Merz zum Mordfall Lübcke "Wo Umgangsformen verrohen, geschehen politische Anschläge"

Friedrich Merz sieht eigenen Angaben zufolge in dem Mord an Walter Lübcke eine "fatale Entwicklung für unser Land". Das sagte der CDU-Politiker bei "Sandra Maischberger" - und teilte gegen Kanzlerin und AfD aus.

Friedrich Merz: "In einer Demokratie gibt es für jeden und für alles eine Alternative"
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Friedrich Merz: "In einer Demokratie gibt es für jeden und für alles eine Alternative"


Der CDU-Politiker Friedrich Merz hat den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke als "fatale Entwicklung für unser Land" bezeichnet. "Wir haben es mit einer fatalen Verrohung der politischen Sprache und der Umgangsformen zu tun. Und dort wo Sprache verroht, verrohen Umgangsformen. Und dort wo Umgangsformen verrohen, geschehen politische Anschläge", sagt Merz in der ARD-Sendung "maischberger.die woche".

Zugleich kritisierte er Kanzlerin Angela Merkel (CDU): "Diese AfD gäbe es auch vom Namen her gar nicht, wenn nicht dieses Wort 'alternativlos' in die deutsche Politik eingeführt worden wäre." Den Begriff möge er nicht, erklärte Merz, denn "in einer Demokratie gibt es für jeden und für alles eine Alternative".

Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni mit einer Schussverletzung am Kopf auf der Terrasse seines Wohnhauses im hessischen Wolfhagen-Istha entdeckt worden und wenig später gestorben. Am Wochenende wurde der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan E. in Untersuchungshaft genommen. Die ermittelnde Bundesanwaltschaft stuft den Mord als politisches Attentat mit rechtsextremem Hintergrund ein.

Video: Innenminister Seehofer zum Fall Lübcke

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Am Mittwoch hatte der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber Rechtspopulisten von AfD und vom rechten Rand der CDU eine Mitschuld an der Ermordung Lübckes gegeben. Die AfD im Bundestag und in den Länderparlamenten habe "mit der Entgrenzung der Sprache den Weg bereitet für die Entgrenzung der Gewalt", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Welt".

Indirekt verantwortlich für den Mord sieht Tauber unter anderen die AfD-Politiker Alice Weidel und Björn Höcke, aber auch das frühere CDU-Mitglied Erika Steinbach sowie das CDU-Mitglied Max Otte.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte am Mittwoch mit Blick auf den Mordfall Lübcke Respekt und Schutz für Kommunalpolitiker in Deutschland. Sie seien diejenigen, "die die Kärrnerarbeit unserer Demokratie leisten", sagte er beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund. "Sie verdienen nicht nur unser Vertrauen, sie verdienen Respekt, und sie verdienen vor allem Schutz vor jeder Form von Herabwürdigung, Hetze und roher Gewalt."

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aar/dpa/AFP

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