SPON-Wahltrend für Sachsen, Thüringen und Brandenburg Regierungen vor dem Aus, Grüne und AfD legen zu

Im Osten droht ein turbulenter Herbst. In drei Ländern wird gewählt, drei Regierungen stehen vor der Abwahl. Die SPON-Umfragen zeigen: SPD und CDU schwächeln, Grüne und AfD sind im Aufwind.

Wähler bei der einer Stimmabgabe in Dresden
Robert Michael/ DPA

Wähler bei der einer Stimmabgabe in Dresden

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Bei CDU und SPD geht seit der Europawahl die Angst um. Die massiven Stimmenverluste verunsichern Parteibasis und Führungsspitze gleichermaßen. Bei der SPD trat Andrea Nahles als Partei- und Fraktionschefin zurück. In der Union werden plötzlich Zweifel laut an Annegret Kramp-Karrenbauer: Wäre sie die richtige Kanzlerkandidatin?

Bald stehen die nächsten Wahlen an: In Sachsen, Brandenburg und Thüringen werden im Herbst neue Landesparlamente bestimmt. Und die SPIEGEL-ONLINE-Umfragen in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zeigen: Mit einer Trendwende können die kriselnden Volksparteien im Osten nicht rechnen. Gewinner wären vor allem die Grünen und die AfD. Alle drei amtierenden Landesregierungen müssen um ihr Fortbestehen fürchten.

Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke, Sachsens CDU-Regierungschef Michael Kretschmer: Die Regierungsbündnisse wackeln
Thierry Monasse/DPA

Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke, Sachsens CDU-Regierungschef Michael Kretschmer: Die Regierungsbündnisse wackeln

Sachsen: AfD legt deutlich zu, CDU bleibt vorn

In Sachsen wird am 1. September gewählt. Aktuell regiert dort Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gemeinsam mit der SPD. Dass die Koalition ihre Arbeit fortsetzen kann, ist unwahrscheinlich.

Im Vergleich zur Auswertung im April zeigen sich die größten Veränderungen bei der AfD. Sie erhält fast drei Prozentpunkte mehr und liegt nun bei 23,5 Prozent. Vor ihr steht nur noch die CDU, die in der Umfrage stabil bei 29 Prozent bleibt.

Im Trend verliert die SPD als kleiner Koalitionspartner weiterhin an Stimmen, kommt nun auf etwa zehn Prozent (Wert im April: 11,6 Prozent). Für die Koalition bedeutete dies das Aus. Die FDP, aktuell nicht im Landtag vertreten, könnte wieder scheitern - in der neuen Auswertung fallen die Liberalen von zuvor knapp sechs Prozent unter die Fünfprozenthürde. Die Grünen legen im Trend etwas zu, würden aktuell 10,6 Prozent erhalten (April: 9,9), Die Linke verliert etwas, liegt nun 16,6 Prozent. (17,4).

Brandenburg: Linke und Grüne stärker, SPD und CDU verlieren

In Brandenburg wird ebenfalls am 1. September gewählt, die Zukunft der rot-roten Koalition ist ungewiss, Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) könnte - Stand heute - wohl nur weiterregieren, wenn er die Grünen mit ins Boot holt.

Die Sozialdemokraten verlieren nämlich weiter an Zustimmung. Würde heute gewählt, erhielten sie 21,4 Prozent. Im April lagen sie noch bei 23 Prozent. Zwar könnte der linke Koalitionspartner fast drei Prozentpunkte auf 19,7 Prozent zulegen, doch für eine stabile Mehrheit der beiden reichte es nicht.

Weitere Auffälligkeiten:

  • Die CDU sackt kräftig ab, steht jetzt bei knapp über 16 Prozent (April: 19,9).
  • Die Grünen legen deutlich zu, kommen nun auf zwölf Prozent (9,2).
  • Die FDP bleibt unverändert bei etwa vier Prozent, der Einzug in den Landtag wäre damit unsicher.
  • Die AfD büßt im Trend leicht ein, die Rechtspopulisten liegen jetzt knapp unter 20 Prozent (20,9).

Thüringen: AfD überholt Ramelows Linke, Grüne im Aufwind

In Thüringen wird erst einige Wochen nach Sachsen und Brandenburg abgestimmt. Dort wählen die Bürger am 27. Oktober einen neuen Landtag.

Und auch hier muss die Landesregierung um ihre Zukunft zittern: Das rot-rot-grüne Bündnis um Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hätte derzeit keine Mehrheit.

SPD und Linke haben in den vergangenen Wochen weiter an Zustimmung verloren. Die SPD käme derzeit auf weniger als zehn Prozent (April: elf Prozent). Noch stärkere Verluste müsste Die Linke hinnehmen, die in der Umfrage mehr als drei Prozentpunkte einbüßt und nun bei knapp 21 Prozent liegt. Gewinner sind dagegen die Grünen: Sie stehen bei fast zehn Prozent (April: 7,3).

Zu den Verlierern gehört auch in Thüringen die CDU, sie wäre mit aktuell 26,5 Prozent aber stärkste Kraft (April: 28,6). Die AfD erhielte derzeit drei Prozentpunkte mehr als noch vor Wochen, läge bei 22,5 Prozent. Die FDP bliebe stabil bei etwa fünf Prozent, müsste aber um den Einzug in den Landtag bangen, in dem sie derzeit nicht vertreten ist.



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Anmerkungen zur Methodik: Die SPON-Umfrage wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 15.5. bis 12.6.2019 online erhoben. Die Stichprobe umfasst jeweils mindestens 2900 Personen, der statistische Fehler liegt zwischen 2,5 und 3,2 Prozent.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.



insgesamt 135 Beiträge
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blitzunddonner 13.06.2019
1. Abwarten.
Am Wahlabend wird abgerechnet. Nur ganz so eindeutig brutal wird es dann wohl doch nicht.
isi-dor 13.06.2019
2.
Eine Kenya-Koalition (schwarz-rot-grün) wäre in allen drei Ländern problemlos möglich. Folglich gibt es kein wirkliches Problem.
ruhepuls 13.06.2019
3. Und was wird dann draus?
Im Grund blieben also nur CDU und Grüne, CDU und AfD oder Rot-Rot-Grün als mögliche Koalitionen übrig, wobei die letzte Kombination - außer in Brandenburg - den "Volkswillen" eigentlich am wenigsten widerspiegeln würde, auch wenn sie rein rechnerisch reichen würde.
Kalokriti 13.06.2019
4. wie lange noch?
Ich frage mich bei diesen Ergebnissen immer wieder, wann es das erste Mal ein Koalition mit der AfD geben wird.
merlin 2 13.06.2019
5. Das erträgt eine Demokratie - solange die Grünen dabei sind!
Das erträgt eine Demokratie - solange die Grünen dabei sind! Aber der AfD-wählende Osten muß sich ernsthaft Fragen lassen, ob er noch alle Latten am Zaun hat. Wieso immer noch von "abgehängt" und "benachteiligt", von "durch die Treuhand verscherbelt" etc. gesprochen wird, erschließt sich mir nicht. Es sind Milliarden an Mitteln (hauptsächlich aus dem Westen) in den Aufbau, in die Renovierung und Restaurierung gesteckt worden und es sind viele Jahre vergangen, in denen strukturelle Probleme überhaupt keine Rolle mehr gespielt haben und das reicht vielen immer noch nicht? Vielleicht steht man selber mal auf und packt mit an und jammert sich nicht den Tag grau.
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