Lafontaine und die Saar-Wahl Schlacht. Geschlagen.

Er wollte es noch mal wissen, noch mal eine Partei an die Macht führen - doch im Saarland ist Oskar Lafontaine erneut gescheitert. Es war wohl sein letzter Wahlkampf für die Linken. Oder?

Lafontaine bei der Wahlparty in Saarbrücken
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Lafontaine bei der Wahlparty in Saarbrücken

Aus dem Saarland berichtet


Eine große Show sollte es werden. Oskar Lafontaine, der Königinmacher. Einst hatte er das linke Lager gespalten, jetzt wollte er es wieder zusammenführen. Eine rot-rote Koalition an der Saar, mit der Sozialdemokratin Anke Rehlinger als Ministerpräsidentin. Mithilfe der Linken, quasi von Lafontaines Gnaden.

Tatsächlich verschaffte der Hype um SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz der Saar-SPD in den Wochen vor der Landtagswahl kräftig Auftrieb - doch am Ende reichte es nicht. An diesem Sonntag zerplatzte Lafontaines Traum von Rot-Rot im Saarland. Die SPD deutlich geschlagen von der CDU, und mit ihr auch der Linke Lafontaine, der Altstar und Provokateur der deutschen Politik.

"Nicht mehr so ziehen wie früher"

Zwar ist klar: Die Linke liegt im Saarland wieder deutlich im zweistelligen Bereich - das ist besser als im Bund und um Längen stärker als im benachbarten Rheinland-Pfalz oder in Baden-Württemberg. Ganz offensichtlich hat die Partei das ihrem Fraktionschef zu verdanken. Lafontaine war Oberbürgermeister von Saarbrücken und 13 Jahre lang Ministerpräsident. "Unser Oskar" - das zählt im Südwesten noch etwas, über die Parteigrenzen hinweg.

Andererseits scheint dieser Effekt langsam, aber sicher zu verblassen. 2009, bei seiner ersten Landtagswahl als Linkenpolitiker, holte Lafontaine 21,3 Prozent. 2012 waren es noch 16,1 Prozent. Jetzt 12,9. Lafontaine selbst sagt: "Meine Persönlichkeit kann nicht mehr so ziehen wie früher."

Rot-Rot, die Koalition mit den Sozialdemokraten, hätte sein großes Versöhnungsprojekt werden können. 1999 hatte er im Streit mit dem Kanzler Gerhard Schröder sein Amt als Bundesfinanzminister hingeschmissen. Später brach er vollends mit der SPD, gründete Die Linke mit.

Seither gilt Lafontaine als mitverantwortlich für den Niedergang der SPD. Zuletzt hörte man hinter den Kulissen immer wieder, der Linken-Politiker habe deshalb die Sozialdemokraten diesmal so zahm angefasst, weil er diesen Makel in seiner Biografie korrigieren wolle.

Schon zweimal war der Versuch eines Linksbündnisses an der Saar gescheitert - einmal an den Grünen, einmal an Bundesjustizminister Heiko Maas, dem örtlichen SPD-Chef. Mit Rot-Rot in Saarbrücken hätte Lafontaine nun auch einer linken Regierung im Bund den Weg bereiten können. Und er hätte es allen noch einmal gezeigt. Doch diesmal lag es nicht am Willen der Beteiligten, sondern an den fehlenden Stimmen. Hätte, wäre, wenn.

Nach der Wahl läuft nun die Suche nach den Schuldigen. Die Umfragen deuten darauf hin, dass die CDU in den vergangenen Tagen auch so stark mobilisieren konnte, weil die Mehrheit eine linke Regierung verhindern wollte. Das würde bedeuten, dass Lafontaine trotz Saarland-Bonus Wähler der Mitte nach wie vor abschreckt.

Heiko Maas sagt: "Die Person Lafontaine polarisiert auch bis weit in das SPD-Lager hinein, und das hat uns sicher nicht geholfen." Lafontaine selbst sieht das anders, wie auch seine Parteifreunde in Berlin. Er wirft den Sozialdemokraten vor, nicht offen genug für eine rot-rote Koalition geworben zu haben.

"Zeichen von Altersrassismus"

Und jetzt, war das seine letzte Schlacht? Nach einigen Gremiensitzungen am Montag, heißt es, habe Lafontaine für einige Tage erst einmal keine Termine mehr. Doch wirklich Schluss? Nein, Schluss soll mit dieser Wahl nicht sein.

Und so bezeichnete der 73-Jährige am Montag die Journalistenfrage, ob er die kommenden fünf Jahre Fraktionschef an der Saar bleiben wolle, als Zeichen von "Altersrassismus". Er wisse zwar nicht, ob er in zwei, drei Jahren noch fit sei, sagte er. Aber "im Moment würde ich vielen von ihnen auf dem Fahrrad noch wegfahren". Was aber ist mit der Motivation? "Sie wissen, ich bin ein politisches Tier."

Aufhören scheint für Lafontaine gleichbedeutend mit Aufgeben zu sein. Will er nicht.

Nur dass er sich die Strapazen eines weiteren Wahlkampfes noch einmal antun würde, das halten dann doch die meisten für unwahrscheinlich. 2022, wenn wieder der saarländische Landtag gewählt wird, wäre Lafontaine 78 Jahre alt. Und ein Signal an die skeptischen SPD-Wähler wäre ein weiterer Anlauf sicher auch nicht gerade.

Doch wer würde schon ausschließen, dass ihn seine immer wieder von Querelen geplante Landespartei aus Furcht vor der Bedeutungslosigkeit am Ende abermals bekniet?

Lafontaine selbst sagte kürzlich der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", solange er zur Wahl stehe, "gibt es kein Problem mit der Fünfprozenthürde". Das ist weder bescheiden noch falsch.

Mitarbeit: Matthias Bartsch



insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
skater73 27.03.2017
1.
Dazu kann man nur ein Wort sagen: Hoffentlich.
ofelas 27.03.2017
2. ueber 30 Jahre verfolgt
und Oskar L. ist einer der wenigen Politiker die mit Verstand und ohne Ruecksicht auf den kurzfristigen Erfolg die Situationen beschreibt wie sie sind. Das der Buerger nicht emfaenglich ist fuer solche Aussagen, liegt auch an einiger seiner Parteigenossen/innen, und einfach Lernresistenz....Turkey voting for Christmas
Dumme Fragen 27.03.2017
3. Letzter Wahlkampf? Hoffentlich!
Oskar, geh bitte auf Rententeil. Schreib Bücher o.ä., aber besser: geh mit Sarah auf Weltreise! Bitte tue der Arbeiterklasse diesen Gefallen! Ich hab dich damals nach der Wende plakatiert. Und wir haben die Wahl verloren, weil wir ehrlich waren bezüglich der "blühenden Landschaften". Aber als du den Abgang gemacht hast - da hast du bei zu vielen Genossen bleibende Schäden verursacht. Wir könnten mit der Mehrheit links der Mitte schon viel weiter sein. Aber man hat den Eindruck, dass das nicht gewollt ist. Sowohl von den Seeheimern, als auch von führenden Linksparteilern. Wie lange sollen wir denn da noch warten!
wpeitze 27.03.2017
4. Da hat er hoffentlich letztmalig
der SPD vor's Schienbein getreten!
wecan 27.03.2017
5.
"Altersrassismus"? Naja, mir scheint, wenn jemandem aus dem linken Lager, irgendetwas - ganz gleich was auch immer es ist - nicht passt, dann muss es mindestens mal irgendwie Rassismus sein. Vermutlich ist der Verlust von Wählerstimmen für die Linken "Wahlrassismus".
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