Datenanalyse zur Saarland-Wahl Wem die SPD die meisten Stimmen abjagte

CDU und Linke verloren bei der Landtagswahl im Saarland massiv Stimmen an die SPD – und ans Lager der Nichtwähler. Die Sozialdemokraten punkteten vor allem bei einer Altersgruppe.
Tobias Hans (CDU) und Anke Rehlinger (SPD) am Wahlabend

Tobias Hans (CDU) und Anke Rehlinger (SPD) am Wahlabend

Foto: Torsten Silz / dpa

Für Anke Rehlinger und die SPD im Saarland war es ein Traumabend: Die Sozialdemokraten und ihre Spitzenkandidatin haben dank massiver Stimmzuwächse die Landtagswahl klar gewonnen – und können laut dem vorläufigen amtlichen Ergebnis allein regieren.

Eine erste Analyse zur Wählerwanderung von Infratest dimap zeigt, wie der Erfolg der SPD zustande kam und welchen Parteien die Sozialdemokraten am meisten Wählerinnen und Wähler abjagten. Das Wahlforschungsinstitut berechnet sie auf Grundlage eigener Befragungen, des vorläufigen Endergebnisses sowie weiterer amtlicher Statistiken. Die Werte sind eine grobe Schätzung, wie viele Wählerinnen und Wähler eine Partei im Vergleich zur vorherigen Wahl halten konnte und wie viele zu und von anderen Parteien ab- oder zugewandert sind.

Die Auswertung zeigt, dass die SPD besonders viele Stimmen von Personen bekam, die bei der Wahl 2017 noch die CDU oder die Linke gewählt hatten. So gewannen die Sozialdemokraten im Saldo von der CDU 33.000 Stimmen hinzu, von der Linken 17.000. Selbst der AfD und den Grünen konnte die SPD Stimmen abjagen.

Die CDU von Noch-Ministerpräsident Tobias Hans verlor dagegen im Saldo an alle anderen Parteien Stimmen – abgesehen von der Linken. Zudem wanderten 19.000 Stimmen von der CDU ins Nichtwählerlager ab.

Die Linke gewann von gar keiner Partei Stimmen hinzu. Besonders bitter für die Partei: 12.000 Personen, die 2017 noch die Linke gewählt hatten, gingen dieses Mal nicht mehr zur Wahl.

SPD in der Altersklasse Ü60 besonders stark

Die Auswertung des Stimmverhaltens nach Altersgruppen zeigt, dass die SPD in jeder Altersklasse mit Abstand die stärkste Partei war. Allerdings stieg ihr Stimmenanteil mit zunehmendem Alter. Während bei den 18- bis 24-Jährigen nur rund jede dritte Stimme an die Sozialdemokraten ging, bekamen sie in der Altersgruppe ab 60 die Hälfte aller Stimmen.

SPD punktet bei Personen mit einfacher Bildung

Zudem zeigt die Analyse, dass die SPD bei Personen mit einfacher Bildung besonders punktete. Hier erreichte sie die absolute Mehrheit, bei Menschen mit hohem Bildungsgrad stimmten 37 Prozent für die Sozialdemokraten.

Bemerkenswert ist der Unterschied bei FDP und Grünen. Beide Parteien schaffen es kaum, Wählerinnen und Wähler mit einfacher Bildung anzusprechen – die Stimmen kamen deutlich häufiger von Personen mit hohem Bildungsgrad.

Keine größeren Unterschiede im Wahlverhalten der Geschlechter

Das Wahlverhalten von Frauen und Männern unterscheidet der Analyse zufolge sich im Saarland kaum. SPD und CDU liegen bei den Wählerinnen und Wählern ungefähr gleichauf, dasselbe gilt für die Grünen. Die AfD schneidet bei Männern etwas besser ab als bei Frauen. Dieses Muster war bereits bei anderen Landtagswahlen und der vergangenen Bundestagswahl zu beobachten.

Die Wahlbeteiligung war laut dem vorläufigen amtlichen Ergebnis dieses Jahr mit 61,4 Prozent deutlich niedriger als vor fünf Jahren. Damals lag sie bei 69,7 Prozent.

kuf/ulz
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