»Inzidenz 4000« unter den Beamten Sachsens Polizei droht laut Gewerkschaft ein Corona-Kollaps

400 Beamte infiziert, 600 weitere in Quarantäne: Die Sächsische Polizeigewerkschaft warnt vor einem möglichen Aus vieler Reviere im Freistaat. Das Innenministerium widerspricht – will nun aber dennoch reagieren.
Junge Polizistinnen und Polizisten werden am 12. November in Dresden vereidigt

Junge Polizistinnen und Polizisten werden am 12. November in Dresden vereidigt

Foto: Daniel Schäfer / dpa

Bei der sächsischen Polizei häufen sich nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft die Coronafälle massiv. Immer mehr Kollegen erkranken und Dienststellen sind kräftemäßig an Limit, heißt es in einer Mitteilung  der Polizeigewerkschaft. Aktuell seien 400 Beamtinnen und Beamte mit dem Virus infiziert, mehr als 600 weitere stünden unter Quarantäne.

»Wenn man das umrechnet, sind wir bei einer Inzidenz von circa 4000«, behauptet die Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft Cathleen Martin gegenüber dem Sender RTL . Tatsächlich dürfte die Inzidenz niedriger liegen, da sie nur die Zahl der in den vergangenen sieben Tagen neu Infizieren umschließt – und nicht alle aktuell Betroffenen. Insgesamt sind bei der sächsischen Polizei 14.000 Personen beschäftigt.

»Die nächsten Wochen werden bei Sachsens Polizei richtig heikel«

»Die nächsten zwei bis fünf Wochen werden bei Sachsens Polizei richtig heikel«, sagt Martin. Sie wisse nicht, wie lange der Dienstbetrieb in den einzelnen Revieren aufrechterhalten werden könne.

80 Prozent der aktuell Infizierten seien Geimpfte – die Gewerkschaftssprecherin bemängelt, dass das Innenministerium nicht rechtzeitig Auffrischungsimpfungen besorgt habe. Demnach sei die polizeiinterne Impfkampagne im September beendet worden, Boosterimpfungen vor der nun grassierenden vierten Welle habe man nicht bedacht.

Innenministerium weist Vorwürfe zurück

Das sächsische Innenministerium weist die Vorwürfe gegenüber RTL zurück. Die Impfkampagne sei im September »aufgrund der zuletzt geringen Nachfrage bei den Bediensteten und den vielfältigen anderen Impfmöglichkeiten« eingestellt worden. Aktuell wird laut Ministerium eine neue Booster-Impfkampagne vorbereitet, die in der letzten Novemberwoche starten soll.

Auch die sächsische Polizei kann die Vorwürfe der Gewerkschaft auf SPIEGEL-Nachfrage nicht bestätigen. Zwar schlage sich aktuell das hohe Infektionsgeschehen in Sachsen auch in der sächsischen Polizei nieder, die Einsatzfähigkeit sei aber nicht gefährdet, heißt es von einem Sprecher via Twitter. Genaue Zahlen zum Krankenstand innerhalb der Belegschaft nennen weder Polizei noch Ministerium.

In Sachsen liegt die Inzidenz laut Robert Koch-Institut bei 862,1 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Es ist der höchste Wert aller Bundesländer. Von Montag an gelten vor allem für Ungeimpfte scharfe Regeln, um die vierte Welle zu brechen. Dazu gehören Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren in Hotspot-Landkreisen. Viele Freizeiteinrichtungen werden geschlossen, Lokale sind nur noch unter 2G-Regeln offen.

mrc
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