Linken-Fraktion Hier kommt Wagenknartsch

Sie mögen sich nicht besonders, doch der Parteivorstand hat sie nun offiziell nominiert: Linksaußen Sahra Wagenknecht und Realo Dietmar Bartsch sollen als Doppelspitze in der Fraktion Gregor Gysi ersetzen. Geht das gut?

Eine Doppelspitze für die Linke: Bartsch und Wagenknecht
DPA

Eine Doppelspitze für die Linke: Bartsch und Wagenknecht


Es ist beschlossen: Eine Doppelspitze aus Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch soll die Fraktion der Linken nach dem Rückzug von Gregor Gysi führen. Der Parteivorstand hat das Duo nun offiziell nominiert.

Die Personalien sind damit der Fraktion vorgeschlagen, die 64 Abgeordneten müssen noch wählen. Doch es gilt als sicher, dass eine Mehrheit für das Duo stimmt.

Gysi hatte auf dem Parteitag vor gut einer Woche verkündet, dass er im Oktober nicht erneut als Fraktionschef antreten werde. Für die Partei ist es ein Einschnitt, denn Gysi war seit Anfang der Neunzigerjahre mit kurzen Unterbrechungen Partei- oder Fraktionsvorsitzender von PDS und später der Linken. Können die beiden sehr unterschiedlichen Politiker das Erbe ausfüllen?

Das Modell Bartsch/Wagenknecht galt bereits seit Langem als Nachfolgeregelung im Falle eines Gysi-Rücktritts. Das Duo soll einen Ausgleich schaffen zwischen dem pragmatischen Reformerflügel, den Bartsch vertritt, und der linksradikalen Strömung um Wagenknecht. Zusammen stellen die beiden Flügel eine Mehrheit in der Fraktion.

Die Frage ist, ob Bartsch und Wagenknecht gut zusammenarbeiten können.

Auf Twitter kursierten schon Vorschläge für einen Spitznamen für das Duo, Bartknecht etwa oder Wagenknartsch. Was auch ein bisschen nach dem Knatsch klingt, den Beobachter in der Zusammenarbeit erwarten. Die "Süddeutsche" urteilte kürzlich: "Die beiden harmonieren so gut wie Tom und Jerry."

Im März hatte Wagenknecht frustriert mitgeteilt, sie wolle nicht mehr Fraktionschefin werden. Nach Gysis Rückzugsankündigung konnte sie aber schnell umgestimmt werden, unter Mithilfe von Bartsch.

Zuletzt waren die beiden Gysis erste Stellvertreter und konnten schon einmal Fraktionsmanagement und die Zusammenarbeit proben. Da sie sich selbst und ihre jeweiligen Flügel auf das Modell einstellen konnten, starten sie nicht bei null.

Dennoch dürfte der Ausgleich in der traditionell streitfreudigen Fraktion schwierig werden. Etwa bei der diskutierten Annäherung an SPD und Grüne: Bartsch tritt für ein rot-rot-grünes Bündnis ein, Wagenknecht ist für eine klare Abgrenzung. Parallel zur Verkündung der Personalie veröffentlichte sie am Mittag eine Pressemitteilung mit dem Titel: "Führende Sozialdemokraten verzocken die Zukunft Europas".

Dass mit der 45-Jährigen allerdings eine ohnehin unwahrscheinliche rot-rot-grüne Option ausgeschlossen wäre, wie Beobachter meinen, muss nicht zwangsläufig so sein.

