Sayan-Überfall "Brauner Sauce keine Chance geben!"

Der brutale Überfall auf den türkischstämmigen Berliner Linkspartei-Politiker Giyasettin Sayan hat in allen Parteien Betroffenheit ausgelöst. Die Polizei fahndet weiter nach den Tätern - trotz einiger Zeugenhinweise gibt es bislang noch keine heiße Spur.


Berlin - Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) forderte den entschiedenen Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. "Wir dürfen der braunen Soße nie mehr eine Chance geben, das müssen sich die demokratischen Parteien versprechen."

Linkspartei Politiker Sayan: Mit einer Flasche niedergeschlagen
DPA

Linkspartei Politiker Sayan: Mit einer Flasche niedergeschlagen

Demokratie müsse jeden Tag neu erkämpft werden. Friedbert Pflüger, der CDU-Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters in Berlin, bezeichnete den Überfall in einem Brief an Sayan als "eine abscheuliche Tat". Ausländerfeindlichkeit, Hass auf Migranten, Gewalt, Kriminalität und Extremismus müssten mit einer Politik der "Null Toleranz" beantwortet werden.

Grünen-Chefin Claudia Roth hatte den Übergriff zum Anlass genommen, um Heyes Rat an dunkelhäutige WM-Besucher, bestimmte Gegenden im Osten besser zu meiden, zu verteidigen. Nicht die Äußerungen zum Problem Rechtsextremismus seien es, die dem Image Deutschlands vor der WM schadeten, sondern die nackten Fakten. Dieser Fall zeige, es seien keine Einzelfälle, "sondern wir haben ein flächendeckendes, gravierendes rechtsextremistisches Gewaltproblem in unserem Land", sagte Roth. Es sei erschütternd, dass Sayan mitten in der Hauptstadt Opfer eines "brutalen, rassistischen Anschlags" geworden sei.

Der Türkische Bund erklärte, der Vorfall zeige, dass die Warnungen von Ex-Regierungssprecher Heye nicht unbegründet seien. Auch die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus verurteilte die Tat.

Die rechtspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, forderte, ein Konzept vorzulegen, das nicht nur Repressionen vorsehe, sondern die Ursachen rechtsextremistischer Gewalt angehe.

Unmittelbare Tathinweise gibt es noch nicht

Nach den Worten von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) muss "der Sumpf trockengelegt werden, aus dem sich solche Gewalttaten entwickeln können".

Giyasettin Sayan war am Freitagabend in seinem Wahlbezirk Berlin-Lichtenberg von zwei Unbekannten im Alter von 20 bis 25 Jahren als Ausländer beschimpft und dann mit einer Flasche niedergeschlagen worden. Der 56-Jährige wurde mit einer Gehirnerschütterung und Prellungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Sayan, der deutscher Staatsbürger ist, ist migrationspolitischer Sprecher der Fraktion der Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus.

Von den vermutlich fremdenfeindlichen Tätern gibt es noch keine heiße Spur. Zwar hätten sich Leute bei der Polizei gemeldet, unmittelbare Tathinweise seien aber noch nicht dabei gewesen, sagte ein Sprecher der Behörde. Die Ermittler gehen von einem extremistischen Hintergrund der Tat aus.

Polizeipräsident Dieter Glietsch setzte für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von bis zu 3000 Euro aus. Es werden weiter Zeugen gesucht. Der Staatsschutz hat den Fall übernommen.

Die Gegend, in der Sayan überfallen wurde, ist nach den Worten von Glietsch ein "bevorzugtes Wohngebiet" von Neonazis. Dennoch sei es nicht gerechtfertigt, Berlin-Lichtenberg oder Teile dieses Bezirks zur 'No-go-Area' zu erklären.

anr/AP/ddp/dpa



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