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Streit um Bundestagskandidatur Erste Linkenvorstände fordern Wagenknecht-Rückzug

Aus Verärgerung über Wagenknechts Buch stellen Spitzenpolitiker der Partei nach SPIEGEL-Informationen jetzt ihre Kandidatur für den Bundestag infrage. Bundesgeschäftsführer Schindler übt ebenfalls deutliche Kritik.
aus DER SPIEGEL 15/2021
Linken-Politikerin Wagenknecht

Linken-Politikerin Wagenknecht

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Britta Pedersen/ dpa

Parteivorstandsmitglieder der Linken fordern von der früheren Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht, auf eine Kandidatur für den nächsten Bundestag zu verzichten. Hintergrund sind die kürzlich verbreiteten Auszüge aus Wagenknechts neuem Buch.

Die 51-Jährige kandidiert am Samstag auf einem digitalen Parteitag für Platz 1 der nordrhein-westfälischen Landesliste.

»Während wir daran arbeiten, Antirassismus und Ökologie auch als soziale Fragen in Bündnissen und mit Gewerkschaften zur Geltung zu bringen, verunglimpft Sahra Bewegungen wie Unteilbar, Black Lives Matter oder Fridays for Future als ›selbstgerecht‹. Querdenken hingegen verteidigt sie«, sagte Vorstandmitglied Johannes König aus Bayern dem SPIEGEL. Wenn man so konträr zur eigenen Partei agiere, »sollte man keine Spitzenkandidatin eines großen Landesverbands sein«.

Vorstand Maximilian Becker aus Sachsen beklagt, dass Wagenknecht »offensichtlich nicht mehr die Grundwerte« der Partei vertrete: Sich für die Linke wählen zu lassen und ein Buch zu veröffentlichen, in dem mit der Partei abgerechnet werde, sei »perfide«.

Deutliche Kritik übt auch der Bundesgeschäftsführer der Linken, Jörg Schindler, an Wagenknechts Buch: »Wir hätten uns gefreut, wenn in dem Buch eine Abrechnung mit den tatsächlich Selbstgerechten in unserer Gesellschaft erfolgt wäre: Das sind die Superreichen, die Maskenprovisionsempfänger, diejenigen, die in der Krise dicke Profite und Dividenden erhalten«, so Schindler zum SPIEGEL. »Wir halten es dagegen nicht für zielführend, Menschen, die sich gemeinsam mit uns für eine bessere Gesellschaft einsetzen, Vorwürfe zu machen und sie so vor den Kopf zu stoßen.«

Wagenknechts Buch sei »eine Kriegserklärung an Hunderttausende junge Menschen, die uns wählen und sich für Klimaschutz und Antirassismus einsetzen«, sagt der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat, der ebenfalls im Parteivorstand ist. »Wagenknecht verachtet offenkundig einen Teil unser Wählerschaft und gefährdet damit das Wahlergebnis der Partei. Mir ist es unbegreiflich, wie so jemand Spitzenkandidatin in NRW werden kann«, so Movassat.

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Ähnlich äußerte sich Maja Tegeler aus Bremen: »Die Thesen von Sahra Wagenknecht zur Identitätspolitik gehen von falschen Voraussetzungen aus und bedienen letztlich eine Täter-Opfer-Umkehr, die man ansonsten nur von Rechten kennt.«

Wagenknecht verteidigt sich gegen Kritik

Schon in den sozialen Netzwerken gab es erhebliche Kritik an den verbreiteten Thesen in Wagenknechts Buch. Wagenknecht weist die Vorbehalte hingegen zurück. In einer Antwort auf die Frage eines Linken-Mitglieds in Nordrhein-Westfalen ging sie auf die Kritik ein .

Aus: DER SPIEGEL 15/2021

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»Mein Buch ist ein Plädoyer für eine starke Linke und eine Analyse der Ursachen, weshalb die meisten linken und sozialdemokratischen Parteien in Europa in den zurückliegenden Jahren den Rückhalt bei ihrer einstigen Wählerschaft verloren haben«, schreibt Wagenknecht.

Es sei das gute Recht jedes Mitglieds, gegen ihre Kandidatur zu sein. »Dem Anspruch eines solidarischen Umgangs untereinander entspricht es allerdings nicht, wenn versucht wird, diesem Ziel durch Unwahrheiten und Unterstellungen zum Erfolg zu verhelfen.«

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