Streit über Coronaimpfungen Linken-Vorstandsmitglied legt Wagenknecht Eintritt in AfD nahe

In der Linken brodelt der Streit über Sahra Wagenknechts ablehnende Haltung zum Impfen. Vorstandsmitglied Maximilian Becker rät ihr, der AfD beizutreten. Parteivize Martina Renner unterstützt den Vorschlag »voll und ganz«.
Foto: Jürgen Heinrich / imago images/Jürgen Heinrich

Das Linken-Vorstandsmitglied Maximilian Becker legt der früheren Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht nahe, die Linke zu verlassen und der AfD beizutreten. »Also ich finde, wenn eine Person haargenau die gleichen Positionen wie die AfD vertritt, sollte sie sich der Partei auch anschließen und der Linken den Rücken kehren. Es reicht!«, schrieb Becker auf Twitter.

Darunter sind Äußerungen von Wagenknecht und eines AfD-Politikers zu sehen. Beide sprechen mit Blick auf die hohen Corona-Infektionszahlen von einer »Pandemie der Geimpften«.

Auf Nachfrage sagte Becker dem SPIEGEL, er würde der Interpretation seines Tweets nicht widersprechen, dass er Wagenknecht auffordere die eigene Partei zu verlassen und in die AfD einzutreten.

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Unterstützung für Beckers Tweet kommt von der stellvertretenden Parteivorsitzenden Martina Renner. Sie stimme Becker »voll und ganz« zu, schrieb Renner als Reaktion auf dessen Post. Es gehe um »Ignoranz von Fakten«.

Widerspruch kommt von dem ehemaligen Parteivorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Klaus Ernst: »Sahra Wagenknecht hat nie von einer Pandemie der Geimpften gesprochen. Es ist unerhört, dass ihr erst ein falsches Zitat untergejubelt wird, um damit die Forderung zu begründen, sie möge in eine rechtspopulistische Partei eintreten«, sagte er dem SPIEGEL. »Ich erwarte von den Parteivorsitzenden, dass sie diesen unterirdischen Umgang mit unserer populärsten Politikerin unterbinden.«

Es brauche dringend eine sachliche Debatte in der Pandemie statt einer weiteren »Polarisierung, die am Ende weder der Impfquote noch dem demokratischen Diskurs nutzt«, so Ernst.

Schon nach ihrem Auftritt in der ARD-Talkshow »Anne Will«, in der sich Wagenknecht skeptisch über die Coronaimpfungen äußerte, gab es scharfe Kritik aus der Partei. (Lesen Sie hier  mehr über Wagenknecht und wie sie zur Heldin der Ungeimpften wurde.)

Die innenpolitische Sprecherin der sachsen-anhaltischen Linksfraktion, Henriette Quade, schrieb etwa auf Twitter, Wagenknecht handle nicht nach Beschlusslage der Partei. »Ihre Schwurbelei gefährdet Menschen, sie braucht keine Podien, sondern Widerspruch«, so Quade. Er »schäme« sich, dass Wagenknecht »so einen Unsinn im Namen meiner Partei« vertrete, hieß es vom Linkenpolitiker Niema Movassat.

Die Linke befindet sich seit Jahren mit Wagenknecht im Streit. Ein Teil der Partei gibt ihr eine Mitschuld an der Niederlage bei der Bundestagswahl, weil sie nur wenige Monate vor dem Wahltermin ein Buch veröffentlichte, das erwartbar einen heftigen Streit in der Partei auslöste.

Die Linke schaffte mit 4,9 Prozent nur dank drei gewonnener Direktmandate den Wiedereinzug ins Parlament.

til
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