CDU-Sieg im Saarland Annegret!

Die Saar-CDU hat den euphorisierten Sozialdemokraten einen heftigen Dämpfer verpasst. Für den Sieg im Südwesten genügte den Konservativen ein Wahlkampfthema: die Ministerpräsidentin selbst.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und ihr Mann Helmut
DPA

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und ihr Mann Helmut

Aus Saarbrücken berichten und


Als der schwarze Balken in die Höhe schnellt, so weit wie es kaum jemand für möglich gehalten hätte, da bricht es aus den Konservativen heraus. Hunderte schmettern ihre Jubelschreie in die Luminanz, ein Veranstaltungssaal im Zentrum Saarbrückens. Ein Mann brüllt mit solcher Gewalt, dass man sich Sorgen um seinen Hals macht. Menschen fallen sich in die Arme, ein älterer Herr schüttelt immer wieder den Kopf: "Geil, geil, geil."

Pure Erleichterung.

Klar, da hatte sich auch etwas angestaut. Verrückte Wochen liegen hinter der Saar-CDU. Lange hatten sich die Christdemokraten auf einen langweiligen Wahlkampf eingestellt. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer war Liebling der Saarländer und die SPD Juniorpartner in einer funktionierenden Großen Koalition. Nichts deutete daraufhin, dass sich im Südwesten etwas ändern könnte.

Dann berauschten sich die Sozialdemokraten so sehr an ihrem neuen Kanzlerkandidaten Martin Schulz, dass auch an der Saar der Wechsel zum Greifen nahe schien. In Umfragen lag die SPD plötzlich nur noch knapp hinter der Union. Eine Koalition mit den Linken schien möglich, ein Bündnis mit der Partei von Polit-Altstar Oskar Lafontaine.

Fotostrecke

12  Bilder
Wahlabend im Saarland: Überraschend klar

Mit seiner Hilfe, so die Hoffnung mancher Linker, könnte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger die Union aus der Staatskanzlei verdrängen - zum ersten Mal seit 18 Jahren. Und sie könnte ein Zeichen setzen für Berlin zum Auftakt des Superwahljahres, für Schulz, gegen Angela Merkel. Angriff abgewehrt.

"SPD bekommt eins auf den Deckel"

Als sich die Ministerpräsidentin durch die Menge auf der CDU-Wahlparty drückt und herzt, jubelt das Parteivolk erneut: Ihr Triumphzug bis zur Bühne wird von "Annegret, Annegret"-Rufen begleitet.

"Heute haben wir drei Mal gewonnen: gegen die SPD, gegen Schulz und gegen Lafontaine", ruft Kramp-Karrenbauer ihren Leuten zu. Und noch ein Seitenhieb gegen die Konkurrenz: "Wo die SPD versucht, mit den Linken ins Bett zu gehen, da bekommt sie eins auf den Deckel."

Das ist natürlich auch eine Warnung mit Blick auf die Bundestagswahl im September, wo womöglich Rot-Rot-Grün Angela Merkel aus dem Amt befördern könnte. Dabei hatte sich die Saar-Union zuletzt mit Kräften bemüht, die Bundespolitik aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Selbst als es eng wurde, verzichtete sie weitgehend auf eine Rote-Socken-Kampagne. Die Pläne lagen zwar längst in der Schublade. Kramp-Karrenbauer selbst, so ist zu hören, soll sich gegen eine verschärfte Tonlage gewehrt haben.

Sachlich, ruhig, langweilig

Ihr Regierungsstil gilt als sachlich und ruhig, bisweilen sogar als langweilig - ein bisschen wie Angela Merkel, ihre Vertraute. Andererseits: Kramp-Karrenbauer hat anders als die Kanzlerin auch keine Probleme, sich unters Volk zu mischen - oder an Fastnacht die lustige Putzfrau zu spielen. Die Saarländer mögen sie. Ihre Zustimmungswerte lagen mitunter bei 75 Prozent.

Ihr Rezept blieb deshalb: Kramp-Karrenbauer. Der Wahlkampf der Union war voll und ganz auf sie zugeschnitten. AKK, Annegret Kramp-Karrenbauer, überall, auf allen Plakaten. Etwas anderes blieb der CDU auch nicht übrig. Potenzielle Koalitionsalternativen wie FDP oder Grüne sind im Saarland zu schwach.

Mit dem personalisierten Wahlkampf aber konnte die Union kurz vor der Wahl offensichtlich noch einmal kräftig mobilisieren, ähnlich wie bereits SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz. Bis zu fünf Prozentpunkte liegt die Union nun über den jüngsten Umfragewerten. Vor allem Nichtwähler konnte die CDU hinzugewinnen.

Seit fünf Jahren regieren Konservative und Sozialdemokraten an der Saar auffallend harmonisch - und können einige Erfolge vorweisen: Neue Millionenzahlungen vom Bund über den Länderfinanzausgleich etwa. Bereits Anfang der Woche sollen die Koalitionsgespräche beginnen.

