Sahra Wagenknecht Indiskretes vom Gatten aus Irland

Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hat viele politische Gegner - und einen schreibwütigen Ehemann. Im Internet fabuliert er über das Leben mit seiner "Stalinistin" und gibt Dialoge über Marx, Mauer und Militärangriffe wieder.
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Sahra Wagenknecht: "Kommunismus geht durch den Magen"

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Hamburg/Berlin - Sahra Wagenknecht beflügelt seit Jahren die Phantasie der politischen Kommentatoren. "Madonna des Neokommunismus" wurde die Politikerin der Linken genannt, oder "stalinistisches Teufelchen". Für Ralph-Thomas Niemeyer ist sie einfach seine "überallesgeliebte Frau", die er in seinem Blog gern auch mal mit "üagF" abkürzt.

Im Internet plaudert Niemeyer ausführlich über die üagF. Seit 1997 sind die beiden verheiratet. Niemeyer, der Journalist, Unternehmer und 40 Jahre alt ist, lebt in Irland. Von dort beobachtet er das politische Leben der Gattin, die Bundestagsabgeordnete ist und Parteivize der Linken werden soll - Talkshows mit ihr schaut er vorzugsweise in einem irischen Pub.

Vermutlich dichterisch überzeichnet hat Niemeyer lange Dialoge für die Nachwelt in seinem Blog festgehalten. Kein Reizthema bleibt ausgespart: weder Mauerbau, Wall Street, noch die "Partei der Schlaraffen", wie er die PDS nennt. Im Gegensatz zu Wagenknecht, die sich in Interviews lieber zu Politikals zu Privatleben äußert, gibt Niemeyer so manches Indiskrete aus Irland preis.

Am liebsten provoziere er die Gattin mit Fragen zur Mauer, etwa so: "Die Mauer war ja wohl wirklich ein Armutszeugnis." Worauf sie kontere: "Die Mauer war ein notwendiges Übel", sie sei "aus Gründen des Kalten Krieges gebaut und mit Wissen und gewissem Wohlwollen der Amerikaner" errichtet worden. Er: "Schatz, vergiss nicht wer den Kalten Krieg gewonnen hat." Sie: "Den Kalten Krieg habt nicht ihr gewonnen, sondern eure Konzerne, deren Geheimdienste und die Deutsche Bank."

Nachdenken unter Roter Fahne und Ulbricht-Porträt

Von Marxbüsten über gierige Bonzen und chinesische Glückskekse: Unter der Rubrik "Kommunismus geht durch den Magen" finden sich zahlreiche Einträge zu Wagenknecht, die allesamt vom 5. Juli 2009 stammen. Niemeyer selbst hat sich stets als "liberal" eingestuft. Am liebsten sei ihm aber, wenn sie zur Aufmunterung "etwas Politisches" sage, gesteht er. Der Westen Deutschlands hieße bei ihr "westdeutschebundesrepublik", sie geruhe unter DDR-Fahne, Roter Fahne und einem Porträt von Walter Ulbricht zu denken.

Als die beiden heirateten - die Kommunistin und der Kapitalanlageberater - ging ein verzückt-empörter Aufschrei durch die Boulevardblätter. Gemeinsame Fotos der beiden in der Öffentlichkeit sucht man zwar vergeblich. Dafür hat Niemeyer in seinem Blog einen wahren Fundus an Spitznamen. Neben üagF nennt er Sahra Wagenknecht seine "Stalinistin", "exklusive Privatkommunistin" - und zärtlich "Sahranka".

kgp
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