Auch auf der persönlichen Ebene ist das Duo nicht ohne Herausforderung: Bartsch hatte sich auf dem Höhepunkt des parteiinternen Streits 2012 mit Oskar Lafontaine überworfen. Der ist mittlerweile mit Sahra Wagenknecht verheiratet.

fab



insgesamt 103 Beiträge
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JaWeb 15.06.2015
1. Wagenknecht
Frau Wagenknecht in verantwortlicher Position in erster Reihe und nicht mehr nur als Talkshowdiskutantin mit eingeschränkter Haftung? Man darf gespannt sein, ob sie sich bewegen kann oder obs die Linkspartei zerreißt.
stinkfisch1000 15.06.2015
2. Bartknecht Wagenknartsch
gefällt mir beides. Wenigstens ein wenig Heiterkeit in der tristen Erkenntnis, dass diese Salonsozialisten dieses Land wohl auch keinen Millimeter voranbringen werden - ganz im Gegenteil! Wenigstens hat sich damit Rotrotgrün erledigt, das ist doch schon mal tröstlich.
nesmo 15.06.2015
3. Das nennt man wohl Drama
Unausweichlich in die Katastrophe, man kann es kommen sehen, aber keiner kann oder will es verhindern. Es ist völlig klar, dass es mit den beiden nicht klappt, die Machtverhältnisse in der Partei lassen aber keine andere Lösung zu. So zerlegt man sich selbst. Die beiden wissen es, doch jeder glaubt den anderen auszustechen und aus dem Drama als Sieger hervorzugehen. Doch Dramen haben keine Sieger, vielleicht sollte man das den beiden noch rechtzeitig sagen.
spon-facebook-10000531708 15.06.2015
4. Sarah Wagenknecht und Dietmar Bartsch
Sie sind nun nicht unbedingt das Liebespaaerchen eines Maechten. Die Sarah ist mit einem anderen LINKS-Politiker verheiratet und die beiden verstehen sich offenbar sehr gut. Ich denke mir, dass sie und Dietmar Bartsch sich gut ergaenzen. Sie ist eine blendende Rednerin und Finanzspezialistin und er hat im organisatorischem Bereich seien Staerken, wo sie nicht so stark sein soll. Also: warum soll das nicht funktionieren? Die SPD wird sich noch weiter von der Linken entfernen, so dass es auch die SPD nicht schafft, die beiden zu entzweien!
garfield 15.06.2015
5.
---Zitat von sysop--- Auf Twitter kursierten schon Vorschläge für einen Spitznamen für das Duo, Bartknecht etwa oder Wagenknartsch. ---Zitatende--- Schade, kann sich SpOn diesmal nicht die Trophäe der Urheberschaft ans Jackett heften? Na macht nichts, der Stammtisch jubelt trotzdem. ---Zitat von sysop--- Die "Süddeutsche" urteilte kürzlich: "Die beiden harmonieren so gut wie Tom und Jerry." ---Zitatende--- Gar nicht so falsch. Wenn's drauf ankommt und Dritte die Eintracht torpedieren, stehen die beiden auch immer zusammen wie Pech und Schwefel. Ich sag das nur, um allzu große Hoffnungen zu dämpfen. Sonst ist die Enttäuschung, wenn die 500ste Spaltung wieder mal ausbleibt, hinterher um so größer. ---Zitat von sysop--- Nach Gysis Rückzugsankündigung konnte sie aber schnell umgestimmt werden, unter anderem von Bartsch. ---Zitatende--- Dann hätte also Bartsch, nach der Logik der Systemmedien, die da immer einen Gegensatz konstruieren wollen, also seine "Gegnerin" selber bevorzugt. Sehr sportlich, der Mann. ---Zitat von sysop--- Bartsch tritt für ein rot-rot-grünes Bündnis ein, Wagenknecht ist für eine klare Abgrenzung. Dass mit ihr eine ohnehin unwahrscheinliche rot-rot-grüne Option allerdings ausgeschlossen wäre, muss allerdings nicht so sein. ---Zitatende--- Eben: ohnehin unwahrscheinlich! Nicht mehr und nicht weniger besagt die "Abgrenzung" - die übrigens BEIDE teilen. Wer glaubt, dass Bartsch bei den aktuellen Positionen von sPD und "Grünen" Rot-Rot-Grün ernsthaft in Erwägung zieht, glaubt auch an den Weihnachtsmann.
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