Sauerland-Prozess Gelowicz gibt sich schockiert über Festnahme seiner Frau

Die Verhaftung seiner Frau hat ihn schockiert - so sagt es jedenfalls der Hauptangeklagte im Sauerland-Prozess. Fritz Gelowicz selbst gab sich in seinem Schlusswort reumütig. Er wolle sich in "keinster Weise" mehr an Terror-Aktivitäten beteiligen.

Angeklagter Gelowicz: "Geschockt und überrascht"
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Angeklagter Gelowicz: "Geschockt und überrascht"


Düsseldorf - Gut eine Woche vor dem Urteilsspruch wollte Fritz Gelowicz die Chance nutzen, den Richtern seine Abkehr vom Terrorismus zu beweisen. Umso ungelegener dürfte dem Rädelsführer der Sauerland-Gruppe die Festnahme seiner Ehefrau kommen. Er sei "geschockt und überrascht", sagte Gelowicz am Dienstag in seinem Schlusswort vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Seine 28-jährige Frau sitzt in Untersuchungshaft, weil sie mit zwei ebenfalls festgenommenen Männern der " Islamischen Dschihad-Union" (IJU) Geld geschickt haben soll.

Fritz Gelowicz und drei weitere angeklagte mutmaßliche Terroristen hatten im Prozess gestanden, für ebendiese Gruppe Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant zu haben. Inzwischen habe er sich aber vom Terrorismus losgesagt, beteuerte der 30-jährige Gelowicz. "Ich will klarstellen, dass ich mich in Zukunft in keinster Weise an terroristischen Aktivitäten beteiligen und auch nicht in eine terroristische Vereinigung zurückkehren werde", sagte der Anführer der Sauerland-Gruppe. "Dieser Entschluss steht fest." Er meine es "ehrlich".

Auch die Angeklagten Daniel Schneider und Atilla Selek distanzierten sich vom Terrorismus. Ihre Mitwirkung an den Anschlagsvorbereitungen sei ein "Fehler" gewesen, erklärten sie. "Der Weg war falsch und fußte auf falschen Überlegungen", sagte der 24-jährige Schneider. "Ich hätte anders handeln können und müssen." Sein "festes Ziel" sei, das Gefängnis mit einem abgeschlossenen Studium zu verlassen.

Schneider ist auch des versuchten Mordes angeklagt. Er hatte bei der Festnahme einem Polizisten die Waffe entrissen, woraufhin ein Schuss gefallen war. Er hätte den Tod des Mannes vielleicht in Kauf genommen, ihn aber nicht gewollt, sagte Schneider. "Ich möchte mich bei dem Polizisten entschuldigen."

Angeklagten drohen langjährige Haftstrafen

Im Gegensatz zu seinen früheren Verbündeten verzichtete der vierte Angeklagte, Adem Yilmaz, auf ein Schlusswort. Das Urteil soll am 4. März fallen. Die Bundesanwaltschaft hat für die vier mutmaßlichen Terroristen Haftstrafen zwischen fünfeinhalb und 13 Jahren gefordert. Die Verteidiger hatten deutlich niedrigere Strafen beantragt und dabei auf die umfangreichen Geständnisse ihrer Mandanten verwiesen.

Ein Sondereinsatzkommando hatte drei der Angeklagten - den mutmaßlichen Rädelsführer Fritz Gelowicz, Daniel Schneider und Adem Yilmaz - im Sommer 2007 in einem Ferienhaus im sauerländischen Medebach-Oberschledorn festgenommen. Dort hatte die Gruppe damit begonnen, aus Chemikalien Sprengstoff herzustellen. Selek wurde später in der Türkei verhaftet.

Ebenfalls 2007 hatte Gelowicz in Deutschland seine türkischstämmige Frau geheiratet. Die Generalbundesanwaltschaft verdächtigt die 28-Jährige, über einen Mittelsmann in der Türkei mehr als 2400 Euro an die in Afghanistan aktive Terrorgruppe "Islamische Bewegung Usbekistan" (IJU) überwiesen zu haben. Gelowicz, Schneider, Yilmaz und Selek hatten sich vor ihren Anschlagsplanungen in einem Camp der IJU ausbilden lassen.

mmq/dpa/apn

insgesamt 4 Beiträge
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drsigsag 23.02.2010
1. Und was nun?
Zitat von sysopDie Verhaftung seiner Frau hat ihn schockiert - so sagt es jedenfalls der Hauptangeklagte im Sauerland-Prozess. Fritz Gelowicz selbst gab sich in seinem Schlusswort reumütig. Er wolle sich in "keinster Weise" mehr an Terror-Aktivitäten beteiligen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,679858,00.html
Und was sollen wir hier nun diskutieren? Es wird sich schon noch sagen (oder auch nicht) ob seine Aussagen der Wahrheit entsprechen, oder er die Sache nur als eine Täuschung "Ungläubiger" betrachtet.
jo-tiopepe 23.02.2010
2. Ab in den Knast
Zitat von drsigsagUnd was sollen wir hier nun diskutieren? Es wird sich schon noch sagen (oder auch nicht) ob seine Aussagen der Wahrheit entsprechen, oder er die Sache nur als eine Täuschung "Ungläubiger" betrachtet.
Dem ist nichts hinzuzufügen!
2hus 23.02.2010
3. lebenslänglich
Der sollte lebenslänglich bekommen! Und nach 15 Jahren kann er dann mal einen Antrag auf Begnadigung stellen. Der hätte ohne mit der Wimper zu zucken, viele Menschen in den Tod gebombt. Aber bei der verkommenen Justiz hierzulande, ist wahrscheinlich mit einem Freispruch zu rechnen, wegen nicht ausschließbarer Schuldunfähigkeit.
Bölkmaster, 23.02.2010
4. Tätige Reue
sieht so aus: http://www.flickr.com/photos/67855182@N00/2733838303/
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