Besuch bei Baader Sartre wollte RAF vom Morden abbringen

Vernichtende Kritik erntete der Philosoph Jean-Paul Sartre für seinen Besuch bei RAF-Häftling Andreas Baader 1974. Doch ein bislang geheimes Protokoll zeigt nach SPIEGEL-Informationen: Sartre sah die "Rote Armee Fraktion" viel kritischer als damals wahrgenommen.
Jean-Paul Sartre nach seinem Besuch bei Baader 1974: Heftig kritisierter Auftritt

Jean-Paul Sartre nach seinem Besuch bei Baader 1974: Heftig kritisierter Auftritt

Foto: Anonymous/ ASSOCIATED PRESS

Das bislang geheim gehaltene Protokoll des Gesprächs zwischen dem französischen Starphilosophen Jean-Paul Sartre und dem deutschen Terroristen Andreas Baader im Gefängnis Stuttgart-Stammheim ist auf Antrag des SPIEGEL freigegeben worden. Wie aus dem Protokoll des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg hervorgeht, wollte Sartre den inhaftierten Anführer der "Roten Armee Fraktion" (RAF) vom Morden abbringen.

Die RAF habe "Aktionen unternommen, mit denen das Volk nicht einverstanden war", sagte Sartre demnach bei dem Treffen am 4. Dezember 1974. Solche Aktionen seien für Deutschland nicht zu rechtfertigen. Der Ton des Gesprächs scheint laut Protokoll angespannt gewesen zu sein: Mehrfach habe Baader den Dramatiker mit dem Wort "Fragen?" angeherrscht, wohl weil der ihm zu wenig Interesse zeigte.

Der Terrorist habe ein maschinengeschriebenes Konzept verlesen, "bei Rückfragen von Sartre verlas er den gleichen Satz wiederum. Als er Satzteile erläutern sollte, hatte er sichtlich Schwierigkeiten", schrieb der LKA-Beamte, der bei dem Gespräch dabei war.

Für seinen Besuch bei Baader war Sartre heftig kritisiert worden. Nach dem Gespräch hatte der Philosoph in einer Pressekonferenz behauptet, der RAF-Anführer sei Isolationsfolter ausgesetzt - obwohl er dessen Zelle gar nicht gesehen hatte. Manche glauben, dass der Philosoph, damals bereits halbblind, den schlichten Besucherraum für Baaders Zelle gehalten habe.

son
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