Plötzlich still im Saal

Die Sozialdemokraten aber müssen sich zunächst einmal berappeln. Spitzenkandidatin Anke Rehlinger und ihre Parteifreunde hatten sich den Abend anders vorgestellt. Augenhöhe mit der CDU, vielleicht sogar stärkste Partei, das waren die Träume, die in den vergangenen Wochen in der Saar-SPD für Euphorie gesorgt hatten. Doch als um 18 Uhr die ersten Prognosezahlen auf den Leinwänden bei der Wahlparty in der Saarbrücker Congresshalle aufleuchten, war es plötzlich sehr still im Saal.

Einige Genossen stöhnen auf. "Das ist sicherlich nicht das, was wir alle erwartet haben", sagt Ulrich Commercon, der Bildungsminister des Landes. Er findet als Erster die Sprache wieder und betritt die mit roten Luftballons geschmückte Bühne. Immerhin, die Partei habe eine enorme Aufholjagd hingelegt, versucht Commercon seine Parteifreunde zu trösten.

Als Anke Rehlinger selbst bei der Wahlparty eintrifft, bekommt sie immerhin einen langen, freundlichen Applaus von der Basis. Einige Genossen trösten auch sie mit "Anke, Anke"-Rufen. Die 40-Jährige kommt ohne Umschweife zur Sache: "Wir hatten uns eigentlich vorgenommen zu feiern", ruft sie ihren Anhängern zu. "Das hat nicht geklappt." Der Amtsbonus von Kramp-Karrenbauer und die Frage, wer mit wem regiert, beides habe den Wahlkampf und die Themen der SPD in den vergangenen zwei Wochen vor der Wahl überlagert.

Rehlinger deutete an, dass sie sich die Fortsetzung ihrer Rolle als Juniorpartnerin und Wirtschaftsministerin im Kabinett Kramp-Karrenbauers gut vorstellen kann. Die SPD habe "gute Koalitionsarbeit geleistet", sagte sie, "wir sollten das fortsetzen."

insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
drarminherbert 26.03.2017
1. Ist doch einfach ganz klar!
Die Mehrheit der Saarländer - genau wie die Mehrheit der übrigen Deutschen - wollen weder die Nazis noch die SED-Nachfolgepartei in der Regierung. Da die SPD mit einer Volksfront-Regierung geliebäugelt hat, hat die CDU Zulauf erhalten. Viel mehr gibt es eigentlich zu diesem Wahlergebnis nicht zu sagen. Es ist natürlich richtig, wenn die SPD links ist, da gehört sie ja auch hin, aber wenn der Kanzlerkandidat Schulz sich nicht gegen Links(dr)außen abgrenzt, wird es mit der Kanzlerschaft nichts werden. Er sollte mit seinen Parteigenossen versuchen, ein überzeugendes Programm auf die Beine zu stellen, dann wird die SPD auch bei der nächsten Wahl die stärkste Partei und er Kanzler. Rot-rote Träume werden in Deutschland Träume bleiben.
eckbusch 26.03.2017
2. Chance zur Klarstellung
Freuen kann ich mich, dass die AfD relativ klein geblieben ist. Freuen kann ich mich nicht, dass die CDU so gut zugelegt hat. Aber freuen kann ich mich, dass eine Klarstellung erreicht ist: Es gibt eigentlich nur die Option GroKo. Oder eben auch nicht - wenn die SPD was in der Hose hätte, dann würde sie jetzt die Fortsetzung ausschließen. Dann hätte die CDU keinen Koallitionspartner, schlicht keiner da. Also: Minderheitsregierung oder: Planung mit der AfD. Die SPD könnte also mit vollem Einsatz, ohne Karriereinteressen einzelner, die CDU in die Ecke drängen mit Zwang zur Kursbekennung. Aber eine solche SPD bleibt wohl eine Illusion. Leider bundesweit.
geotie 26.03.2017
3.
Sie macht eine langweilige Regierungsarbeit? Na, wer Aufregung haben will, wo nicht nur gelabbert wird, der muss in die USA gehen. Ich mag es, wenn ein Motor ruhig läuft und keine Drängler.
Cochrane 27.03.2017
4. Annegret!
Was einige gerne übersehen, ist, daß die AfD den größten Zuwachs erhalten hat, von 0 auf 6 %, und das im Saarland, wo nicht unbedingt deren schlagkräftigste Truppe am Werke ist. Und man stelle sich mal vor, die AfD hätte nicht die 5% Hürde erklimmt. Ganz viele CDU-Aktivisten der "politischen Mitte" (in Berlin und Saarbrücken) werden heute nacht im stillen Kämmerlein (wo es Mutti nicht sieht) auf die AfD ein Fäßchen aufmachen. Ohne diese Neu-Partei wäre Rot-Rot jetzt am Ruder und Oskar, zuzüglich Seiner üppigen Pensionen, Minister in der saarländischen Regierung. Prost, wohl bekommts.
Ontologix II 27.03.2017
5. Falsche SPD-Taktik
Die SPD hätte nur tun müssen, was AKK tat: Sich klar von Merkels Flüchtlingspolitik zu distanzieren. Dann sähe das Ergebnis anders aus. Dazugewonnen haben die Merkel-Kritiker, verloren die Merkel-Befürworter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.