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Steigende Mitgliederzahlen Linkspartei meldet Hunderte Parteieintritte nach Abgang von Wagenknecht

Noch vor einem Jahr sorgte eine Russlandrede von Sahra Wagenknecht für den größten Massenaustritt in der Geschichte der Linken. Nun soll ihre Abspaltung Ähnliches bewirkt haben – aber in umgekehrter Richtung.
Parteichefin Janine Wissler: Zuwachs durch Abgang

Parteichefin Janine Wissler: Zuwachs durch Abgang

Foto: Thomas Lohnes / Getty Images

Seit Jahren stagnieren die Mitgliederzahlen der Linkspartei, zuletzt setzten vor allem die Streitereien mit der einstigen Parteiikone Sahra Wagenknecht der Partei zu. Von gut 59.000 Mitgliedern 2015 schrumpfte die Partei zuletzt auf 54.000 Genossinnen und Genossen im Jahr 2022. Nun sorgt nach Parteiangaben ausgerechnet Wagenknecht für neuen Zuwachs – durch ihren Abgang .

Demnach hätten seit der Abspaltung des »Bündnisses Sahra Wagenknecht« binnen einer Woche online 422 Menschen ihren Eintritt in die Partei erklärt. Das gab Bundesgeschäftsführer Tobias Bank am Morgen in Berlin bekannt. Dem gegenüber stünden 224 Austritte, einschließlich der zehn Bundestagsabgeordneten um die frühere Fraktionschefin Sahra Wagenknecht.

Zuletzt hatte Wagenknecht vor gut einem Jahr noch für einen gegenteiligen Effekt gesorgt: Nach ihrer umstrittenen Rede im Bundestag über den russischen Angriff auf die Ukraine waren mindestens 809 Mitglieder binnen einer Woche ausgetreten. Laut Parteispitze stellte das den größten Massenaustritt in der Parteigeschichte dar. Ob einige der Ausgestiegenen nun wiederkehrten, war zunächst nicht bekannt.

Wagenknecht hatte vor einer Woche angekündigt, Anfang 2024 eine eigene Partei zu gründen. Dem Abgang war eine lange innerparteiliche Fehde vorausgegangen, mit Wagenknecht verlassen neun weitere Abgeordnete die Linksfraktion.

Bank sagte, an der Parteibasis höre er seither am häufigsten das Wort »endlich«. Er erlebe »ein ganz großes Aufatmen«. Das »Bündnis Sahra Wagenknecht« sei inhaltlich »ein Kessel Buntes« und müsse nun erst mal liefern. »Wir warten erst mal ab, ob da was kommt und wenn ja, was da kommt«, sagte Bank.

Der Austritt der zehn Abgeordneten aus der Partei bedroht allerdings den Fortbestand der Bundestagsfraktion, die derzeit 38 Mitglieder hat. Sind es weniger als 37 Abgeordnete, könnten sie nur noch als Gruppe zusammenarbeiten. Das bedeutet, sie bekämen weniger staatliche Unterstützung als jetzt, sodass Mitarbeiter entlassen werden müssten. Wagenknecht und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter wollen deshalb bis zur Parteigründung in der Fraktion bleiben. Ob es so kommt, soll sich bei einer Fraktionssitzung am 7. November entscheiden.

Bank sagte, die Linke wolle die Absplitterung »so schnell wie möglich auch über die Bühne kriegen«, habe aber auch große Verantwortung gegenüber der Politik im Bundestag und gegenüber den Beschäftigten der Fraktion. »Wir werden eine gute Lösung finden, aber sie wird nicht länger als notwendig andauern«, sagte Bank.

mrc/dpa