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Karl-Theodor zu Guttenberg: Vom Shootingstar zum Ex-Minister

Foto: Tobias Kleinschmidt/ dpa

Sabbatical ab Sommer Guttenberg will Deutschland verlassen

Nach seinem tiefen Sturz wegen der Plagiatsaffäre wird Ex-Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg aktiv. Laut SPIEGEL-Informationen bereitet er einen mehrjährigen Auslandsaufenthalt vor, um seine Karriere zu überdenken - losgehen soll es schon diesen Sommer.

Nicht zu hören, nicht zu sehen: Seit seinem Rücktritt als Bundesverteidigungsminister am 1. März hat sich Karl-Theodor zu Guttenberg völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seine weiteren politischen Ämter gab er in Schriftform auf, nur seine Frau Stephanie trat bei der Präsentation eines neuen Buches über Kindesmissbrauch kurz öffentlich auf. Selbst als die Universität Bayreuth harsch mit ihm und den Plagiaten in seiner Doktorarbeit abrechnete, äußerte sich Guttenberg nicht.

Er hat allen Grund zur Vorsicht: In Deutschland läuft gegen die einstige große Politikhoffnung der CSU noch immer ein Ermittlungsverfahren wegen nicht gewerbsmäßiger Urheberrechtsverletzung aufgrund der vielen nicht gekennzeichneten Zitate in seiner Promotionsschrift.

Nun erfuhr der SPIEGEL, dass Guttenberg noch dieses Jahr mit seiner Familie dauerhaft ins Ausland ziehen möchte. Mindestens zwei Jahre solle diese Auszeit dauern, kündigte der Ex-Minister gegenüber mehreren Vertrauten an und schloss für die Zeit danach eine Rückkehr in die Politik nicht aus. In Gesprächen und E-Mails sprach Guttenberg von einem "Sabbatical" nach seinem Rückzug aus der Bundespolitik.

USA, London - Hauptsache weg

Bislang hat die Familie Guttenberg nicht entschieden, ob sie in die USA oder lieber nach London wechseln möchte. Doch schon zu Beginn des nächsten Schuljahres der beiden Guttenberg-Kinder soll der Ortswechsel vollzogen sein. Für einen Umzug nach Amerika spräche das dichte Kontaktnetz, das der CSU-Politiker dort in früheren Jahren geknüpft hat.

Regelmäßig nahm er an den Ehemaligen-Treffen transatlantischer Austauschorganisationen teil, als Minister hielt er vielbeachtete Vorträge in den Think-Tanks der Hauptstadt. Nach wie vor gilt er dort als ein deutscher Politiker, der ungewöhnlich stark um die deutsch-amerikanischen Beziehungen bemüht ist.

Außerdem hat eine Auszeit in den USA durchaus Tradition bei deutschen Politikern, die daheim in Schwierigkeiten geraten sind. Der aktuelle Grünen-Chef Cem Özdemir war 2003 bei einer Washingtoner Denkfabrik tätig, nachdem er durch die private Nutzung dienstlich erworbener Flugmeilen und die Kreditaufnahme bei einem umstrittenen PR-Berater in die Schlagzeilen geraten war.

Özdemir gelang ein Comeback. Gleiches könnte nun Guttenberg anstreben, der 2011 nach nur 16 Monaten als Bundesverteidigungsminister zurücktreten musste. Zuvor gab es kaum ein politisches Amt bis hin zur Kanzlerschaft, das ihm nicht zugetraut worden war.

Ganz lautlos will Guttenberg allerdings nicht gehen: Vor seinem Abschied aus Deutschland möchte er sich in einem größeren Interview noch einmal zur Affäre um seine Doktorarbeit äußern, berichten Vertraute.

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