laut der Forschungsgruppe Wahlen liegt das an schlechten Noten für ihre Arbeit und der kaum noch vorhandenen Sachkompetenz, aber auch an der nun fehlenden Galionsfigur: Für 78 Prozent der Befragten war die Linke bei Wahlen im Saarland »nur wegen Oskar Lafontaine so stark«. Dieser trat nicht wieder an – und trat zudem kurz vor der Wahl aus der Partei aus.

Laut Forschungsgruppe Wahlen war die Wahl ein klares Votum für einen Führungswechsel vor Ort. Demnach fänden es 45 Prozent der Befragten gut, wenn die SPD im Saarland jetzt allein regieren würde. Hochrechnungen zufolge könnten die Sozialdemokraten tatsächlich die absolute Mehrheit im Landtag erhalten.

als/dpa
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