Sauerland-Prozess Anwälte fordern Bewährung für Angeklagten

Letztes Plädoyer im Sauerland-Prozess: Auch für den angeklagten Attila Selek hat die Verteidigung eine milde Strafe gefordert. Nach dem Willen seines Anwalts soll der 24-Jährige den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Er habe bei den Anschlagsplänen nur eine untergeordnete Rolle gespielt.
Im Sauerland-Prozess Angeklagter Selek: Ziel war das Paradies

Im Sauerland-Prozess Angeklagter Selek: Ziel war das Paradies

Foto: Achim Scheidemann/ dpa

Sauerland-Gruppe

Düsseldorf - Attila Selek hatte in der Türkei die Zünder für die geplanten Autobomben der beschafft und war dort festgenommen worden. Sein Verteidiger Axel Nagler forderte eine Haftstrafe von maximal vier Jahren. Die Haft in der Türkei und Deutschland solle Selek angerechnet und die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Anwalt verlangte am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht, den 24-Jährigen noch am Tag des Urteils auf freien Fuß zu setzen.

Die Bundesanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre Haft für den Deutsch-Türken gefordert. Sie wirft ihm Unterstützung einer ausländischen terroristischen Organisation und Vorbereitung eines Explosionsverbrechens vor. Das Urteil soll am 4. März fallen.

Seleks zweiter Verteidiger, Manfred Gnjidic, bezeichnete den 24-Jährigen als Mitläufer. Ausmaß und Umfang des geplanten Anschlags seien ihm gar nicht klar gewesen. "Er war erschrocken, als er erfuhr, um welche Menge Sprengstoff es sich handelte und dass Zivilisten bedroht wurden", sagte Gnjidic. Selek sei ein zutiefst gläubiger Mensch und stets "vom Wunsch getragen gewesen, ins Paradies zu kommen". Nun wisse er aber, dass er den falschen Weg eingeschlagen habe. "Was seinen Glauben angeht, steht er vor einem Trümmerhaufen und ist depressiv geworden", sagte der Verteidiger.

Islamische Dschihad Union (IJU)

Selek habe auch versucht, Fritz Gelowicz als Anführer der Gruppe von den Anschlägen abzubringen, sagte Verteidiger Nagler. Er sei Gelowicz aber in "Nibelungentreue" verbunden gewesen. Der Vorwurf der Unterstützung einer ausländischen Terrorvereinigung müsse bei Selek fallen gelassen werden, forderten die Anwälte. Denn er habe nach der Terrorausbildung in Waziristan nicht den Treueid auf die geschworen.

"Untauglicher Versuch eines terroristischen Anschlags"

Die vier im "Sauerland-Prozess" Angeklagten hatten in dem Prozess gestanden, im Auftrag der in Waziristan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ansässigen IJU Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant haben.

Drei der Angeklagten - der mutmaßliche Rädelsführer Fritz Gelowicz, Daniel Schneider und Adem Yilmaz - hatten im Sommer 2007 in einem Ferienhaus im sauerländischen Medebach-Oberschledorn damit begonnen, aus Chemikalien Sprengstoff herzustellen. Dort wurden sie von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Selek wurde später in der Türkei verhaftet.

Dessen Anwalt Gnjidic erklärte, bei den Plänen der Gruppe handle es sich um den "größten untauglichen Versuch eines terroristischen Anschlags". Denn die Gruppe sei monatelang überwacht und das für die Bomben gekaufte Wasserstoffperoxid sei von den Fahndern durch eine ungefährliche dreiprozentige Lösung ausgetauscht worden. Von den 26 Zündern seien nur drei funktionstüchtig gewesen.

In der kommenden Woche können die Angeklagten ihr Schlusswort in dem seit neun Monaten laufenden Prozess sprechen. Für Gelowicz, Schneider und Yilmaz hat die Bundesanwaltschaft Strafen von elfeinhalb bis 13 Jahren gefordert. Mit Verweis auf die umfassenden Geständnisse der Angeklagten hatten die Verteidiger für Haftstrafen unter zehn Jahren plädiert.

mmq/dpa/apn