Niedersachsen Brandanschlag auf Wohnung von Asylbewerbern

Im niedersächsischen Salzhemmendorf haben Unbekannte einen Molotowcocktail in die Wohnung von Asylbewerbern geworfen. Die dort lebende Mutter und ihre drei Kinder blieben unverletzt, weil sie sich im Nebenzimmer aufhielten.
Polizisten in Salzhemmendorf: Anschlag mit Molotowcocktail

Polizisten in Salzhemmendorf: Anschlag mit Molotowcocktail

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

In dieser Nacht hat in Deutschland erneut eine Asylunterkunft gebrannt. Doch diesmal traf es kein Heim, das erst noch bezogen werden sollte, sondern eine Wohnung in der eine Frau mit drei Kindern lebt.

Unbekannte warfen in Salzhemmendorf bei Hameln in Niedersachsen einen Molotowcocktail durch ein Fenster in die Wohnung im Erdgeschoss. Die Feuerwehr wurde gegen 2 Uhr alarmiert. Die Einsatzkräfte gingen mit schwerem Atemschutz in das zweistöckige Gebäude und evakuierten die Hausbewohner.

Die Mutter und ihre Kinder, die aus Simbabwe stammen, hielten sich zum Zeitpunkt des Anschlags in einem Nebenzimmer auf. Sie wurden vom Rettungsdienst versorgt, blieben aber körperlich unverletzt. Sie werden psychologisch betreut und kommen nun in eine Ersatzunterkunft.

"Wir gehen von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus", sagte ein Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE. Die Ermittler suchen nun nach einem flüchtigen Fahrzeug, das am Tatort gesehen wurde. Die Ermittler vernahmen am Morgen Zeugen zu dem Anschlag.

Bei dem angegriffenen Gebäude handelt es sich um eine ehemalige Schule, in der ausschließlich Asylbewerber leben. Mehr als 30 Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern sind dort untergebracht.

Der Bürgermeister der 9.400 Einwohner großen Gemeinde im Weserbergland, Clemens Pommerening (parteilos), reagierte in einer ersten Stellungnahme schockiert. Er könne sich den Vorfall überhaupt nicht erklären, sagte er laut NDR . In Salzhemmendorf habe es bisher eine Welle der Hilfsbereitschaft gegeben und ihm sei auch nichts über Rechtsradikale im Ort bekannt.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wird am späten Vormittag in Salzhemmendorf erwartet. Die Polizei hat für 12 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt.

Landrat Tjark Bartels (SPD) rief zu einer Demonstration um 17 Uhr gegen Fremdenfeindlichkeit auf.

syd/heb/dpa