Sachsen-Anhalt Schleudersitz im Wirtschaftsministerium


Magdeburg - Im Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt ist es offenbar nicht besonders gemütlich. Bereits fünf Ressortchefs saßen seit der Wende am Magdeburger Wilhelm-Höpfner-Ring 4 hinter dem Schreibtisch. Bis auf den kürzlich verstorbenen Ex-Treuhand Manager Klaus Schucht waren sie weder erfolgreich, noch hielten sie es sonderlich lange auf ihrem Posten aus. Zuletzt manövrierte sich Matthias Gabriel (SPD), dem von Beobachtern schon seit einiger Zeit Amtsmüdigkeit nachgesagt worden war, via SPIEGEL-Interview aus dem Kabinett.

Der frühere Halberstädter Oberbürgermeister hatte sich über den Teil seiner Landsleute mokiert, der "im Turnhemd an der Tankstelle herumhängt" oder seine "Kissen in die Fensterbank legt und zuschaut, wie andere ihre Autos einparken", statt zu arbeiten. Gleichzeitig forderte Gabriel beim Thema Ostförderung ein Ende der "Sondernummer Ost", spätestens bis 2002. Dem zu erwartenden Aufschrei in der sachsen-anhaltinischen Landespolitik begegnete der 47-Jährige nur mit einem Schulterzucken. Statt bei Ministerpräsident Reinhard Höppner Abbitte zu leisten, wiederholte er auch vor dem Landtag noch einmal seine umstrittenen Statements, was ihn für den Ministerpräsidenten untragbar machte. Der Rücktritt Gabriels war daher nur noch Formsache.

Die Nachfolge des selbsternannten Rebellen tritt nun mit Katrin Budde eine relativ junge SPD-Genossin an, die als getreue Vertraute von Ministerpräsident Reinhard Höppner gilt.

Christoph Seidler



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