Landtagswahl CDU in Sachsen stärkste Partei - die Ergebnisse im Einzelnen

Bei der Landtagswahl in Sachsen hat die CDU deutliche Verluste hinnehmen müssen. Sie bleibt aber mit rund 32 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Jetzt könnte es auf eine Koalition von Union, SPD und Grünen hinauslaufen.

Gabriel Kuchta/ Getty Images

Die CDU in Sachsen hat bei der Landtagswahl 32,1 Prozent der Stimmen erhalten und bleibt damit trotz großer Verluste stärkste Kraft. Die AfD gewann massiv hinzu und kommt auf 27,5 Prozent, die Linken erreichen 10,54 die Grünen 8,6 Prozent. Die SPD stürzt auf historisch schlechte 7,7 Prozent ab, die FDP verpasste den Einzug in den Landtag mit 4,5 Prozent.

In dem Bundesland regiert derzeit eine schwarz-rote Koalition unter Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). "Wir haben hart gearbeitet in den letzten 20 Monaten dafür", sagte Kretschmer im Interview mit der ARD. Das Ergebnis sei ein "klares Signal". Es sei möglich, eine Regierung mit "positiven Kräften" zu bilden. Auf Nachfrage sagte er, es gebe "nicht einen einzigen" in der sächsischen CDU, der sich eine Koalition mit der AfD vorstellen könne.

Im Landtag kommt die CDU auf 46 Sitze, die bislang mit ihr regierende SPD erreicht nur noch 10 Mandate. Die AfD als zweitstärkste Partei erreichte eigentlich 37 Mandate. Im Vorfeld war allerdings gerichtlich verfügt worden, dass über die Landeswahlliste nur 30 Abgeordnete einziehen dürfen. Die Linke kam auf 14 Sitze, die Grünen auf elf bis Mandate.

Sachsens AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban sprach im ZDF von einem "historischen Tag" und bezeichnete seine Partei als "Wahlsieger" des Abends. "Unsere junge Partei hat die CDU-Hochburg Sachsen gehörig ins Wanken gebracht", sagte Urban. Die AfD sei zudem "dialogbereit", denn die Sachsen wollten eine "bürgerliche Regierung", sagte der sächsische Parteichef zu einer möglichen Regierungsbeteiligung.

Gleichzeitig kündigte er an, eine Neuwahl anzustreben, sollte seine Partei mehr Sitze erreicht haben, als sie Kandidaten aufstellen durfte. "Wir haben ja schon vor der Wahl gesagt, wir werden in jedem Fall den Rechtsweg gehen, was die Listenstreichung betrifft", sagte er. Das gelte unabhängig von der Frage, "ob wir alle Plätze besetzt bekommen oder nicht".

SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig zeigte sich trotz des einstelligen Ergebnisses zuversichtlich: "Wir haben zwar das schlechteste Wahlergebnis, sind aber der coolste Landesverband", sagte er. "Ja, man darf traurig sein, ja man darf sich ärgern." Die SPD habe aber Hoffnung gegeben, "dass es gut wird in diesem Land. Diesen Auftrag nehmen wir auch an."

Linken-Chefin Katja Kipping hat das magere Abschneiden ihrer Partei als herbe Niederlage bezeichnet. "Solche Zahlen schmerzen", räumte die Parteichefin am Sonntagabend in der ARD ein. Viele Wähler hätten wegen der Stärke der AfD mit Blick auf die Linken allerdings gesagt: "Inhaltlich bin ich zwar bei Euch, aber diesmal muss ich taktisch wählen."

Rechnerisch möglich wäre in jedem Fall eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD. "Nun geht es darum, eine Regierung zu bilden, die gut für unser Land ist", sagte Kretschmer in Dresden. Die Gespräche und Koalitionsverhandlungen dazu brauchten etwas Zeit. "Wir gehen mit Demut an die Arbeit", so Kretschmer.

Landtagswahl Sachsen 2019

Endgültiges Ergebnis

Listenstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CDU
32,1
-7,3
Die Linke
10,4
-8,5
SPD
7,7
-4,7
AfD
27,5
+17,7
Grüne
8,6
+2,9
FDP
4,5
+0,7
Freie Wähler
3,4
+1,8
Sitzverteilung
Insgesamt: 119
Mehrheit: 60 Sitze
14
10
12
45
38
Quelle: Landeswahlleiter

Die Wahlbeteiligung in Sachsen war vor allem in den großen Städten hoch und lag bei 65 Prozent. Das ist ein Plus von 15,9 Prozent im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl. Die CDU konnte laut ARD-Prognose 123.000 Nichtwähler aktivieren. 84.000 Wähler, die bei der vergangenen Wahl für die CDU abgestimmt hatten, entschieden sich an diesem Sonntag für die AfD.

Am Sonntag ist auch in Brandenburg ein neuer Landtag gewählt worden.

vks/dpa

insgesamt 149 Beiträge
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Seite 1
Marion Müller 01.09.2019
1.
Leider haben einige Parteien die Klatschen immer noch nicht verstanden. Es sind keine "Wutbürger" mehr, sondern eher VERZWEIFELTE Bürger, denen die Politik der "ach so volksparteien" nicht mehr passt. Die Zeiten haben sich geändert---die Parteien nicht. Die denken doch immer noch, dass man mit dem Kurbeltelefon überall Verbindungen hnibekommt, und das WWW nur ne Modeerscheinung ist, der man nicht hinterher rennen braucht.
Allein-Unter-Welpen 01.09.2019
2. Also muss die AfD mind. 8 Direktmandate die nicht auf der Liste sind
bekommen, sonst muesste es Unterhangsmandate geben - sprich: das Parlament kleiner werden damit die Zweitstimme prozentual korrekt abgebildet werden kann. Das wird noch interessant...
marcus.geissler 01.09.2019
3. Gerade noch stärkste Kraft,
aber die Seilschaften und Verfilzungen der CDU in Sachsen werden immer mehr zurückgedrängt und verlieren zunehmend an Bedeutung, da bei solchen verlustreichen Wahlergebnissen immer weniger Nutzen in der Umwerbung der CDU liegt. Meinen Glückwunsch an die AFD, ein überwältigendes Ergebniss das einem zeigt das die AFD bemüht ist Politik für sachsens Bürger zu machen und das wird belohnt. Weiter so der Erfolg giebt euch Recht.
thomasb1312 01.09.2019
4.
Ich finde es super dass die so hoch gehypten Grünen deutlich schlechter abgeschnitten haben als in den Umfragen. Die Sachsen fallen halt nicht auf die Klima-Hysterie rein weil sie keinen Verbots-Staat wieder wollen in dem sie groß geworden sind.
binibona 01.09.2019
5. @Marion
Üben Sie ein Ehrenamt aus oder sind Sie in einer Partei aktiv? Sind Sie in einer Bürgerinitiative tätig oder unterstutzen Sie eine wohltätige Gemeinschaft mit Ihren persönlichen Einsatz? Wenn Sie alles verneinen können dann bitte Ruhe. Ansonsten konkreter werden was besser gemacht werden soll.
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