SPON-Wahltrend für Sachsen, Thüringen und Brandenburg Regierungsbündnisse ohne Mehrheit, AfD um 20 Prozent

Im September und Oktober wird in drei ostdeutschen Ländern gewählt. Die SPON-Umfrage zeigt: Die amtierenden Regierungen wackeln - und die AfD könnte ihre Ergebnisse in Sachsen, Brandenburg und Thüringen verdoppeln.

Sächsischer Landtag
Sebastian Kahnert/ DPA

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Bildung, innere Sicherheit oder doch wieder Migration? Noch ist nicht klar, welches Thema die Wahlkämpfe dominieren wird, die meisten Parteien in Sachsen, Brandenburg und Thüringen haben noch nicht einmal ihre Programme für die Landtagswahlen im Herbst beschlossen. Schließlich, so zeigt die Erfahrung, setzen sich die Menschen erst in der heißen Phase intensiver mit der Landespolitik auseinander.

Einige Monate vor den Wahlterminen zeigt sich aber bereits ein erster Trend, der die amtierenden Landesregierungen in allen drei ostdeutschen Ländern beunruhigen dürfte: Denn die Kräfteverhältnisse in den Parlamenten könnten nach aktuellem Stand ziemlich durcheinandergewirbelt werden. Das geht aus einer SPON-Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey hervor.

So kommt derzeit keines der Bündnisse auf die erforderlichen Stimmen, um in der jeweiligen Konstellation weiterregieren zu können.

Sachsen: CDU drohen herbe Verluste, AfD könnte Ergebnis verdoppeln

In Sachsen wird am 1. September gewählt. Dort regiert Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit der SPD in einer Großen Koalition.

Die CDU erhielt bei der vergangenen Wahl 2014 noch starke 39,4 Prozent der Stimmen - heute wären es mit etwa 29 Prozent fast zehn Punkte weniger. Die SPD als bisheriger Koalitionspartner könnte derzeit ihr - schon damals schwaches - Ergebnis von vor fünf Jahren (12,4 Prozent) zumindest einigermaßen halten. Für die GroKo aber würde dies das Aus bedeuten, oder beide Parteien müssen sich nach einem dritten Partner umschauen. Oder aber die CDU spricht mit der rechtspopulistischen AfD über ein Bündnis. Kretschmer schließt das immer wieder aus, andere in der sächsischen Union sind da offener.

Im Vergleich zum Jahr 2014 könnten die kleineren Parteien allesamt deutlich zulegen: Die Grünen lagen damals bei 5,7 Prozent, die FDP bei 3,8. Größter Gewinner wäre die AfD, die ihr Ergebnis von 2014 (9,7 Prozent) aktuell mehr als verdoppeln und damit zur zweitstärksten Kraft aufsteigen würde.

Die Linke würde aktuell leicht verlieren (2014: 18,9 Prozent). Die rechtsextreme NPD, die damals nach zehn Jahren im Landtag knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, spielt keine Rolle mehr.

Brandenburg: Rot-Rot vor dem Aus, AfD vor CDU

Auch in Brandenburg wird am 1. September gewählt, nach aktuellem Stand ist die Zukunft der rot-roten Koalition um Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gefährdet. Die SPD verlöre mit 23 Prozent mehr als acht Prozentpunkte im Vergleich zu 2014 (31,9 Prozent). Auch die Linke müsste Verluste hinnehmen, vor fünf Jahren kam sie noch auf 18,6 Prozent.

Verlierer wäre auch die CDU als bisher größte Oppositionspartei. Sie käme nur noch auf knapp 20 Prozent (2014: 23 Prozent) - und läge hinter der AfD. Deutlich zulegen könnte nach aktuellem Stand:

  • die AfD mit 20,9 Prozent (2014: 12,2),
  • Grüne 9,2 (2014: 6,2),
  • FDP 4,4 (1,5 Prozent). Der Einzug in den Landtag wäre damit allerdings unsicher.

Thüringen: Ramelow wackelt, CDU trotz Verlusten stärkste Kraft

In Thüringen wird am 27. Oktober über ein neues Landesparlament abgestimmt. Auch dort würde es nach aktuellem Stand eng für das rot-rot-grüne Bündnis um Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Erhielt die Linke 2014 noch 28,2 Prozent, liegt die Partei nun bei etwa 24 Prozent. Im Trend verliert auch die ohnehin schwache SPD (2014: 12,4 Prozent) noch einmal leicht. Leichte Gewinne verbuchen auch hier die Grünen, die nun auf 7,3 Prozent kommen (2014: 5,7).

Größter Gewinner wäre, wie in den anderen Parlamenten auch, derzeit die AfD, die ihr Ergebnis nahezu verdoppeln könnte ( 2014: 10,6), genau wie die FDP (2,5), der dennoch ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde droht. Die CDU verlöre fünf Prozentpunkte im Vergleich zu 2014 (33,5 Prozent).

Lesen Sie hier mehr dazu, welche Themen für die Wahlen entscheidend sein könnten.

Anmerkungen zur Methodik: Die SPON-Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 19.3.-16.4.2019 online erhoben. Die Stichprobe umfasst jeweils mindestens 1300 Personen, der statistische Fehler liegt zwischen 2,8 und 4,8 Prozent.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
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Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
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In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.



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