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22. November 2016, 16:24 Uhr

Umfrage

Drei von fünf Sachsen halten Deutschland für "überfremdet"

Fremdenfeindliche Einstellungen sind in Sachsen weit verbreitet, zeigt eine neue Umfrage. Knapp 40 Prozent lehnen die Einwanderung von Muslimen generell ab.

Rechte und rassistische Einstellungen sind einer Studie zufolge in großen Teilen der sächsischen Bevölkerung weit verbreitet. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts dimap hervor, die in Dresden vorgestellt wurde.

Eine Mehrheit von 58 Prozent meint demnach, dass Deutschland in einem gefährlichen Maß "überfremdet" sei. In ihrem persönlichen Lebensumfeld empfinden dies hingegen nur 17 Prozent der Sachsen so.

Besonders bedenklich sei das Ausmaß der Ressentiments gegenüber Muslimen, erklären die Studienautoren. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) sagen demnach, hier lebende Muslime akzeptierten die Werte in Deutschland nicht. 39 Prozent meinen sogar, dass Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte.

14 Prozent der Umfrageteilnehmer stimmten solchen mit Ressentiments behafteten Aussagen in besonders hohem Maß zu. Die Mehrheit teile allerdings keine harten fremdenfeindlichen Einstellungen, hieß es.

Auffallend ist demnach auch, dass die 18- bis 29-jährigen Sachsen offenbar unkritischer gegenüber dem Nationalsozialismus eingestellt sind und auch ein Engagement zum Schutz der Demokratie als weniger wichtig erachten. Zudem teilen sie in hohem Maße etliche Ressentiments. Gleichzeitig ist der Umfrage zufolge in dieser Altersgruppe aber auch die Ablehnung menschenfeindlicher Einstellungen "überproportional ausgeprägt".

"Gespaltenes Land"

Insgesamt wurden vom 8. August bis 4. September dieses Jahres im Auftrag der sächsischen Staatskanzlei mehr als tausend Bürger für den ersten "Sachsen-Monitor" befragt. Der dazu gebildete Beirat mit Vertretern des öffentlichen Lebens sprach von "alarmierenden" Ergebnissen. Sachsen habe "ein Problem mit extrem rechtem Denken und mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit", hieß es in einer Stellungnahme. Sachsen zeige sich als "gespaltenes Land".

Auffallend ist der Umfrage zufolge auch das insgesamt recht geringe Vertrauen in die Demokratie und deren Institutionen. Obwohl 83 Prozent die Demokratie generell für eine gute Regierungsform halten, vertraut nur eine Minderheit den Parteien, Regierungen und Parlamenten - mit Ausnahme der kommunalen Ebene.

Weniger als 20 Prozent trauen demnach EU-Institutionen, rund ein Drittel dem Bundestag und 43 Prozent dem Landtag. Die Unzufriedenheit mit der Demokratie geht oft einher mit der Ansicht, dass es in Deutschland eher ungerecht zugehe.

cte/AFP

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