Vor Erdogan-Besuch Sächsischer SEK-Beamter trägt sich als "Uwe Böhnhardt" in Dienstliste ein

Für einen Einsatz beim Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Erdogan sollten sich SEK-Mitarbeiter für eine Zugangsliste registrieren. Einer nutzte den Namen eines NSU-Terroristen.
Spezialeinsatzkräfte (SEK) der sächsischen Polizei (Symbolbild)

Spezialeinsatzkräfte (SEK) der sächsischen Polizei (Symbolbild)

Foto: Arno Burgi/ picture alliance / Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Für den sächsischen LKA-Präsidenten Petric Kleine ist das Verhalten an "Dummheit kaum zu überbieten": Ein Beamter des Landeskriminalamts Sachsen (LKA) hat sich bei einem Diensteinsatz mit dem Namen des NSU-Mitglieds Uwe Böhnhardt in eine Liste eingetragen.

Gegen ihn und einen weiteren Polizisten des Spezialeinsatzkommandos wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Inwiefern der zweite Beamte involviert war, ist noch unklar. Beide sollen aus dem Dienst entfernt werden, teilte das LKA in Dresden mit. Ihnen wurde ab sofort die Ausübung der Dienstgeschäfte untersagt.

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Die beiden SEK-Beamten waren anlässlich des Staatsbesuchs des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Berlin im Einsatz. Einer trug sich mit dem Namen "Uwe Böhnhardt" in eine Liste ein, auf deren Grundlage ein Zutritts- und Berechtigungsdokument ausgestellt werden sollte. Die Dienststelle meldete den Vorfall.

Der aus Thüringen stammende Rechtsextremist war Mitglied des selbst ernannten "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), der für eine Mordserie mit überwiegend ausländischen Opfern verantwortlich gemacht wird (mehr dazu lesen Sie hier).

"Vollständig inakzeptabel"

Die Beamten wurden laut LKA aus dem Einsatz abgezogen und befragt. Ihnen wurde daraufhin die weitere Ausübung der Dienstgeschäfte untersagt.

LKA-Präsident Petric Kleine nannte das Verhalten der SEK-Beamten "vollständig inakzeptabel und im höchsten Maße verantwortungslos." Der Vorfall sei geeignet, die Arbeit und das Ansehen des LKA und der gesamten sächsischen Polizei "nachhaltig zu schädigen". "Das ist nicht hinnehmbar", erklärte Kleine, der sich ausdrücklich bei den Betroffenen entschuldigte. Bekannt wurde der Fall dem LKA demnach am Donnerstagnachmittag.

mho/dpa
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