"Unteilbar"-Demo Linken-Politiker Liebich wirft Wagenknecht Grenzüberschreitung vor

Sahra Wagenknecht distanziert sich von einer Demo für eine offene Gesellschaft - und wird dafür von AfD-Chef Gauland gelobt. In der eigenen Partei sieht man ihre Äußerungen deutlich skeptischer.
Stefan Liebich

Stefan Liebich

Foto: imago/ photothek

Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht gerät wegen ihrer Aussagen über die für Samstag angemeldete Großdemonstration "Unteilbar" parteiintern in die Kritik. "Ich finde ihre Positionierung nicht richtig, und wir werden das auf Dauer nicht akzeptieren", sagte der außenpolitische Sprecher der Linken, Stefan Liebich, der "taz". Er warf Wagenknecht vor, sie habe "eine Grenze überschritten".

Der Linken-Parteivorstand hat ebenso wie die Grünen, die Berliner SPD sowie ein breites Bündnis von Verbänden, Gewerkschaften und Kirchenvertretern zur Teilnahme an der Kundgebung in der Berliner Innenstadt aufgerufen. Der Co-Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, kündigte seine Teilnahme an.

Wagenknecht hatte ihre Haltung auf einer Veranstaltung damit begründet, dass auf der Kundgebung "in der Tendenz" zu offenen Grenzen aufgerufen werde, was "weltfremd" sei. Die von ihr initiierte Sammlungsbewegung "Aufstehen" unterstütze die Großdemonstration formal nicht, sagte Wagenknecht.

Im Aufruf des "Unteilbar"-Bündnisses zur Demo, zu der mehr als zehntausend Menschen erwartet werden, ist allerdings von offenen Grenzen nicht die Rede. "Wir treten für eine offene und solidarische Gesellschaft ein, in der Menschenrechte unteilbar, in der vielfältige und selbstbestimmte Lebensentwürfe selbstverständlich sind", heißt es dort.

Auch die Linken-Fraktion insgesamt hatte bereits am 10. September zur Großdemonstration aufgerufen. Die Fraktion könne nicht akzeptieren, dass "die Fraktionsvorsitzende eine andere Politik in einem wichtigen Punkt vertritt", sagte daher Liebich. Es müsse klar sein, "auf welcher Seite wir als Linke stehen".

Lob für Wagenknecht gab es hingegen von AfD-Chef Alexander Gauland: Dieser bezeichnete die Fraktionschefin der Linken wegen ihrer Äußerungen als "mutige Stimme der Vernunft".

asa/AFP