Umstrittene Koran-Verteilung Salafisten bedrohen kritische Journalisten

"Wir wissen, wo du wohnst" - mit diesen Worten hat eine Salafistengruppe via YouTube Journalisten in Deutschland bedroht. Diese hatten über die Kampagne "Lies!" berichtet, bei der 25 Millionen Koran-Exemplare an Nichtmuslime verteilt werden sollen. Hinter der Aktion stecken Islamisten aus NRW.
Koran-Verteilung der Kampagne "Lies!": 300.000 Exemplare unters Volk gebracht

Koran-Verteilung der Kampagne "Lies!": 300.000 Exemplare unters Volk gebracht

Foto: dapd

Hamburg - Sie verteilen den Koran und hetzen gegen Journalisten, die kritisch darüber berichten. In einem vierminütigen YouTube-Video, das eine salafistische Gruppe ins Internet stellte, sind Reporter der "Frankfurter Rundschau" und des "Tagesspiegels" bedroht worden. Inzwischen wurde das Video von der Internetplattform genommen.

"Wir besitzen eine Menge an Daten von dir, zum Beispiel wissen wir, wo du wohnst, wir kennen deinen (Fußball-)Verein, wir besitzen deine Mobilfunknummer", sagt nach Angaben der "Welt" eine Computerstimme in dem Kurzfilm. Dazu sollen private Fotos und Informationen der Autoren gezeigt worden sein. Die Macher des Films drohten mit der Offenlegung weiterer Namen vor Journalisten, die kritisch über die Salafistengruppe berichteten.

Die Aktion steht offenbar in Zusammenhang mit der Kampagne "Lies!", bei der deutsche Salafisten 25 Millionen Koran-Übersetzungen kostenlos verteilen wollen. Der Name der Aktion - "Lies!"- geht auf das erste Wort zurück, das Erzengel Gabriel nach islamischer Überlieferung an Prophet Mohammed gerichtet haben soll.

Nach Informationen der "Welt" hat der Macher des Videos eng mit dem Organisator der Verteilaktion, dem Kölner Ibrahim Abou-Nagie, zusammengearbeitet. Nordrhein-Westfalen gilt als Hochburg der salafistischen Bewegung in Deutschland, die einen Staat nach dem Vorbild der islamischen Urgemeinde unter Prophet Mohammed anstrebt. In dem Bundesland leben etwa 500 Salafisten, vor allem in Mönchengladbach und Solingen.

FDP sieht Koran-Verteilung gelassen

In vielen deutschen Städten, vor allem in Niedersachsen und Hessen, haben die Salafisten in den vergangenen Monaten schätzungsweise 300.000 Korane unters Volk gebracht. Sie wollen damit Nichtmuslime vom Übertritt zum Islam überzeugen. Doch nun will die Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel die Auslieferung der Bücher nach Angaben der "Welt" stoppen.

Die Parteien debattieren lebhaft über die Verteilaktion der Salafisten. Die FDP sieht kaum Chancen für ein Verbot: "Solange bei der konkreten Verteilung in Fußgängerzonen oder anderswo keine Gesetze verletzt werden, ist ein Verbot mit dem Rechtsstaat nicht vereinbar", sagte die innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Verfassung schütze das Werben für den eigenen Glauben, solange dieser nicht das Grundgesetz ablehne.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) warnte vor einer Werbung für die salafistische Ideologie durch die Koran-Verteilung. Diese biete einen Nährboden für islamistischen Terrorismus.

Der Religionssoziologe Rauf Ceylan riet dagegen zu größerer Gelassenheit. Die Salafisten wollten mit ihrer PR-Kampagne nur Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

syd/dpa/dapd
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