Wahlen in Sachsen und Brandenburg Auch im Osten gibt es ein Ost-West-Gefälle

Je östlicher, desto blauer: Bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg punktet die AfD vor allem in den Osthälften der beiden Länder. Warum?

Der brandenburgische Landtag in Potsdam am Abend der Landtagswahl: Gespaltenes Land
Patrick Pleul/dpa

Der brandenburgische Landtag in Potsdam am Abend der Landtagswahl: Gespaltenes Land

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Die etablierten Parteien atmeten am Wahlabend auf. Der Worst Case war ausgeblieben: Die AfD ist weder in Sachsen noch in Brandenburg stärkste Kraft geworden. In Sachsen landeten die Rechtspopulisten hinter der CDU, in Brandenburg holte die SPD die meisten Stimmen.

Was in den Bundesländern insgesamt ausblieb, ist in etlichen Wahlkreisen bereits Realität: Die meisten Stimmen gingen an die AfD. In brandenburgischen Landkreisen wie Cottbus I und II oder Frankfurt (Oder) holte die Rechtspartei sowohl das Direktmandant als auch die meisten Zweitstimmen; gleiches gilt für sächsische Wahlkreise wie Görlitz III und Bautzen IV.

Ein Blick auf die Wahlkarten der beiden Länder zeigt: Auch innerhalb der Bundesländer gibt es ein Ost-West-Gefälle. Es gilt: je östlicher, desto blauer. Die AfD erzielte in den Osthälften Brandenburgs und Sachsens besonders gute Ergebnisse. Wie erklärt sich das?

Die ausschlaggebenden Themen: Infrastruktur und Sicherheit

Der Politikwissenschaftler Hendrik Träger von der Universität Leipzig hält vor allem zwei Themen für ausschlaggebend: Die östlichen Landkreise seien in beiden Bundesländern infrastrukturell und wirtschaftlich im Durchschnitt schlechter gestellt. Zudem spiele an den Grenzen zu Tschechien und Polen das Thema Grenzkriminalität eine größere Rolle als etwa in Leipzig oder in Potsdam, sagt Träger dem SPIEGEL.

"Dabei ist nicht unbedingt notwendig, dass die Kriminalität in den jeweiligen Regionen tatsächlich größer ist als in den Großstädten", sagt Träger. "Es geht um die subjektive oder gefühlte Sicherheit." Gerade in Sachsen habe die AfD mit den Themen Polizei, Innere Sicherheit und Grenzen Wahlkampf gemacht.

Bei den Themen Infrastruktur und Wirtschaft spielte vor allem die Diskussion um die Braunkohleförderung in der Lausitz in beiden Landtagswahlkämpfen eine Rolle. Die AfD schnitt in Braunkohlerevieren besonders gut ab. Die Rechtspopulisten wollen als einzige der größeren Parteien langfristig an der Braunkohle als Energieträger festhalten.

Auch andere Infrastrukturfragen - etwa zum öffentlichen Nahverkehr oder der medizinischen Versorgung - sehen Wähler laut Träger je nach Wahlkreis unterschiedlich: In Bautzen, Görlitz und anderen östlich gelegenen Regionen fühlten sich mehr Menschen auf sich allein gestellt als etwa in Leipzig oder Chemnitz beziehungsweise in Potsdam oder Brandenburg an der Havel. In den Westhälften der beiden Länder sei zudem die Anbindung an die alten Bundesländer besser. So sei jemand, der im Westen Brandenburgs wohne, schnell in Hamburg, Wolfsburg oder Hannover.

Wahlkreiskarte zur Landtagswahl: Schwarz-blaues Sachsen
SPIEGEL ONLINE

Wahlkreiskarte zur Landtagswahl: Schwarz-blaues Sachsen

(Eine interaktive Wahlkreiskarte zur Landtagswahl in Sachsen finden Sie hier.)

"Auch mit der Infrastruktur hat die AfD in Sachsen Wahlkampf gemacht", sagt Träger. "Sie hat den Wählern gesagt: Die CDU hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht hinreichend darum gekümmert."



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