Neuer Kompromissvorschlag zur Sauenhaltung Raus aus dem Kastenstand, rein in die Gruppe

Dass Schweine sich in Kastenständen kaum bewegen können, ist illegal, wird aber in Deutschland geduldet. Ein neuer Vorschlag sieht das Ende dieser Praxis vor – zugunsten der Gruppenhaltung.
Sauen in Gruppenhaltung: So soll nach dem Willen der Grünen künftig die Haltung der Tiere aussehen

Sauen in Gruppenhaltung: So soll nach dem Willen der Grünen künftig die Haltung der Tiere aussehen

Foto: Fritz Rupenkamp/ imago images/Countrypixel

Ein neuer Kompromissvorschlag soll die Kastenhaltung von Muttersauen weitgehend abschaffen. Bei der Kastenhaltung werden Muttersauen in enge Ständer gepfercht, in denen sie sich oft nicht einmal ausstrecken können.

Der Vorschlag sieht laut Parteivertretern der Grünen vor, die Kastenhaltung nach einer Übergangsfrist von acht Jahren nur noch für einen kurzen Zeitraum von wenigen Stunden während der Besamung zuzulassen. Abgesehen von diesen Stunden sollen die Sauen dem Vorschlag zufolge in Gruppen gehalten werden.

Hätte die Initiative Erfolg, wäre das eine Wende bei der Sauenhaltung in Deutschland - und ein Gewinn für das Tierwohl. Die unionsgeführten Bundesländer haben sich noch nicht offiziell zu dem Vorschlag geäußert.

Vor wenigen Wochen hatten das von CDU und FDP regierte Nordrhein-Westfalen sowie Schleswig-Holstein (CDU/FDP/Grüne) bereits einen Kompromissvorschlag gemacht. Auch dieser sah einen Übergangszeitraum von acht Jahren vor. Nach Ablauf dieser Frist sollten die Kastenstände vergrößert werden. Sauen sollten allerdings weiterhin eine Woche vor dem "Abferkeltermin", also der Geburt der Ferkel, in Abferkel-Kastenstände gesperrt werden dürfen.

Das wäre zwar eine Verbesserung gegenüber dem Status Quo gewesen, aber die Haltung im Kastenstand wäre nicht weitgehend abgeschafft worden. Wegen ihrer Haltung zu dem Thema war Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zuletzt in die Kritik geraten.

Über den nun bekannt gewordenen neuen Vorschlag hatte zunächst "topagrar " berichtet und geschrieben, dieser sei von Nordrhein-Westfalen an die unionsregierten Länder verschickt worden. Die Grünen beanspruchten daraufhin die Urheberschaft und erklärten, die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen habe ihren Vorschlag übernommen.

Eine Bestätigung dafür gibt es aus Nordrhein-Westfalen nicht. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums erklärte auf Anfrage, man arbeite weiterhin an einer Einigung. Den konkreten Bericht und die Aussagen der Grünen zur Urheberschaft wollte er aber nicht kommentieren. "Wir haben uns aus der Führungsverantwortung nicht verabschiedet", sagte er.

Lob und Kritik von Tierschützern

Grünen-Chef Robert Habeck feiert den neuen Vorschlag als Erfolg für seine Partei. "Die Grünen haben intensiven Druck gemacht, um den Kompromiss noch mal deutlich zu verbessern. Der Druck scheint sich zu lohnen und wir freuen uns, wenn Nordrhein-Westfalen jetzt für unseren Vorschlag wirbt", sagte Habeck dem SPIEGEL. "Das ist der Einstieg in ein neues System."

Vom Deutschen Tierschutzbund gibt es Lob für die Initiative. Präsident Thomas Schröder kritisierte zwar, acht Jahre Übergangszeit seien deutlich zu lang. Er betonte aber auch, wie froh er sei, dass die Länder mit grüner Regierungsbeteiligung dem Vorschlag aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein vor wenigen Wochen nicht zugestimmt hätten. "Damit ist das Ende des Kastenstands in Sicht", sagte er, "ich bin froh, dass die Grünen Stand gehalten haben."  Viele Landwirte seien zudem bereit umzustellen, sagte Schröder. "Auch die Landwirte wollen Planungssicherheit."

Doch es gibt auch Kritik: Tierschützer der Organisation "Vier Pfoten" kritisierten den neuen Vorschlag in einer Pressemitteilung als schöngefärbten Scheinkompromiss, der es Sauen für acht weitere Jahre nicht ermögliche, ihre Beine auszustrecken. Habeck verteidigte die Übergangszeit. "Auch ich hätte es gerne schneller, aber gemessen an dem Erreichten ist der Zeitraum akzeptabel. Eine gewisse Übergangszeit brauchen Landwirte und Behörden, um Bauantrag, Finanzierung und Umbau zu bewerkstelligen", sagte er dem SPIEGEL.

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